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Der Prignitzer

04. Dezember 2016 | 00:48 Uhr

Wenn das Haustier verschwindet : Rechtslage macht ohnmächtig

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Tierhalter sind verunsichert: Darf man die eigene Hauskatze aus einer Lebendfalle befreien?

„Wie jeden Morgen ließen wir unsere Katze ’raus“, berichtete uns eine Leserin aus dem Bereich Karstädt. Was jedoch nicht wie immer war: Die Katze ließ sich vormittags für ihr Schläfchen auf der Terrasse nicht mehr blicken. Auch abends fehlte noch jede Spur von ihr.

Zwei Katzen seien der Leserin in den vergangenen Jahren so schon abhanden gekommen. Ihren Kater fand sie eineinhalb Tage nach seinem Verschwinden am 200 Meter entfernten Waldrand in einer Lebendfalle wieder, verängstigt und äußerst hungrig. „Ich kann mit Gewissheit sagen, dass speziell diese Falle drei Tage lang nicht kontrolliert wurde“, so unsere Leserin. Sie jedenfalls fühlt sich angesichts dieser Rechtslage ohnmächtig. „Ich habe zu diesem Thema viel im Netz recherchiert, wir haben keine Chance. Sicherlich haben diese Fallen auch etwas Gutes, wenn sie richtig und dem Zweck dienend eingesetzt werden. Viele Haustierbesitzer hatten nicht das Glück wie wir, ihr Tier noch zu finden. Doch der Eindruck bleibt, dass manche Fallen tagelang nicht kontrolliert werden.“

„Was letztlich im Wald passiert, kann keiner kontrollieren“, meint Peter Höffken von der Tierschutzorganisation PETA. Die Organisation bemängele seit Jahren, dass es im Bundesjagdgesetz und den entsprechenden Landesgesetzen nur unzureichend geregelt sei, in welchen zeitlichen Intervallen die Lebendfallen zu überprüfen sind. Nachbesserungsbedarf sieht das Land Brandenburg hingegen nicht. Die jagdrechtlichen Vorschriften würden die Fallenjagd bereits abschließend regeln, das übliche Kontrollintervall betrage zwölf Stunden, insofern sei es unwahrscheinlich, dass Tiere in einer Falle verenden, merkt Achim Wersin-Sielaff vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes an. Von einem anderen Kontrollintervall spricht Dr. Tino Erstling vom Landesjagdverband Brandenburg. „Einmal täglich“ sei zu prüfen, darauf hätten sich der Deutsche Jagdverband sowie der Verband der deutschen Berufsjäger geeinigt.

Lebendfallen werden in Brandenburg üblicherweise zum Fang verschiedener kleiner Raubtiere wie Fuchs, Waschbär, Marderhund, Mink, Dachs und Steinmarder eingesetzt. Achim Wersin-Sielaff ergänzt, dass aber „herumstreunende Katzen, die in Lebendfallen gefangen wurden, dem Eigentümer zurück zu geben sind.“ Das heiße aber nicht, dass man sein eigenes Tier befreien dürfe. „Das Jagdausübungsrecht steht ausschließlich Jagdbezirksinhabern zu und gilt für Lebendfallen. Dritte haben kein Zugriffsrecht auf die aufgestellten Fallen“, so Wersin-Sielaff. Im Ergebnis müsse man bei einer Befreiung des eigenen Tieres rechtliche Konsequenzen fürchten. So sieht es auch der Landesjagdverband.

Etwas anders argumentiert noch die Tierschutzorganisation PETA. „Die Befreiung des eigenen Tieres aus solchen Lebendfallen ist grundsätzlich zulässig, da es sich um das Eigentum des Befreienden handelt“, sagt PETA-Justiziarin Sophie Nouvertné. Sie rät dazu, sollte man Auffälligkeiten entdecken, sich umgehend an die zuständige Jagdbehörde zu wenden. Dasselbe gelte für Fälle, in denen das gefangene Tier sich in oder an der Falle verletzt hat oder bereits über einen längeren Zeitraum in der Falle verharrt. „Im Notfall sollten Sie die Polizei verständigen.“ PETA spricht davon, dass in Deutschland ungefähr 100 000 Mal im Jahr die Falle bei Hauskatzen zuschnappt.

Laut Dr. Tino Erstling seien streunende Hauskatzen auch in der Prignitz eine Bedrohung etwa für Singvögel und das heimische Niederwild wie Feldhase, Kaninchen, Fasan und Rebhuhn. Bei streunenden Katzen, die sich außerhalb des 200 Meter Radius’ aufhalten, könnte den Tierhaltern sogar ein Verstoß gegen den Artenschutz vorgehalten werden. „Deshalb plädieren wir auch weiterhin für diese Möglichkeit der Bejagung.“







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erstellt am 29.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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