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Damit die Prignitz Lebenswert bleibt : Perleberg muss Anker bleiben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Kreisstadt-Status ist wichtig für die Beschäftigung und den Erhalt der Entwicklungschancen im ländlichen Raum.

Ohne den Kreisstadt-Status für Perleberg in einem Großkreis Prignitz-Ruppin sinken die wirtschaftlichen Entwicklungschancen deutlich. Zu diesem Schluss kommt eine von der Stadtverwaltung mit Unterstützung der Stadt Wittenberge, des Regionalen Wachstumskerns Prignitz (RBK), der Wirtschaftsinitiative Westprignitz und des Kreiskrankenhauses erarbeitete Argumentation. Der Kreissitz sei in den vergangenen Jahren entscheidend für einige Investitionen auswärtiger Unternehmen in Perleberg gewesen, beispielsweise von K&K Petfood, betonte RBK-Vorsitzender Lutz Lange. Insgesamt habe sich der Regionale Wirtschaftskern zu einer Vorzeigeregion mit Investitionen von 148,6 Millionen Euro zwischen 2010 und 2016 gemausert. Die Investitionen würden von kleinen und mittleren Unternehmen getragen. Das Engagement benötige aber Unterstützung durch Verwaltung und Bildung, so der RBK-Chef.

Auch die Entwicklung der Einwohnerzahlen verlaufe besser als vorausgesagt. Junge Familien, darunter viele Facharbeiter, kämen zurück in die Prignitz, um hier zu leben und sich zu verwirklichen. Allein im Hotel „Alte Ölmühle“ und der Wittenberger Schwimmhalle seien aktuell sieben Rückkehrer beschäftigt, so Lutz Lange.

Die Prignitz erlebe derzeit einen kleinen Bauboom, wie ihn niemand vor zehn Jahren erwartet habe, sagte der Wittenberger Bürgermeister Oliver Hermann. Auch das zeige, wie die stabile Zahl an Schulabgänger und damit künftigen Fachkräften die gute Entwicklung und die Potenziale der Prignitz. Ohne Kreissitz Perleberg würde es aber schwieriger, diese Möglichkeiten zu nutzen.

Hermann verwies auf die strukturpolitische Bedeutung des Perleberger Kreissitzes und des gemeinsamen Mittelzentrums. Gerade der metropolenferne ländliche Raum benötige Anker wie Perleberg, die Beschäftigung und Leistungen für die Bürger sichern. Fiele der Anker weg, würde das die Entwicklungschancen deutlich verschlechtern. Das gelte nicht nur für die Stadt, sondern auch für deren Umfeld.

Das belegen auch die Pendlerverflechtungen von Perleberg. Fast 3500 Menschen pendeln zur Arbeit in die Stadt, davon mehr als 800 aus Wittenberge, rund 380 aus Karstädt und je rund 300 aus dem Amt Bad Wilsnack-Weisen und Pritzwalk. Rund 2150 Perleberger fahren zur Arbeit nach außerhalb, davon 585 nach Wittenberge. Die starke Umlandfunktion sei zum Teil auch durch den Kreissitz bedingt.

Wichtig für die Bürger sei die Präsenz des Staates überall im ländlichen Raum. Das beuge dem Gefühl vor, in den metropolenfernen Regionen abgehängt zu werden, so Hermann und seine Perleberger Amtskollegin Annett Jura. In Neuruppin gewährleisteten das 1600 Landesbedienstete, in Perleberg seien es nur 280. Die Kreisverwaltung und die Eigenbetriebe ohne Eigengesellschaften wie dem Krankenhaus beschäftigen 750 Menschen, das sind, fast 13 Prozent aller Arbeitsplätze in der Stadt. Hinzu kommen rund 200 davon abhängige Stellen.

„Für Perleberg sprechen 200 Jahre Erfahrungen als Kreissitz, eine Kreisverwaltung deren Durchschnittsalter acht Jahre geringer als im Landesdurchschnitt sei, und der Platz reiche für 200 weitere Kreismitarbeiter, sagte Annett Jura. Die Digitalisierung habe in der Verwaltung Einzug gehalten, Kreistagsabgeordnete können die Sitzungsvorlagen digital abrufen und behördliche Stellungnahmen zu Verfahren erfolgten elektronisch. 60 Prozent der Bürger des Großkreises könnten Perleberg in 45 Minuten erreichen.

Die Argumentation wurde an alle Brandenburger Minister, Staatssekretäre und Landtagsabgeordneten verschickt und ist auf der Homepage der Stadt abrufbar. Sie richte sich nicht gegen Neuruppin, so Jura, Hermann und Lange. Sie plädierten für zwei gleichberechtigte Verwaltungssitze statt „Außenstellen“, um die Menschen mitzunehmen und erneute Grabenbildungen zu vermeiden.  

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erstellt am 19.Mär.2017 | 12:00 Uhr

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