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Der Prignitzer

08. Dezember 2016 | 19:05 Uhr

Wolf bei Karstädt : Neu geborenes Kalb gerissen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Karstädt vermutet einen Angriff eines Wolfes. Entschädigung gibt es nicht

Riesenschreck und große Aufregung gestern in der Agrargenossenschaft Karstädt e. G. Der Grund: Ein totes Kalb auf der Weide in Postlin, das in der Nacht zu gestern geboren wurde. Der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft hegt einen Verdacht: „Die Vermutung liegt nahe, dass das Kalb von einem Wolf gerissen wurde“, sagt Lothar Pawlowski im Gespräch mit dem „Prignitzer“.

„Ich wurde am Morgen von meinem Herdenverantwortlichen über das tote Kalb informiert. Auf der Weide in Postlin steht eine Mutterkuhherde. Die Kühe konnten den Angriff auf das Kalb nicht verhindern. Ich habe schon mal gesehen, wie Hunde von Kühen vertrieben wurden“, berichtet der Chef der Agrargenossenschaft, der dann den Abtransport des Kadavers veranlasste. Ein großer Fehler, wie sich im Laufe des Vormittags noch herausstellen sollte.

Warum hegt der Karstädter den Verdacht, dass es ein Wolf war: „In den letzten Tagen wurden zwei Wölfe auf einem Acker bei Cumlosen gesichtet. Ein neugeborenes Kalb wiegt zwischen 40 und 50 Kilogramm. Aufgrund der Menge Fleisch, die verzehrt wurde, muss es ein Raubtier gewesen sein“, so Pawlowski, der aber nicht ganz ausschließt, dass das tote Kalb auch von mehreren Tieren gefressen worden sein könnte.

Er meldete sofort den Vorfall, wendete sich zuerst an Uwe Roese. „Er konnte mir nicht weiterhelfen, da er bei einer Schädigung von Nutztieren nicht zuständig ist“, sagte Pawlowski.

„Ich bin Wolfsbeauftragter des Jagdverbandes Perleberg und nicht des Landkreises wie ich oft genannt werde. Ich darf Wildtierrisse dokumentieren, aber keine Nutztierrisse. Da geht es ja auch um Schadensersatz“, erklärt Uwe Roese gegenüber dem „Prignitzer“. Er ist als Wolfsbeauftragter des Jagdverbandes für das Wolfsmonitoring, Fotofallen und die Verfolgung von Fährten und Losen zuständig. Und er stellt klar: „Wir können davon ausgehen, dass es hier in der Prignitz Wölfe gibt.“

Bei einer Schädigung von Nutztieren müssen die Prignitzer Landwirte sich direkt an den zuständigen Mitarbeiter im Umweltministerium, den Wolfsschadensgutachter und Biologen Kay-Uwe Hartleb, wenden. „Das habe ich gemacht, habe ihm die Fotos gesendet“, erklärt Pawlowski, um dann seinem Ärger freien Lauf zu lassen. Denn die Antwort aus dem Ministerium war für ihn alles andere als zufriedenstellend. „Mir wurde gesagt, anhand der Fotos könne man nicht erkennen, ob es sich um einen tödlichen Biss eines Wolfes handeln würde. Es könne sich auch um eine postmortale Nutzung anderer Tiere handeln, die sich an dem Kadaver bedient hätten“, berichtet der Chef der Agrargenossenschaft. Und außerdem sei, da der Kadaver von der Weide bewegt wurde, keine Untersuchung mehr möglich. „Die entledigen sich jeglicher Verantwortung. Man scheint die Sache gar nicht verfolgen zu wollen. Die Prignitz wird noch nicht als wolfsrelevant und tiergefährdend angesehen“, ist Pawlowski verärgert. Er führt weiter aus: „Hier ist ein Zucht- und Nutztier geschädigt worden. Auf dem Schaden bleiben wir sitzen.“ In der Tat. Denn Umweltminister Jörg Vogelsänger betonte in der Vergangenheit mehrfach, dass eine Entschädigung nur erfolgt, wenn nachweislich die Schädigung durch einen Wolf erfolgte und entsprechende Vorsorgemaßnahmen wie zum Beispiel die Errichtung eines Wolfszaunes, wofür Fördergelder beantragt werden können, getroffen worden waren. „Eine Weidefläche lässt sich nicht mit einem Wolfszaun einzäunen. Der muss in den Boden eingegraben werden“, meint Lothar Pawlowski. Er appelliert an das Ministerium, dass es die Durchführungs- und Handlungsweise bei der Entschädigung nochmals neu regelt: „Schädigungen an Nutztieren durch den Wolf müssten grundsätzlich erstattet werden.“

Dazu allerdings bedarf es den Beweis. Und da weist auch Uwe Roese als Wolfsbeauftragter des Jagdverbandes Perleberg eindringlich daraufhin: „Wenn ein Nutztier gerissen wurde, darf der Halter nichts anfassen, nichts verändern, er sollte darauf aufpassen, dass keine anderen Tiere da ran kommen. So kann man DNA sichern und Untersuchungen durchführen.“

 

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erstellt am 05.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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