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Der Prignitzer

07. Dezember 2016 | 23:12 Uhr

Schweinetransport : Landwirt dankt den Helfern

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bei der Bergung des verunglückten Schweinetransporter arbeiteten Retter Hand in Hand

Hilfeleistungen werden oft mit Selbstverständlichkeit abgetan. Nicht so bei Temme Struck, Unternehmer aus Schleswig-Holstein, der mit seiner Frau einen Familienbetrieb mit 34 Mitarbeitern leitet. Er rief im Ordnungsamt der Gemeinde Karstädt an und ließ sich die Telefonnummern der Feuerwehren geben, die bei der Bergung von Schlachtschweinen aus einem verunglückten Viehtransporter beteiligt waren, um sich bei ihnen zu bedanken.

Sein Dank richtete sich ebenso an den Landwirtschaftsbetrieb Jaeger aus Blüthen, der mit Technik und Zaunelementen zu Hilfe kam. Auch kontaktierte Struck die Agrargenossenschaft Karstädt zur Schadensregulierung von Ackerflächen.

Zur Erinnerung: Auf der B 5-Umleitungsstrecke Karstädt-Perleberg war am 7. November ein Schlachtviehtransporter von Temme Struck bei Blüthen von der Straße in den Seitenstreifen geraten und mit dem Spezialauflieger umgestürzt (die polizeilichen Ermittlungen laufen). „Wir waren mit der Wehr aus Karstädt zeitgleich am Unfallort. Da sich bereits Rettungskräfte um den verletzten Fahrer kümmerten, konnten wir mit der Bergung der Tiere beginnen“, erzählen Torsten und Jörg Jaeger aus Blüthen.

Die erste Viertelstunde sei ein Grauen gewesen. Die Tiere, die in drei Decks transportiert werden, hätten übereinander gelegen und in Panik wahnsinnig gequiekt. „Wir haben mit der Brechstange die verklemmten Lüftungsschächte aufgehebelt, damit die Tiere Luft bekommen. Dann öffneten wir hinten die Klappe und begannen, die Tiere einzeln herauszuholen. Das dauerte fast drei Stunden“, berichten sie.

An der Tierbergung aus dem Fahrzeug waren vor allem Kameraden beteiligt, die in landwirtschaftlichen Betrieben tätig sind und Erfahrung im Umgang mit Tieren haben. Zur Hilfe eilten ebenso Temme Struck-Fahrer, sind doch täglich fünf Fahrzeuge des Unternehmens Richtung Schlachtbetrieb Quitzow unterwegs.

„Wir mussten mehrmals raus, um uns abzuwechseln. Wir waren nass und haben keine Luft mehr bekommen. Auch die Struck-Fahrer haben gekeult wie die Stiere“, berichtet Torsten Jaeger. Verletzte oder tote Tiere zogen sie mit dem Seil heraus. „Die Bergung ist eine Scheiß-Arbeit, ist doch alles eng, schmierig und stressig durch die in Panik geratenen Tiere“, weiß Temme Struck, der um so mehr den Einsatz der Kameraden würdigt.

Bei Bränden, wo schwerer Atemschutz zum Einsatz kommt oder bei der Unfallrettung mit Schneid- und Spreizgeräten, ständen die Dorfwehren weniger in erster Reihe, meinten die Jaeger-Landwirte. „Doch hier konnten wir zeigen, dass wir gebraucht werden und dass es wichtig ist, auch kleinere Feuerwehrstandorte zu erhalten.“ Erinnerungen werden wach an den Einsatz bei einem schweren Brand in Klockow, bei dem zahlreiche Kühe ums Leben kamen, deren verkohlte Kadaver aus dem Stall gezogen werden mussten.

„Wir würden unsere Schweine gern in Schleswig-Holstein zur Schlachtung bringen und weniger weite Wege fahren. Doch von den einst elf Schlachthöfen bei uns haben in den letzten 20 Jahren zehn aus wirtschaftlichen Gründen dicht gemacht. Der einzige noch produzierende Betrieb schlachtet 8000 Tieren die Woche. Doch werden im Land 55 000 Schlachtschweine/Woche produziert“, so der Firmenchef. Die Wege zu Schlachtbetrieben wurden länger, denn auch im Osten Deutschlands wurden Höfe ausgedünnt, sind unter anderem in Schwerin, Anklam, Templin oder Dessau von der Landkarte verschwunden.
Die sieben größten Schlachthöfe in Deutschland verarbeiten rund 75 Prozent der Schweine. Weite Transporte sind Alltag. So unter anderem aus dem Bereich Vechta-Cloppenburg, der Hochburg der Schweinehaltung und Mast. „Im westlichen Niedersachsen und westlichen Nordrhein-Westfalen werden 70 Prozent der Schlachtschweine Deutschlands produziert. In Schleswig-Holstein sind es fünf, in Ostdeutschland 15 Prozent“, listet Temme Struck auf.

Das Familienunternehmen mit Stammsitz in Thumby Hassel bei Schleswig ist neben dem Getreideanbau und eigener Schweinezucht in der Vermarktung von Ferkeln und Mastschweinen aktiv und transportiert 7000 Schlachtschweine sowie 8000 Ferkel pro Woche von über 200 Landwirten aus der Region. Nach Perleberg sind täglich fünf Fahrzeuge unterwegs.

„Die Umleitungsstrecke Karstädt-Blüthen-Reetz-Groß Buchholz-Perleberg ist eine große Herausforderung an meine Kraftfahrer. Sie ist für den Lkw-Verkehr sehr eng und zum Teil ausgefahren.“ Die Fahrzeuge seien extrem kopflastig: „Gerät ein Lkw von der Straße auf die Bankette, ist er nicht mehr zu halten.“

Nicht nachvollziehen könne er, dass es Lkw-Fahrer gibt, die versuchen zu überholen, wie beim Unglücksfall Blüthen oder seine Leute anfunken, damit diese etwas schneller fahren oder Platz machen zum Überholen.
Ungeduldig warten nicht nur Struck und seine Kraftfahrer auf die Fertigstellung des B 5-Knotens am Abzweig Schönfeld und damit auf das Ende der Umleitung. Laut Landesbetrieb Straßenwesen ist dafür der 15. Dezember genannt. Für einen Laien sieht es nicht danach aus.

„Mitte Dezember ist nach wie vor unser Ziel. Die Regenentwässerung ist drin. Derzeit werden die Borde gesetzt, Dann wird die Tragschicht eingebracht und anschließend der Asphalt“, gibt sich Robby Werdermann vom Landesbetrieb optimistisch. Was er aber auch weiß: Nieselregen ist kein Problem, doch unter fünf Grad kann kein Asphalt mehr eingebaut werden.

Ob dann ein Übergangslösung hergestellt wird, ist offen. „Wir werden abwägen, was überwiegt - die Unterhaltung der Umleitungsstrecke oder ein Provisorium mit Ampel“ so Werdermann. Den jahreszeitlich späten baustart habe die untere Naturschutzbehörde verursacht: Erst zum Oktober seien die notwendigen Baumfällungen genehmigt worden.

 

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erstellt am 19.Nov.2016 | 04:45 Uhr

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