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Der Prignitzer

19. Februar 2017 | 15:25 Uhr

Studie sorgt für Diskussionen : Keine Perspektiven für die Prignitz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ist ein privater Hausbau in der Prignitz der größte Fehler? Ja, sagt Professor Harald Simons. Akteure vor Ort widersprechen vehement.

Was ist der größte Fehler, den eine junge Familie machen könnte? In der Prignitz ein Haus zu bauen. Das meint Professor Doktor Harald Simons.

Wörtlich sagt er in einem Interview des rbb: „Das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann, sind größere öffentliche oder private Investitionen.“ Bezogen auf den Hausbau einer Familie ergänzt er: „In zehn Jahren wohnt keiner Drumherum und die Wasserversorgung kann nicht aufrecht erhalten werden.“ Sein Fazit in dem Interview: „Es macht keine Freude, in solchen Regionen zu leben.“

Diese Aussagen belegt er mit einer von ihm verfassten Studie. „Abwanderung aus Nordwestbrandenburg. Folgen und strategische Lösungen“. Auftraggeber war der Verein Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock/Dosse e.V.

Arbeitsmarkt, Bevölkerungsentwicklung, Abwanderung junger Generationen sind Aspekte, die in der Studie untersucht werden. Beim Vergleich der beiden Kreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppin ist laut Studie die Ausgangslage zwar ähnlich schwierig, aber unterm Strich punktet Ostprignitz mit Neuruppin in fast allen Belangen gegenüber Perleberg.

In der Studie heißt es, dass Neuruppin eine „versteckte Perle“ ist. Landes- und strukturpolitisch sei es wichtig, Neuruppin noch weiter zu stärken. Nur dann lassen sich am ehesten positive Effekte erzielen. Harald Simons befürwortet deshalb den künftigen Kreissitz in Neuruppin. Das sei alternativlos. Im Falle von Perleberg würde die Wirkung „verpuffen“. „Das Ergebnis wäre eine vertane Chance für die Region“, heißt es in der Studie.

In der Prignitz ist die Verwunderung über den Fernsehbeitrag groß. Klar sei nicht alles bestens, gebe es Schwierigkeiten und Herausforderungen so Wittenberges Bürgermeister Dr. Oliver Hermann. Aber die Äußerungen des Professors im Fernsehen dürfe man nicht ernst nehmen. Bezogen auf die Wasserversorgung meint Hermann: „Das ist Unsinn. Es loht sich nicht, sich damit zu beschäftigen.“ Die Äußerungen von Harald Simons zu Investitionen würden Entscheidungen internationaler Firmen wie Austrotherm oder MV Pipe Lügen strafen. „Sie haben sich aus guten Gründen für eine Ansiedlung in der Prignitz entschieden.“

„Familien leben und arbeiten gerne hier“, sagt Perlebergs Bürgermeisterin Annett Jura. Die Bevölkerungszahl in ihrer Stadt sei stabil, die Schülerzahlen steigen. Sie kritisiert, dass einige Teile der Studie sich nur auf Zahlen der Jahre 2011-2015 stützen und dennoch so weitereichende Ergebnisse formuliert werden.

Den Fernsehbeitrag bezeichnet Annett Jura „als nicht gut recherchiert“. Sie habe nicht Kollegen aus „kleinen Städten“, sondern aus Kreisstädten empfangen. Es sei keine „Krisensitzung“ gewesen, sondern ein schon im Vorjahr geplantes Treffen zum Thema Kreisgebietsreform. „Erwähnt wird im Film das Gymnasium, aber ich sprach über Grundschulen in Trägerschaft der Stadt“, sagt Jura. Für das Gymnasium sei der Kreis zuständig.

Auch dort kennt man den Beitrag und runzelt die Stirn: „Die Aussagen von Professor Doktor Harald Simons im rbb sind zurückzuweisen“, reagiert Landrat Torsten Uhe. Natürlich hätten die Menschen in der Prignitz eine Zukunft. „Auch Wissenschaftler haben dies unlängst in einer Studie zur Trendanalyse 2030 bestätigt. Danach ist die Prignitz eine Potentialregion“, sagt er. In den vergangenen Jahren habe es eine sehr positive Entwicklung gegeben. „Das betrifft besonders den Ausbau der Infrastruktur in den Städten und Gemeinden des Landkreises, die anhaltende Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung oder auch die Erfolge in Kunst und Kultur“, so Uhe weiter.

 

Reaktionen: Das sagen unsere Nutzer auf Facebook:

• Mario Zander: "Ob mit oder ohne Gutachten vom Professor: Man muss sich nur mal mit offenen Augen Neuruppin anschauen und etwas gesunden Menschenverstand zulassen... liegt doch klar auf der Hand, welche Stadt die Pole-Position hat."

• Cornelia Schmidt:  "Wenn  hier auf dem Lande kaum noch öffentliche Verkehrsmittel fahren und in einigen Orten in den Ferien gar nichts mehr, braucht man sich nicht wundern, wenn die Jugend abwandert. Man möchte junge Familien mit Kindern auf dem Land, schafft aber im Gegenzug jede Möglichkeit ab, dass dies auch funktionieren kann."

•  Mareike Hoffmann: "Ich finde das sehr überzogen, also in zehn  Jahren möchte ich schon noch Wasserversorgung haben und in (wenn‘s gut läuft) in 40 Jahren auch. In unserem Ort leben viele Familien mit Kindern und kein Ende in Sicht – zum Glück."

 

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erstellt am 11.Jan.2017 | 21:00 Uhr

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