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Der Prignitzer

25. September 2016 | 05:43 Uhr

Kleingärten in der Prignitz : Jeder vierte Garten steht leer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

450 Mitglieder haben Verein seit 2010 verlassen. Junge Familien umworben

Bis zum Herbst sollen die Prignitzer Kleingartenvereine Pläne zur Renaturierung leerstehender und wahrscheinlich nicht mehr zu vergebender Parzellen erstellen. Am Jahresende lag der Leerstand im Prignitzer Kreisverband der Gartenfreunde je nach Ort zwischen fast 50 Prozent in Karstädt und Komplettnutzung in Bad Wilsnack.

Insgesamt ist der Leerstand seit 2010 von mehr als 17 auf 23 Prozent gestiegen. Parallel verloren die Gartenfreunde in der Prignitz, die in 57 Vereinen an neun Standorten organisiert sind, rund 450 Mitglieder.

In fast allen Anlagen sind deshalb Renaturierungen erforderlich, um ein ansprechendes Gesamtbild zu erhalten. Bei mehr als 350 Parzellen ist das in den vergangenen Jahren bereits geschehen.

Doch bei Kosten von 3000 bis 5000 Euro je Parzelle vor allem für die Beseitigung der alten Lauben können dies die einzelnen Vereine nicht schaffen. Vor allem einige zu DDR-Zeiten oft verwendete Materialien wie Wellasbest und Dachpappe treiben den Aufwand in die Höhe, da sie als Sondermüll entsorgt werden müssen, in bestimmten Fällen sogar durch Spezialfirmen.

Vereine, die ein Renaturierungskonzept einreichen, können auf Unterstützung des Kreisverbandes hoffen. Doch auch dessen Mittel sind begrenzt. Fördergelder des Landes gibt es nicht und auch im Stadtumbauprogramm gibt es keine entsprechende Position, betonte Kreisvorsitzender Gerhard Bretschneider.

„Aber wir brauchen Hilfe von außen. Denn auch nach erfolgter Renaturierung belasten die ungenutzten Parzellen die Vereine erheblich. Pacht und verschiedene Umlagen müssen dann von den verbliebenen Mitgliedern übernommen werden. Große Vereine können diese Herausforderungen besser meistern als kleine“, erläuterte der Kreisvorsitzende.

Auch ein zweites Problem belastet die Vereine. Das Durchschnittsalter der Mitglieder steigt immer weiter. Und damit auch das der Vorstände und jener, die sich überdurchschnittlich engagieren, beispielsweise Böschungen, Wege, Gemeinschaftsflächen und anderes in Ordnung halten. Nachfolger für sie zu finden falle schwer, sagte Bretschneider.

Für die Gartenfreunde führt deshalb kein Weg daran vorbei, aktiv um neue Mitglieder, vor allem junge Familien zu werben. Dabei ist auch Flexibilität gefragt. Strom- und Wasseranschluss sind unverzichtbar, weiß der Kreisvorsitzende. Auch die Bewirtschaftsregeln sollen flexibler gehandhabt, aber nicht aufgegeben werden. So könnte im Verhältnis der Nutz-, Rasen und sonstigen Flächen die Vereinsanlage und nicht nur die einzelne Parzelle betrachtet werden.

Vor allem rät Bretschneider den einzelnen Vereinen, mit interessierten jungen Familien über Vorteile, Anforderungen und mögliche Schwierigkeiten von Anfang an ganz klar zu sprechen, die Übernahmegespräche durch den jeweiligen Vorstand zu unterstützen. „Auf diese Weise lassen sich auftretende Probleme am besten lösen“, resümiert er eigene Erfahrungen.

Zunehmend an Bedeutung gewinnt die Erreichbarkeit der Anlage. Jeder weiter der Verein mit seinen Parzellen vom Ort entfernt liegt, desto schwieriger wird die Nutzung und Neuvermietung, so der Kreisvorsitzende. Dann könnten das Mitglied und seine Familie nicht mal schnell in den Garten gehen oder mit dem Rad fahren, das sei für Ältere aber auch für Menschen im Berufsleben ein Problem.  

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erstellt am 16.Sep.2016 | 08:00 Uhr

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