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Der Prignitzer

08. Dezember 2016 | 05:06 Uhr

Umleitung wegen B5-Baustellen : In Reetz klirrt nicht nur Geschirr

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Umleitungsstrecke für die B 5 gibt der Straße den Rest – Gemeinde und Bürger lehnen eine Sanierung erst 2023 ab

Berühmt-berüchtigt war die Ortsdurchfahrt der L 10 schon lange. Die Anwohner hatten notgedrungen ihren Frieden mit dem holprigen Pflaster gemacht. Der Umleitungsverkehr für die gesperrte Durchfahrt der B 5 in Premslin hat aber den Geduldsfaden der Reetzer reißen lassen, ähnlich wie schon bei den Einwohner von Groß Buchholz (der Prignitzer berichtete). „Pünktlich um 5 Uhr geht der Lärm los, da kann man die Uhr danach stellen, an Schlaf ist dann nicht mehr zu denken“, wettert Georg Beuster. „In Spitzenzeiten fahren Dutzende Laster pro Stunde vorbei.“

„Die Tassen klirren nicht nur im Schrank. Wenn man die Tür öffnet, fallen sie heraus“, sekundiert Brigitte Romeike. Sie sieht ein noch gefährlicheres Problem. „Das Hofgebäude bekommt von den Erschütterungen Risse, das geht nicht nur uns so.“

Dem Pflaster können auch Karawanen von Lastzügen wenig anhaben. Die Steine werden aber immer tiefer in den Untergrund gedrückt, Delle reiht sich an Delle. Während volle Laster das mit einem Rumpeln quittieren, hüpfen unbeladene förmlich über die Straße und verursachen einen Höllenlärm. Am Schlimmsten, meinen Anwohner, seien die leeren Holztransporter. Fährt so eine Lkw-Karawane vorbei, versteht man sein eigenes Wort nicht mehr.

Bürgermeister Thomas Breitlauch überraschen die Schäden nicht. Die Straße wurde 1930 für Pferdefuhrwerke, nicht für Lastzüge gebaut.“ Zudem wurde erst später der unbefestigten Seitenstreifen einbezogen, an den Rändern zeigen sich daher die meisten Schäden.

„Gegen die Umleitung können wir wenig tun. Das ist eine Landesstraße und der Landesbetrieb hat nicht mit uns gesprochen“, erläuterte Hergen Reker, Amtsdirektor des Amtes Putlitz-Berge. „Jetzt müssen wir aber dafür sorgen, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung eingehalten wird. Viele Laster halten sich nicht an Tempo 30, verursachen so mehr Lärm und Erschütterungen. Fahren Lkw vorschriftsmäßig, sind abenteuerliche Überholmanöver zu erleben.“ Auf einen Fotoapparat reagierten Fahrer mit Bremsmanövern.

Ein Unfall auf der Umleitungsstrecke im Nachbarort Blüthen, wo ein Autofahrer im Kreuzungsbereich einen Lkw überholte und mit einem anderen Pkw kollidierte, scheint ihnen Recht zu geben. Noch sei die Umleitungsstrecke kein Unfallschwerpunkt, so die Sicht der Polizeiinspektion Prignitz. „Wir behalten die Lage im Blick, sind regelmäßig mit Überwachungstechnik im Einsatz und reagieren auf Hinweise der Bürger“, so Bode Zackert, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Prignitz.

„Die Polizei muss ran und häufiger kontrollieren“, sind sich Amtsdirektor, Bürgermeister und Bürger einig. Das Amt wird ein eigenes Messgerät einsetzen, das Lärmbelastung, Verkehrszahlen und Geschwindigkeit registriert. Mit diesen Zahlen will die Kommune in die Offensive gehen. Die Umleitung lässt sich nicht ändern. Aber neben der raschen Wiederherstellung der Verkehrssicherheit geht es um zukünftige Lösungen.

Dass sich die Straße nach dem Ende der Umleitung in in vier bis sechs Wochen in einem nicht hinnehmbaren Zustand befinden wird, sind sich Bürger und Amtsverwaltung sicher. Ein Blick auf die Schäden nach zwei Wochen gibt ihnen Recht. Erneuert werden soll die Straße im Zuge der Sanierung der L 13, wenn diese 2023 Reetz erreicht. Viel zu spät, finden die Bürger. Amtsdirektor Hergen Reker präsentiert eine Alternative: Mit Sanierung der L 13 nicht an der A 24 im Raum Putlitz anfangen, sondern am anderen Ende in Karstädt starten. Dann könnten sich die Reetzer vier Jahre früher über eine intakte Straße freuen.  

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erstellt am 14.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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