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Der Prignitzer

25. Juni 2016 | 10:41 Uhr

zurück in der prignitz : „Habe meinen eigenen Jakobsweg“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Perleberger Dietmar Vollert ist nach sieben Wochen und über 600 Kilometer per Pedes vom Sauerland zurück in der Prignitz.

„Willkommen in Deutschland“, „bist du dünner geworden?“, so der humorvolle Empfang. Sabine Richter, Ralf Brehmer sowie Andreas und Birgit Bockler „fingen“ am Sonnabendmorgen ihren Freund Dietmar Vollert nach sieben Wochen Wanderschaft am Fähranleger in Lütkenwisch wieder ein. Karin Vollert war bereits noch früher am Morgen nach Schnackenburg übergesetzt und hatte ihren Ehemann auf der Elbüberquerung begleitet. Von dort nahmen die Freunde die letzten rund 24 Kilometer nach Perleberg gemeinsam in Angriff. Karin Vollert konnte leider nicht mitwandern, da sie sich um die Tiere kümmern musste.


Am Tag zwischen 18 und 20 Kilometer


Am 1. Juni begann für den Perleberger Steuerberater das Abenteuer. Er startete in seiner einstigen Heimat Neuenrade im Sauerland über den Kahlen Asten, wanderte nach Kassel, in den Harz auf dem Brocken entlang des Grünen Bandes – die innerdeutsche Grenze – über Helmstedt nach Brome, quer durch nach Salzwedel, Arendsee und nach Schnackenburg. „Andere wandern den Jakobsweg, das machen ja alle, ich habe meinen eigenen Jakobsweg“, scherzte Dietmar Vollert. Bis zum Samstagmorgen „waren es 603 Kilometer“. Und er schwärmte: „Es war so schön, alles zu erwandern und ich habe viele Leute kennengelernt, zumeist Radfahrer, aber nur flüchtig, es war toll.“

Er genoss seine Wanderung in vollen Zügen. „Ich habe am Tag immer so zwischen 18 und 20 Kilometer zurückgelegt. Meine Frau hat von Zuhause aus die Unterkünfte ausgesucht. Es war alles interessant. Ich habe in erstklassigen Hotels und auch in kleinen Pensionen übernachtet“, berichtete der begeisterte Wanderer, der 17 Jahre lang mit seiner Karin eine Wochenendehe führte. Sie war im Sauerland geblieben, er beruflich nach Perleberg gekommen. „Wir hätten von heute auf morgen unser Mehrgenerationenhaus aufgeben müssen, das wollten wir nicht“, sagte Dietmar Vollert. Aus dieser Tatsache heraus, war auch die Idee geboren, diesen Weg zu erwandern. „Ich habe die Landschaft immer nur vom Auto aus gesehen.“ Da der Familie seit jeher die Wanderschaft im Blut liegt, setzte er die Idee nun in die Tat um.

Hin und wieder wurde der 60-Jährige auf Teilstücken von der Familie, zu der noch die Söhne Nils und Jan gehören, und Freunden begleitet, wie es gerade so passte. „Ich war in Helmstedt dabei“, erzählt Karin Vollert. Dort machten sie ein paar Tage Station, und „sahen uns die Gedenkstätte Marienborn, die alten Grenzanlagen an. Das war sehr interessant“, so das Ehepaar.

Dietmar Vollert hatte auf seinem langen Weg sowieso keine Eile. „Ich habe immer mal ein paar Tage Pause gemacht.“ Die nutzte er, um Museen oder Gedenkstätten zu besuchen. Und natürlich musste ein Tagebuch geführt und die nächste Wanderstrecke ausgekundschaftet werden. „Ich bin nur nach Karte gegangen, habe mich ein bisschen an Fahrradstrecken orientiert, ich bin aber direkter gelaufen“, so Vollert.


Von handzahmen Rindern bis Wolfsrudel


Er erzählt weiter, dass er „unverschämtes Glück gehabt hat. Ich bin nur einmal auf dem Brocken nass geworden. Die heftigen Gewitter in den vergangenen Wochen waren ja immer nachmittags, da war ich schon in der Unterkunft.“ Dass er auf seinem Weg eine handzahme Rinderherde antraf – „so etwas habe ich noch nicht erlebt“ – gehört zu den netten Begegnungen. Allerdings zählt auch eine unheimliche Begegnung zu seinen Erlebnissen. Und das am letzten Tag, bevor er wieder in der Prignitz ankam. „Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass es in den Gartower Tannen ein Wolfsrudel gibt. Als ich gestern da durch gewandert bin, habe ich noch den Rest eines gerissenen Rehs gesehen. Wenn du allein mitten durch so ein Gebiet gehst, ist das schon ein bisschen unheimlich, aber auch sehr aufregend und spannend“, schilderte der Sauerländer. Den Wölfen begegnete er allerdings nicht, dafür aber dem Jagdausübungsberechtigten, mit dem er ins Gespräch kam.

Glücklich und unversehrt – „bis auf ein paar Blasen, im Nacken habe ich mehr Muskulatur vom Rucksacktragen bekommen und ein bisschen abgenommen“ – stiefelte er mit seinen Freunden dann von Lütkenwisch über Cumlosen, Bentwisch und Schilde nach Perleberg.

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erstellt am 21.Jul.2014 | 12:00 Uhr

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