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Der Prignitzer

08. Dezember 2016 | 21:10 Uhr

Filzverein Lenzen : Gut gezupft ist halb gefilzt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Lenzener Filzverein lädt seit Juni einmal im Monat zum Wollezupfen in die Schauwerkstatt ein

Das Wollezupfen sieht recht mühevoll aus. „Ist es aber gar nicht, eher entspannend“, versichern die Frauen, die am Mittwoch dem alten Handwerk in der Schauwerkstatt des Lenzener Filzvereins nachgehen. Außerdem sei die Tätigkeit „gut für die Hände.“

Das findet auch Astrid Schulz, die beim Wollzupftag des Vereins erstmals dabei ist. „Wolle fasziniert mich einfach. Und das Zupfen in der gemeinsamen Runde macht einfach Spaß“, erzählt die Lenzenerin. Wie die anderen sieben in einem Kreis sitzenden Frauen nimmt sie ein kleines Büschel der bereits vorgewaschenen Schurwolle vom Leineschaf in die Hände und zieht das Knäuel seitlich zu kleinen Wolken auseinander.

Spreu- und kleine Faserreste fallen heraus, verklebte Spitzen werden locker aufgezupft, so dass keine Klümpchen mehr vorhanden sind. Anschließend werden die nun luftigen Locken mit der Kardiermaschine gekämmt und sind schließlich zum Filzen oder Spinnen bereit.

Seit Juni, einmal im Monat, lädt der Filzverein Interessierte zum Wollezupfen in seine Schauwerkstatt in der Hamburger Str. 48/49 ein. Und das Angebot stößt auf ein ungeahntes Echo. Sogar aus dem mecklenburgischen Grabow reist man an. „Ja das Wollezupfen kommt an. Das hätten wir so auch nicht gedacht“, sagt Ute Berthel vom Filzverein. „Wir sind immer so sechs bis acht Frauen. Manchmal auch mehr. Einmal haben wir an einem Tag ein Kilo Wolle gezupft. Das ist schon beeindruckend, wenn man bedenkt, wie leicht Wolle ja ist“, erzählt die erfahrene Kunsthandwerkerin. Eigentlich sei der Wollzupftag ja nur als zeitlich begrenzte Aktion geplant gewesen. „Dreimal, zur Probe“, präzisiert Ute Berthel. „Aber die Frauen haben Gefallen an der Tätigkeit gefunden, wollten weitermachen, gerade in den kälteren Monaten.“

Denn für die Frauen ist der Treff auch eine willkommene Abwechslung. Man sitzt zusammen, schwatzt über Gott und die Welt und macht etwas Sinnvolles. Und zur „Belohnung“ gibt es ja auch Kaffee und Kuchen. Für Ute Berthel und die über 20 Mitglieder des Lenzener Filzvereins ist die freiwillige Arbeit der „Zupferinnen“ eine große Hilfe. „Wir würden das allein gar nicht schaffen“, sagt sie. Zumal man schon in den Vorbereitungen auf den Besuch bei Weihnachtsmärkten wie in Lenzen oder Lübeck steckt, auf denen die Vereinsmitglieder die über das Jahr gefertigten Filzkreationen wie Hüte, Schuhsohlen, Teppiche oder verschiedene Dekosachen unter die Leute bringen. In der Marzipanstadt präsentieren die Lenzener den Weihnachtsmarktbesuchern hautnah das alte Handwerk des Filzens, zeigen den Werdegang von der Rohwolle bis hin zum fertigen Hut.

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erstellt am 06.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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