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Der Prignitzer

30. Mai 2016 | 06:52 Uhr

Tierquälerei : Grausige Bilder aus dem Stall

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Animal Rights Watch erhebt schwere Vorwürfe gegen Ferkelgut Pinnow. Kreis erstattet Anzeige, Geschäftsführer schweigt

Die Ferkelgut Pinnow GmbH & Co. KG bei Karstädt und die Prignitzer Landschwein GmbH & Co. KG in Neudorf sind ins Kreuzfeuer der Justiz geraten.

Der Landkreis Prignitz hat Anfang der Woche gegen die Pinnower Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin gestellt, gegen das Neudorfer Unternehmen läuft ein ordnungsbehördliches Verfahren, wie die zuständige Amtstierärztin Dr. Sabine Kramer beim Landkreis Prignitz gegenüber unserer Redaktion sagte.

Anlass zu diesen rechtlichen Schritten waren Filmaufnahmen der Tierschutzorganisation Animal Rights Watch e. V. Sie hatte nach eigenen Angaben mit einer versteckten Kamera in dem Pinnower Betrieb die dortige Vorgehensweise gefilmt.

Kleine Ferkel werden auf dem Betonboden oder an der Stallwand totgeschlagen, erschreckende Bilder, die der rbb dazu am Dienstagabend ausstrahlte. „Die Schweine werden mittlerweile auf höhere Wurfzahlen gezüchtet, kleinere, schwächere Ferkel könnten überleben, sie sind aber nicht rentabel“, äußerte sich Sandra Franz, die Pressesprecherin der Tierschutzorganisation, über das vermeintliche Warum des brutalen Vorgehens gegen die Ferkel in dem Bericht.

Landkreis war überrascht

„Es ist ein bisschen unglücklich gelaufen. Wir sind auch erst mit dem Filmmaterial konfrontiert worden“, sagte die Amtstierärztin, die dann daraufhin handelte. Der Zustand in Pinnow habe sie unverhofft getroffen. Denn überall und immer kann man nicht vor Ort sein. „Wir können nur Stichproben machen, eben nur einen Teil kontrollieren“, so Kramer, die als etwaige Faustregel eine jährliche Kontrolle angibt. Diese Kontrollen können angemeldet und unangemeldet sein. „Wenn wir unangemeldet kommen, haben wir zu den normalen Öffnungszeiten ein Betretungsrecht. Darüber hinaus auch bei Verdachtsmomenten“, erklärt sie.

Nach dem ausgestrahlten rbb-Bericht besteht augenscheinlich dringender Tatverdacht. Und wie weiter? „Wir können das Filmmaterial nicht auswerten und beurteilen. Das müssen andere machen“, so Kramer. Damit ist nun die Staatsanwaltschaft Neuruppin gemeint. Die bestätigt den gestrigen Eingang einer Anzeige per Fax. Das Original sei mit der Post unterwegs, müsse ausgewertet werden, ebenso die DVD des Vereins. Dann müsse geprüft werden, ob ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliege, Ermittlungen aufgenommen werden, so die Staatsanwaltschaft.

Anders verhält es sich bei der Prignitzer Landschwein GmbH & Co. KG in Neudorf. „Der Stall, der in dem Bericht im Fernsehen zu sehen ist, ist schon seit zwei Wochen stillgelegt. Das sind ältere Aufnahmen“, weiß die Amtstierärztin. Nichtsdestotrotz laufe ein Verfahren gegen das Unternehmen.

Ihm wird laut Franz vorgeworfen, dass die „Kastenstände deutlich zu schmal und deutlich zu kurz sind.“ Dem stimmt die Amtstierärztin zu: „In Neudorf müssen ordnungsbehördliche Maßnahmen getroffen werden. Wir bekommen die Vorgaben vom Ministerium. Die Länder sind für den Tierschutz zuständig.“ Aber konkrete Vorgaben gebe es für Neu- und Umbauten alter Kastenstände nicht. Heute gelten nach Kramers Aussage für Altsauen 70 Zentimeter und für Jungsauen 65 Zentimeter.

Bei einem Anruf in Pinnow zu einer Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion verwies man uns gestern auf den Geschäftsführer Detlef Schlichting, der aber nicht im Hause war und leitete uns zur Vermarktungsgemeinschaft für Zucht- und Nutzvieh ZNVG eG Neumünster weiter, bei der Schlichting ebenfalls eine Führungsposition bekleidet. Auch dort war er gestern nicht zu sprechen.

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 14.Aug.2014 | 08:00 Uhr

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