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Der Prignitzer

27. September 2016 | 17:31 Uhr

Kirchen-W-Lan in Meyenburg : godspot: Mit einem Klick zu Gott

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Freier Internetzugang per Funk: Vorm Meyenburger Pfarramt ist das Realität und könnte eine neue Gesprächskultur befördern

Die evangelische Kirchengemeinde Meyenburg verfügt seit einigen Wochen über das „godspot“ genannte Kirchen-WLAN und ist damit der erste Standort in der Prignitz, an dem das deutschlandweit einmalige Projekt der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und schlesische Oberlausitz (Ekbo) umgesetzt wurde. Das kostenlose Internetangebot ist für jeden frei nutzbar, Passwörter sind nicht nötig.

Gerade im ländlichen Raum stößt dieses Angebot in eine Lücke, reicht doch mancherorts die Mobilfunkverbindung nicht aus, um störungsfrei zu telefonieren, und offene WLAN-Netze, wie es sie in großen Städten auf Märkten immer häufiger gibt, lohnen sich kaum. Da gehen die Kirchen mit innovativem Beispiel voran.

„Wir sind schon seit einiger Zeit im Pfarr- und Gemeindehaus mit einem Router dabei. Vor allem ist es ein sehr wichtiges Angebot für die Geflüchteten, sie haben in ihren Wohnungen oft selber keinen Internetzugang, kommen dann ins Gemeindehaus um mit ihren Familien in Syrien oder Afghanistan Kontakt halten zu können, sich über Nachrichten zu informieren“, sagt Meyenburgs Pfarrer Johannes Kölbel, im Evangelischen Kirchenkreis auch Beauftragter für Flucht, Migration und Integration.

Dass viele Flüchtlinge nicht christlichen Glaubens sind, stürze dabei aber niemanden in Glaubens- oder Gewissenskonflikte. Vielmehr sei der Umgang miteinander sehr von Kooperation, gegenseitiger Hilfe und Respekt für die jeweilige religiöse Orientierung geprägt, berichtet Kölbel. „Godspot ist offen, man muss sich nicht bekennen. Und die Geflüchteten sind oft in den Gottesdiensten mit zu Gast. Ich halte das für eine große Herausforderung und Möglichkeit, für uns als Christenmenschen im Abendland, diesen interreligiösen Dialog an dieser Stelle zu führen.“ Große Missionsambitionen hege er nicht, aber gerade in der aktuellen Situation mit Terrorismus und Radikalismus müssten Christen selbstbewusst sagen, was sie glauben, nur ohne anderen die „Bibel um die Ohren zu schlagen.“

Natürlich gäbe es innerhalb des Kirchenkreises auch kritische Stimmen, die betonen, dass das Angebot der Kirche ja das direkte Gespräch sei und man auf das Internet verzichten könne. „Ich gehöre nicht dazu“, sagt Pfarrer Kölbel und gibt sich optimistisch, dass richtig angewendet das offene Internet sogar die Möglichkeit bietet, etwas wiederherzustellen, was in vielen Gemeinden auf dem Rückzug ist: Die Gesprächskultur, das offene Miteinanderreden.

Gerade für junge Leute sei das Internet zunehmend der Ort, an dem sie Kritik äußern und sich mit ihren Statements einbringen können. Die Konfirmanden von heute seien alle mit den technischen Möglichkeiten aufgewachsen. Godspot heißt ja auch: Wer es nutzen will, muss am Haus präsent sein. Allen Unkenrufen zum Trotz wird dann aber nicht nur auf dem Handy ’rumgespielt. „Wenn wir gerade mit jungen Gemeindemitgliedern zusammenkommen, dann gibt es Gespräche. Dann wird auch mal das Smartphone beiseite gelegt“, beschreibt Pfarrer Kölbel den etwas paradoxen Effekt.

Dass man mit diesem Angebot die Kirchen füllen könnte, hält er für unrealistisch. „Da mache ich mir nichts vor, wenn man sich den Schnitt zwischen den eingetragenen Kirchenmitgliedern und den Gottesdienstbesuchern ansieht, dann ist die Beteiligung dürftig. Die Kirche muss bei ihren Leisten bleiben. Unsere Kernkompetenz ist, dass wir offen für alle Menschen bleiben und sie in ihren jeweiligen Situationen wahrnehmen“, sagt Kölbel.


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erstellt am 20.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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