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Der Prignitzer

01. September 2016 | 03:50 Uhr

Archäologie : Geschichte aus der Erde

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Archäologen finden bei Breese Zeitzeugnisse aus mehreren hundert Jahren / Deichbau verzögert sich nicht

Die Scherben, die die Archäologin Dr. Renata Faron-Bartels gestern rund 50 interessierten Breesern zeigt, überraschen die Profis kaum. „Typische Funde aus dem Bereich von Siedlungen, die aus dem 17. bis 19. Jahrhundert stammen dürften“, sagt die Expertin, die derzeit im Auftrag des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege die künftige Deichbaustelle bei Breese untersucht.

Noch handelt es sich um Voruntersuchungen, Routine bei derartigen Bauvorhaben. „Normalerweise wird auf Basis der Ergebnisse, die Luftbild- und Bodensondenauswertungen sowie Quellenrecherchen ergeben haben, die Entscheidung für oder gegen Probegrabungen gefällt“, erklärt Faron-Bartels. Bei Breese seien zwei Burgen, die auf historischen Karten verzeichnet sind, topografische Gegebenheiten und nicht zuletzt Sondenfunde ausschlaggebend gewesen, informiert Dr. Eickhoff, weshalb hier der Spaten angesetzt wird.

Während die Scherben aus der relativ jungen Vergangenheit stammen, geben Bodenformationen und Erdschichten, die in bis zu 90 Zentimeter tiefen sogenannten Grabungsschnitten freigelegt wurden, Aufschluss beispielsweise über Bodenbauwerke wie Gruben zur Lebensmittelkühlung und Abfallentsorgung sowie Standorte von Pfählen, auf denen im feuchten Stepenitzgrund in der Slawenzeit Häuser errichtet wurden. „Die Streifen dort in der Erde deuten auf einen Weg hin, der von Wagen befahren wurde“, sagt Archäologin Faron-Bartels und erntet großes Staunen.

Insgesamt drei Wochen waren die Experten für die Voruntersuchungen vor Ort, am Donnerstag wollen sie fertig sein. Ob es dann weitere Untersuchungen gibt, entscheidet das Landesdenkmalamt anhand der Funde und der Bodenskizzen, die das vierköpfige Team angefertigt hat.

Wird tatsächlich weiter untersucht, rechnet die Grabungsleiterin mit einem Zeitraum von fünf bis sechs Wochen. „Wir reden über einen Bereich von 20 mal 200 Metern. Der ist zügig abgearbeitet“, sagt Faron-Bartels und reagierte damit auf die Nachfrage von Breeses Bürgermeister Werner Steiner, der genau wissen wollte, ob sich dadurch der Deichbau verzögere.

Aktuell wird neben den archäologischen Arbeiten der Baugrund für den Deich erkundet, heißt es aus dem Landesumweltamt. Die Vorbereitungen sollen Mitte Oktober abgeschlossen sein, damit der Bau der Lose 1 und 3a am 17. November beginnen kann. Das Bauende ist laut LUGV auf den 30. September 2015 terminiert.

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erstellt am 05.Aug.2014 | 22:00 Uhr

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