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Gemeinden in der Prignitz

09. Dezember 2016 | 14:37 Uhr

Wir in Groß Linde : Landwirt in neunter Generation

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Guido Ganswig führt Familienbetrieb mit 150 Milchkühen und 180 Hektar Acker

Als Familienunternehmen gibt es den Landwirtschaftsbetrieb A. & G. Ganswig GbR seit 1990. „Da hat mein Vater ihn gegründet“, berichtet Guido Ganswig. Bis dahin war der Senior Abteilungsleiter in der LPG Perleberg in Rosenhagen. „Ein Landwirt, der sein Handwerk noch von der Pike auf gelernt hat“, berichtet sein Sohn. So wagte er eben auch mit 52 Jahren noch den Schritt in die Selbstständigkeit.

Mit einem Pachtstall und 30 Milchkühen begann alles. „1995 kam der neue Kuhstall hinzu, dann ein weiterer Stall, Silo und Solaranlage. Zuvor war hier alles ein großer Obstgarten“, ergänzt der junge Hofnachfolger, denn mittlerweile hat der Sohn den Familienbetrieb übernommen. 150 Milchkühe stehen bei ihm und was an Futter benötigt wird, das wächst zumeist auf den 180 Hektar Acker. „Wir haben hier einen geschlossenen Kreislauf. Die Tiere werden hier geboren, wachsen hier auf und gehen dann als Zucht- oder Masttiere weg. Vor allem sind wir aber Milchlieferant. Was in den Ställen an Mist anfällt, das geht auf den Acker, um die Bodenqualität zu verbessern.“

Es ist noch nicht lange her, da waren die Ganswigs stolz darauf, Landwirte zu sein. Heute zeichnen sich da eher Sorgenfalten auf den Gesichtern ab. „Bei den Preisen für Getreide, Milch und Fleisch kein Wunder“, gesteht der junge Landwirt offen ein. 3,20 Euro bekomme er für ein Kilo Fleisch, im Laden bezahle man ein Vielfaches. „Der Handel verdient das Geld.“ Noch habe er sein Auskommen und jammern löst die Probleme auch nicht. Doch die Politik ebenso wenig. Deutschland ist ein Autoland, Landwirtschaft brauche man hier offensichtlich nicht, sie hat kaum noch eine Lobby.

In neunter Generation sind die Ganswigs Landwirte, auch der junge Inhaber hat einst Agrotechniker gelernt und später seinen Meister gemacht. Sein Sohn Erik Wilhelm absolviert derzeit eine Ausbildung als Landwirt mit Abitur, und Tochter Jessica studiert internationale Wirtschaftswissenschaft. Beide sind mit und in der Landwirtschaft groß geworden, „beide fahren immer noch gern Trecker“, fügt ihr Vater lachend an. Die Hofnachfolge in zehnter Generation wäre theoretisch gesichert. Vorausgesetzt, die Landwirtschaft bekommt auch die Chance, die ihr gebührt.

365 Tage Arbeit von morgens bis abends – „aber in einer Umgebung, die ein Paradies ist. Wenn um 4 Uhr die Sonne zwischen Schlatbach und Stepenitz aufgeht, weiß man, warum man hier all das auf sich nimmt“, gerät Guido Ganswig einwenig ins Schwärmen. Und wer über seinen Hof geht, in die Ställe blickt, der ist fasziniert von der heutigen Landwirtschaft und der Intelligenz der Tiere. „95 Prozent der Kühe gehen selbstständig in den Roboter gesteuerten Melkstand“, berichtet der Groß Linder. Ehefrau Annett beobachtet das Geschehen, hilft manchmal etwas nach, wenn es Zeit wird. Die zarten Hände einer Frau lassen sich eben auch die Kühe gefallen. Annett ist die gute Seele auf dem Hof, arbeitet im Stall, macht den Bürokram und „wenn sie Zeit hat auch noch das Essen“, ergänzt ihr Mann schmunzelnd. Der Dritte im Bunde ist Arno Ganswig. 78 Lenze zählt er inzwischen, doch „ohne ihn geht nichts auf dem Hof. Ob moderne Technik oder Forke, er beherrscht eben alles“, so sein Sohn. Das Schöne, er braucht diese Arbeit und „wir brauchen ihn“.

 

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erstellt am 16.Nov.2016 | 10:25 Uhr

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