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Der Prignitzer

10. Dezember 2016 | 13:48 Uhr

Ausbildungsmesse : Gelb schmeckt sauer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

16. Go! - Die Messe für Ausbildung: Vom Handwerksbetrieb bis zur Universität – 95 Aussteller präsentierten eine große Auswahl an Berufen.

Blau oder Orange? Und wenn Blau, welcher der vielen Blautöne? Ob Tapete oder Hausfassade, die farbigen Gestaltungsmöglichkeiten sind fast unendlich. Finger huschen über dem Touchscreen, auf dem Monitor wechseln die Farben.

„Mit dieser Software können Sie Räume gestalten, Farbtöne messen, sich die Farbnummer und passende Muster anzeigen lassen“, erzählt Matthias Krüger. Der Wittenberger Niederlassungsleiter des Farbenherstellers Brillux berät die Besucher der Go! im Showtruck und das macht richtig Spaß.

„Wir machen Farbe sensorisch erlebbar“, sagt er. Spielerisch kann man beim Biss in den Zitronenbonbon erraten, dass Gelb sauer schmeckt und im blickdichten Sack Weiß ertasten – wenn man die Federn erkennt. „Uns geht es um Werbung für das Malerhandwerk.“ Modern, Multimedial, jugendgemäß ist der Truck eingerichtet. Eine gemütliche Couch, Kopfhörer und Tablets. Pausenlos herrscht Betrieb.

Die Branche habe ein Nachwuchsproblem und nicht das beste Image. „Ein kleiner Handwerksbetrieb mit drei, vier Mitarbeitern hat aber nicht das Wissen und nicht die Möglichkeiten für ein innovatives Marketing. Wir können das und die Resonanz auf der Messe ist fantastisch“, meint Matthias Krüger.

Diesen Eindruck schildern Besucher und Aussteller. Seit zwei Jahren kommt die Firma Oligo aus Lenzen zur Go! „Zum 1. August suchen wir Azubis für die Berufe Industriekaufmann und Elektroanlagenmonteur“, sagt Marketingleiter Volker Stockhausen.

Wer bei Lenzen an einen kleinen oder gar langweiligen Betrieb denkt, irrt sich gewaltig. Oligo spielt in der Champions League. „Bei LED-Technik sind wir Marktführer, 80 Prozent unserer Aufträge kommen aus der Automobilbranche“, sagt Stockhausen. Das Unternehmen entwickelt Verfahren mit Lichttechnik, die Fehler an Oberflächen entdecken, zum Beispiel kleinste Farbabweichungen im Autolack.

Erstmals auf der Messe ist das Land Brandenburg vertreten und wirbt für den neu aufgelegten Bachelor-Studiengang Öffentliche Verwaltung. „Wir bieten gute Entwicklungschancen“, sagt Katrin Lange, Staatssekretärin im Innenministerium. Lange Zeit habe das Land nicht ausgebildet und korrigiere das jetzt. Das Studium richtet sich an Abiturienten die einen gehobenen Dienst in der Verwaltung anstreben. „Wir suchen Mitarbeiter für die Ministerien und für unsere Landesbehörden“, erklärt Katrin Lange. Sozusagen die Staatssekretäre von Morgen.

Am 1. September startete der Studiengang mit 25 Plätzen, ab 2018 sollen es schon 35 sein, Tendenz steigend. Wer einen bekommen möchte, muss sich in einem schriftlichen Test beweisen und vor einer Auswahlkommission bestehen.

Das 16. Jahr in Folge ist der Landkreis mit Elke Rose vertreten. „Die Schüler sind immer erstaunt, aber wir suchen jetzt schon Bewerber für 2017. Am 9. November ist Bewerbungsschluss“, sagt sie. Grundsätzlich immer erst nach der Go! Die Messe ist die letzte Chance für Schüler, sich von Elke Rose Tipps und Informationen geben zu lassen. „Wer bei mir in diesem Zeitraum nach Terminen fragt, den lade ich zur Messe ein. Hier habe ich Zeit für die Schüler.“

Mehrere Universitäten sind auf der Messe vertreten, darunter die Rostocker. Studentin Cynthia Nievelstein stellt Studiengänge vor. „Viele Schüler aus den 9. und 10. Klassen kommen an unseren Stand und auffallend viele Flüchtlinge“, sagt sie. Einer von ihnen ist Ahmad. Er sei aus Afghanistan, habe dort neun Semester Allgemeinmedizin studiert. „Ich bin seit einem Jahr in Deutschland, mache Sprachkurse und möchte wissen, ob ich an einer Universität mein Studium fortsetzen kann.“

Landwirtschaft und Handwerk präsentieren sich ebenfalls mit einem breiten Angebot. Die Handwerker haben sogar ihren Potsdamer Kammerpräsidenten mitgebracht: Robert Wüst aus Pritzwalk. „KfZ, Dachdecker, Metallbau, Tischler – viele Gewerke sind auf der Messe vertreten und darüber hinaus können wir zu allen 134 Ausbildungsberufen Informationen geben“, sagt er. Klassische Werbung durch Mundpropaganda reiche heute nicht mehr aus, um Jugendliche ins Handwerk zu locken. „Du musst ihnen etwas zeigen, dich präsentieren, sie direkt ansprechen“, meint er.

In vielen Gesprächen wird deutlich, wie begehrt die Absolventen sind. Kaum eine Branche bleibt vom demografischen Wandel verschont und wer gute Azubis haben möchte, muss sich als Unternehmen ähnlich gut verkaufen können, wie die Jugendlichen. Die Go! biete dafür eine ideale Plattform.

Davon ist auch die Landesregierung überzeugt. Für Katrin Rothländer, aus dem Ministerium für Arbeit, ist die Fahrt zur Go! mehr als ein Pflichtbesuch. Schon eine Stunde vor der Eröffnung spricht sie mit Unternehmen, will von ihren Sorgen und Nöten erfahren, macht sich Notizen.

Gut zwei Stunden nimmt sie sich Zeit für den Rundgang, sucht immer wieder das Gespräch. „Sie können stolz auf das sein, was Sie in diesen 16 Jahren aufgebaut haben“, dankt sie den Veranstaltern „Der Prignitzer“, Volks- und Raiffeisenbank Prignitz sowie dem Wachstumskern Prignitz.

Die Schüler ermuntert sie, sich heute einen guten Überblick zu verschaffen und auch mal über den Tellerrand hinaus zu schauen. Es müsse ja nicht immer der klassische Frauen- oder Männerberuf sein, meint Katrin Rothländer.

 

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erstellt am 06.Nov.2016 | 17:27 Uhr

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