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Der Prignitzer

09. Dezember 2016 | 18:27 Uhr

Der 9. November: Ein Geschichtsträchtiges Datum : Gedenken wider das Vergessen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wittenberger erinnern an ihre von den Nazis ermordeten Mitbürger

Vor dem Haus Bahnstraße 47 sind zwei Stolpersteine ins Pflaster eingelassen. Messingfarben glänzten diese Steine gestern, gut zu lesen die Namen von Johanna und Richard Lewy. Die beiden Wittenberger hatten hier in der Bahnstraße ihren letzten frei gewählten Wohnsitz. 1942 ließen die Nazis die Elbestädter jüdischen Glaubens deportieren. Beide kamen im Warschauer Ghetto ums Leben.

In Erinnerung an das Schicksal, das Leid und die Ermordung auch jüdischer Familien und Kinder aus Wittenberge und gegen das Vergessen versammelten sich gestern an den Erinnerungssteinen der Lewys Wittenberger. Zugegen waren Vertreter von Fraktionen im Stadtparlament, der stellvertretende Bürgermeister Gotthard Poorten und Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde.

Die Verfolgung der Juden in Deutschland nahm mit den Ausschreitungen und Gewalttaten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 einen neuen Charakter an, der Staat ging zur offenen Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung über. Wolfgang Strutz als Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtparlament erinnerte daran und nahm die Gräueltaten der Nazis zum Anlass, gegen das Vergessen zu mahnen.

Dass Verfolgung und Ermordung jüdischer Mitbürger bei jungen Menschen durchaus Thema ist, belegte gestern die Klasse 7.2 aus der Oberschule mit ihrer Klassenlehrerin Bettina Krüger. Im LER-Unterricht haben die jungen Leute sich damit befasst. Die kleine Gedenkfeier, die sie gestern mitgestalteten, war für Jan, Angelique, Ann-Kathrin, Noah Maurice, Nele und Kimberly quasi Geschichte zum Anfassen. Die Ereignisse von vor 78 Jahren wurden für sie in der eigenen Stadt greifbarer. „In den weiterführenden Schuljahren wird die Verfolgung jüdischer Menschen in Nazi-Deutschland immer wieder thematisiert“, sagt Bettina Krüger. Sie sitzt für die SPD im Stadtparlament.

Als Teilnehmer aus Perleberg war Peter Krips nach Wittenberge in die Bahnstraße 47 gekommen. Das Mitglied in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten bot den Schülern an, sie im Unterricht zu besuchen, um ihnen – auch aus eigenem Familienerleben heraus – ins Gespräch zu kommen.

Die Initiative zu dieser Veranstaltung ging von der Fraktion der Linken in der Stadtverordnetenversammlung aus und wurde gemeinsam mit Susanne Flügge, Mitarbeiterin im Stadtarchiv und Koordinatorin des Projektes Stolpersteine in Wittenberge, vorbereitet.

 


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erstellt am 10.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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