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Der Prignitzer

10. Dezember 2016 | 00:14 Uhr

Neue Ausstellung in Pritzwalk : Gas als Motor der Prignitz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ausstellung „GAS Licht in Pritzwalk seit 1864“ eröffnet heute im Stadt- und Brauereimuseum / Industrie- und Haushaltsgeschichte im Fokus

Das Wissen zum Thema „Gas“ hält sich bei den meisten Menschen wohl in Grenzen, doch ist die Geschichte hinter dem Stoff auch in der Prignitz sehr facettenreich. Grund genug für das Pritzwalker Stadt- und Brauereimuseum, um diesem vielseitigen Brennglas eine Ausstellung zu widmen. „Beinahe die ganze Industrie kam aus den Gaswerken und die Veränderungen, die mit der Einführung einhergingen, waren enorm“, so Museumsmitarbeiter Hans-Joachim Wallert. Er ist einer der treibenden Köpfe hinter der heute um 18 Uhr eröffnenden Ausstellung „GAS Licht in Pritzwalk seit 1864“.

„Die Stadt war bis zur Eröffnung das Gaswerkes 1864 dunkel. Doch man wollte die Industrialisierung voranbringen, das Stadtleben ausweiten und setzte deshalb auf diese große Neuerung“, erklärt Museumsleiter Lars Schladitz. Dieses wurde dann in der Hochzeit der Gasbeleuchtung weiter ausgebaut, sodass Pritzwalk um 1900 etwa 110 Laternen erhellten.

Und eine solche ist es auch, die die Besucher gleich zu Ausstellungsbeginn abholt. Am anderen Ende des Raumes hingegen bildet eine Indus-trielampe aus den 30er Jahren das Gegenstück. „Wir wollen das Augenmerk thematisch hauptsächlich auf diese Zeit lenken, dabei stellen wir die Bereiche der Anwendung von Gas als Produktionsbedingung, aber auch die Nutzung zuhause in den Vordergrund“, so Schladitz. Denn nach anfänglicher Skepsis kam Stadtgas zur Beleuchtung und als Brennstoff auch in die Haushalte.

Und so versuchen etwa 150 Exponate, immer erläutert durch Schautafeln mit Fakten und regionalen Bezügen, einen kleinen Einblick in die Geschichte zu geben. Da finden sich neben Lampen, Heizungen oder auch Gasbügeleisen so manche Kuriositäten. „Viele frühere Anwendungen werden heute elektrisch betrieben und dass es auch einmal anders war, wurde oft vergessen“, erzählt der Museumsleiter. „Wir haben hier zum Beispiel eine Gaswaschmaschine der Firma Electrolux. Das Gas erwärmt nicht nur das Wasser, sondern treibt auch ein Wellenrad an, sodass sich die Wäschetrommel dreht“, so Hans-Joachim Wallert, der anführt, dass so ein Gerät, zumal als Export aus Schweden, nicht nur recht teuer war, sondern auch sehr selten.

Museumsmitarbeiter Wallert hätte auch persönlich wohl eine ganze Ausstellung stellen können, ist er doch nicht nur im Vorstandes des Fördervereins Gaswerk Neustadt/Dosse, sondern leidenschaftlicher Sammler. „Wenn man sich einmal mit der Geschichte befasst hat, lässt sie einen nicht mehr los. Wir wollen vor allem auch der Jugend zeigen, wie diese Entwicklung verlief. Heute dreht man einfach die Heizung auf, früher habe ich noch 17 Eimer Kohlen pro Tag die Stockwerke hinaufgeschleppt.“

Und diese Darstellung ist den Museumsmitarbeitern mit ihrer Ausstellung, die vor allem auch immer regionale Berührungspunkte hat, gelungen. So sind die Abläufe im Pritzwalker Gaswerk und dessen Geschichte eine wichtige Säule. „In diesem Zusammenhang gab es mehrere Besonderheiten: Eine gleich zu Beginn. So ist das Werk gleich nach seiner Eröffnung Ende 1864 eine Woche aufgrund von Schnee ausgefallen, war dann aber erfolgreich und bis 1981 in Benutzung, bevor ziemlich spät – auch eine regionale Besonderheit – auf Erdgas umgestellt wurde“, führt Schladitz aus.

Gelegenheit, um sich die Ausstellung anzusehen, besteht, nach der heutigen Eröffnung um 18 Uhr, noch bis Ende Februar.

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