zur Navigation springen

Der Prignitzer

26. Februar 2017 | 02:12 Uhr

Bauarbeiten in Perleberg : Funde aus den Anfängen der Stadt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Archäologen legen in der Heilige-Geist-Straße Überreste aus dem 13. Jahrhundert frei / Streckenführung wohl über Jahrhunderte verändert

Wenn in der Perleberger Innenstadt gebaut wird, ist die Geschichte ein ständiger Begleiter. Denn meist kommen hierbei Zeugnisse der Stadtgeschichte ans Tageslicht, die über Jahrhunderte verborgen lagen. Und da bilden die Arbeiten, die gerade in der Heilige-Geist-Straße vollzogen werden, keine Ausnahme.

„Wir sind im Innenstadtbereich ein Bodendenkmal, sodass sämtliche Tiefbauarbeiten archäologisch zu betreuen sind“, verdeutlicht Bauamtsmitarbeiterin Liane Schulz. Da hier ein grundhafter Neubau der Straße erfolgt, waren die Mitarbeiter des Brandenburger Archäologiebüros ABD-Dressler vor Ort, begleiteten die Bauaurbeiten und stießen auf Funde aus Zeiten der Stadtgründung.

„Erstaunlicherweise haben wir wirklich viel finden können, angefangen mit Stücken, die höchstwahrscheinlich aus dem Mittelalter, also sogar aus der Frühzeit der Stadtentwicklung im 13. Jahrhundert stammen“, so Grabungsleiterin Karoline Müller. Zwar sei nun keine neue Stadtgeschichte zu erwarten, dennoch geben die Funde Aufschluss über die Entwicklung von Perleberg.

„Optisch sind viele Dinge eher unspektakulär, zum Beispiel eine torfige Schicht oder Keramikbruchstücke, sogenannte harte Grauware“, wie Müller weiter ausführt. Doch seien es nicht nur diese Funde, die interessant seien, sondern vor allem die Beifunde. „Dazu gehören Gruben, Erdverfärbungen oder Fundamente, die noch mehr aussagen.“ So zum Beispiel ein Feldsteinbrunnen, der direkt in der Straße gefunden wurde. „Das lässt darauf schließen, dass sich der Stadtplan etwas verändert hat, die Straße früher deutlich schmaler war oder generell anders verlief“, so die Archäologin. Auch ein Estrichfußboden – eventuell zu einem Keller gehörend – und Reste eines Ofens, die freigelegt wurden und auf die Zeit zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert datiert werden, deuten darauf hin, dass sich der Stadtplan im Laufe der Jahrhunderte veränderte.

Insgesamt zwölf Mal waren die Archäologen zwischen Mitte September und dem 7. Oktober vor Ort, dokumentierten und gruben aus. „Nun werden wir innerhalb eines Jahres alles auswerten und den Bericht an unsere Auftraggeber und das Amt senden“, so Ausgrabungsleiterin Müller. Dabei wird versucht werden, so viele Informationen wie möglich herauszuarbeiten und diese Informationen bereitzustellen.

Ein weiterer Interessent dafür ist nach eigenem Bekunden Stadt- und Regionalmuseumsleiter Frank Riedel: „Solche Ausgrabungen sind grundsätzlich wichtig für die Stadtgeschichte und damit auch von Bedeutung für uns, immerhin haben wir im Museum auch eine Abteilung Archäologie. Leider hatten wir bisher keinen Kontakt, aber die Erkenntnisse würden wir gern in unseren Bestand aufnehmen.“ Derweil sind die Arbeiten am Fundort, in der Heilige-Geist-Straße, weiter in vollem Gange. „Wir sind jetzt im zweiten Bauabschnitt und etwa zwei Wochen im Zeitverzug, trotzdem rechnen wir Mitte Dezember mit dem Abschluss der Arbeiten“, so Liane Schulz abschließend.

zur Startseite

von
erstellt am 05.Nov.2016 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen