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Der Prignitzer

11. Dezember 2016 | 11:01 Uhr

Rudower See : Fischsterben hat Konsequenzen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

So geht‘s weiter: Rudower See soll schrittweise saniert werden . Das Rambower Moor erhält mehr Wasser.

Die Sanierung und Stabilisierung des Rudower Sees kann nur schrittweise und langfristig erfolgen. Diese Ansicht vertritt Matthias Peitz von Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg als Ergebnis des Rundes Tisches zur Zukunft des Sees. „Ansatzpunkt ist das Rambower Moor, das konstante Wasserstände benötigt.“ Dessen Entwässerung führte nach Einschätzung des Biosphärenreservates und des Leibnitz-Institutes für Gewässerökologie zu einem fatalen Kreislauf. Sinkt der Wasserspiegel in Trockenzeiten, gelangt Sauerstoff in die oberste Torflage und setzt chemische Reaktionen in Gang, die Nährstoffe freisetzen. Bei steigendem Wasser gelangen diese über den Nausdorfer Kanal in den See und reichern sich dort an.

„Wir müssen langsam und vorsichtig den Wasserstand so erhöhen, dass das Torf ständig überflutet ist und keine Nährstoffe mehr freisetzt“, erläutert Peitz. Damit könnte sich das über Jahrzehnte deutlich geschrumpfte Feuchtgebiet wieder etwas ausdehnen. Es käme aber zur langsamen Vernässung benachbarter Agrarflächen.

Experten von Biosphäre und Landesamt für Umwelt empfehlen, die Entwässerungsgräben am Moor nicht mehr zu räumen und langsam zuwachsen zu lassen, um den Wasserstand vorsichtig steigen zu lassen.

Eine Ausfällung der Phosphate und weiterer Nährstoffe im See durch chemische Substanzen sieht Peitz nicht als Lösung an. „Das würde nur kurzfristig helfen. Nach zwei Jahren wäre das Problem wieder da“, so Peitz. „Auch die Ausbaggerung würde wenig bringen, aber aufwendige Planungen und Kosten von sechs bis acht Millionen Euro verursachen. Peitz plädiert dafür, über eine Umgestaltung des Nausdorfer Kanals nachzudenken.

„Der Kanal hat nur ein Gesamtgefälle von 18 Zentimetern, daher ist es schwierig, beispielsweise eine Schwelle einzubauen, um mehr Sauerstoff in das Wasser zu bringen“, sagt der Lenzener Bürgermeister Christian Steinkopf. Auch Änderungen des verlaufs seien wegen des geringen Gefälles problematisch. Steinkopf regte an, am Seeufer und Teilen des Kanals Bäume zu fällen, damit mehr Sonnenlicht auf die Wasserflächen gelange. So könne das Wachstum von Wasserpflanzen angeregt und die Nährstoffkonzentration senkt werden. „Alte Bilder zeigen, dass die Ufer früher unbewaldet waren. Die Bäume wurden später gepflanzt, um die Wassertemperatur zu reduzieren.“

Amtsdirektor Harald Ziegeler sieht mit Blick auf die EU-Wasserrahmenrichtlinie das Land in der Pflicht. Die Kommune als Eigentümer des Sees werde ihren Anteil leisten, versichert er. Für eine Lösung müssten Anlieger und die Bewirtschaftung angrenzender Flächen eingezogen werden. Zudem plädiert Ziegeler für die Weiterentwicklung des Gewässerkonzeptes Löcknitz.

„Wasserbüffel bewähren sich wegen der geringeren Ansprüche an das Futter auf vernässten Flächen seit vielen Jahren“, sagt Züchter Klaus Seebürger. Der Tiere fühlten sich auf feuchtem Untergrund wohl. Die Umstellung von Rinder- auf Wasserbüffelhaltung erfordere aber erhebliche Investitionen und damit eine Förderung, wie es sie in Brandenburg gebe. Es sei ratsam, mit einigen Tieren anzufangen, um Erfahrungen zu sammeln und aus Fehlern lernen zu können, ohne zu viel Lehrgeld zahlen zu müssen. Probleme sieht Seebürger in der teuren Anschaffung der Tiere und dem langsamen Wachstum, wodurch sie aus dem üblichen Zyklus der Fleischwirtschaft fielen. Auch die Fleisch-Vermarktung müsse frühzeitig geklärt werden. Insgesamt gebe es eine Wirtschaftlichkeitsdifferenz von 20 Prozent gegenüber der Rinderhaltung, die durch Fördermittel geschlossen werden müsse, so Klaus Seebürger.  

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erstellt am 19.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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