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Der Prignitzer

31. Juli 2016 | 00:39 Uhr

Ausgleichsmaßnahme : Fischfalle im Auwald?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kreisanglerverband Perleberg bemängelt Planungsfehler / Ingenieurbüro sucht Dialog

Auf knapp einem Hektar wird inmitten der Wiesen zwischen Elbdeich und Karthaneufer kurz vor Garsedow nach und nach ein kleiner Auwald heranwachsen. Anfang Juni berichtete der „Prignitzer“ über das Projekt, das im Auftrag des Landesumweltamtes als Ausgleichsmaßnahme umgesetzt wird, die im Zuge des Deichbaus bei Rühstädt notwendig geworden ist.

Kurz nach Erscheinen des Beitrages meldete sich der Kreisanglerverband in der Redaktion und zeigte Bedenken im Zusammenhang mit dem Projekt an. „Grundsätzlich befürworten wir als Angler jedwede Maßnahmen, mit denen unserer Natur ein Stück mehr Platz eingeräumt werden soll“, macht Manfred Ihl die Position der Angler deutlich und stimmt zu, dass Anpflanzungen von Auwäldern und das Anlegen von Feuchtbiotopen dafür gut geeignete Projekte seine.

Allerdings, so bemerken die Petrijünger, sei das Projekt offenbar nicht zu Ende gedacht worden. „Wer auf einer Wiese im Überschwemmungsgebiet eine großflächige, knapp zwei Meter tiefe Erdmulde aushebt, der schafft damit – sicher ungewollt – eine Fischfalle“, so Ihl. „Viele Fische schwimmen bei Hochwasser auf die überschwemmten Wiesen, und manche von ihnen wandern nicht mit dem abfließenden Wasser zurück in den Fluss, sondern bleiben in Altarmen, Teichen und Restlöchern.“ Seien diese zu flach, fallen sie früher oder später trocken, und die Fische darin verenden.

Dirk Steyer, Ingenieur vom Schweriner Planungsbüro Pöyry ibs, räumt ein, dass diese Gefahr tatsächlich bestehe. „Es handelt sich dabei um ein allgemeines Problem bei Überschwemmungsgebieten. Mit der Tiefe von knapp zwei Metern und einer Fläche von 1500 bis 2000 Quadratmeter ist das ,Teilzeit-Gewässer‘, wie es die Angler nicht ganz zu unrecht nennen, dennoch so dimensioniert, dass es eine Zeit lang Wasser führen kann.“ Das Problem gebe es bei Altarmen von Flüssen ja auch, die regelmäßig trocken fallen. „Da greift dann das Gesetz der Natur, wenn sich Tiere von höheren Stufen der Nahrungskette wie beispielsweise Reiher dort einfinden und sich gütlich tun“, so Steyer.

Dennoch lädt der Ingenieur die Angler zum Dialog ein. „Wenn sie Ideen haben, wie man das Problem lösen kann, beispielsweise bauliche Maßnahmen, die eine Lockströmung erzeugen, der die Fische folgen, wenn das Wasser abläuft, sind wir gern bereit, das auszuprobieren. Es ist ja nicht in unserem Sinne, dass Tiere sterben.“

Weiterhin hatten die Angler kritisch gefragt, warum ein etwa 50 Meter entferntes und von Verlandung bedrohtes Gewässer nicht integriert wurde. Dirk Steyer verweist hier auf den Naturschutz. „Derartige Altgewässer stehen oft unter Schutz und dürfen nicht angetastet werden, weil sich dort inzwischen neue Biotope entwickelt haben.“ Weiterhin bestehe die Gefahr, dass Schadstoffe, die in den alten Sedimenten der Elbe gebunden sind, durch eine Anbindung an das Überschwemmungsgebiet ausgewaschen werden könnten. „Heute ist die Elbe recht sauber, aber was dort früher angeschwemmt wurde, sollte besser in den Sedimenten gebunden bleiben“, so Steyer. Eine Antwort des Landesumweltamtes zur Planung des Auwaldes und der möglichen Fischfalle steht noch aus, der damit befasste Mitarbeiter sei erkrankt, hieß es.


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erstellt am 13.Jun.2014 | 08:00 Uhr

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