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Der Prignitzer

27. September 2016 | 19:14 Uhr

Kaninchenzüchter muss kürzer treten : Fast 23 Jahre war er Vereinschef

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Friedrich Schulz stand dem Perleberger Rassekaninchenzuchtverein vor, jetzt muss er aus gesundheitlichen Gründen etwas kürzer treten

In der Landwirtschaft groß geworden, Maschinen- und Traktorenschlosser gelernt, „da gehören Tiere einfach immer dazu“, bringt es Friedrich Schulz auf einen kurzen Nenner. 23 Jahre hatte er den Hut im Rassekaninchenzuchtverein D 187 Perleberg e. V. auf. Aus gesundheitlichen Gründen musste er nun die Notbremse ziehen, gab den Vorsitz in jüngere Hände.

Leicht sei es ihm nicht gefallen, gesteht er, denn der Verein war schon so etwas wie sein zweites Zuhause. Verständlich, wenn man weiß, dass auch seine Frau die Leidenschaft für dieses Hobby mit ihm teilt, seit 1983 ebenfalls Mitglied im Verein ist und viele Jahre Schriftführerin war.

Einen Faible für die Langohren hatten sie schon immer, plaudert Friedrich Schulz ein wenig aus dem Nähkästchen. So ging es mit Kind und Kegel zu jeder Ausstellung in Perleberg. „Wir hatten einen Garten und Kaninchen zu halten, das bot sich förmlich an.“ Bei Ernst Maaß, der damals den Perleberger Verein leitete, stieß Friedrich Schulz sofort auf offene Ohren und wurde 1983 Mitglied. Ein Jahr später schickte man ihn auf Lehrgang für Hygienebeauftragte. „So einen musste jeder Verein haben“, erinnert sich der Perleberger, der fortan in dieser Funktion zum erweiterten Vereinsvorstand gehörte.

Weiße Neuseeländer, das waren seine ersten Kaninchen, doch recht schnell entdeckte er seine Affinität für Weißgrannen schwarz. 100 Tiere hatte er alsbald in den Ställen in seinem Garten. Kaninchen zu halten und das Fleisch abzuliefern, das war zu DDR-Zeiten ein überaus lukrativer Nebenverdienst bei 12,20 Mark das Kilo Lebendgewicht. Im Laden gab es das Fleisch dann weitaus günstiger. Fleisch und Fell wurden zudem mit zusätzlichem Futter aufgewogen. „Der Zentner Weizen kostete zu DDR-Zeiten 50 Mark. Offiziell gab es aber keinen zu kaufen“, erinnert sich Friedrich Schulz. Nicht von ungefähr hieß es da: Beziehungen schaden nur dem, der keine hat.

Bei allem Hin und Her, die Zeit machte nicht nur erfinderisch, sie schweißte auch zusammen. Neben den jährlichen Ausstellungen legte man stets auch großen Wert auf ein geselliges Miteinander. Ein Höhepunkt war immer das Kaninchenessen. Zwei Familien teilten sich ein Kaninchen, das die Frauen zu Hause zubereiteten. „Das würde heute womöglich schon daran scheitern, dass kaum noch jemand kochen kann“, bemerkt schmunzelnd Friedrich Schulz.

Zwischen 80 und 100 Mitglieder zählte zu DDR-Zeiten der Perleberger Kaninchenzuchtverein. „Auch alle Kaninchenhalter waren bei uns Mitglieder. Sonst wären sie gar nicht an Futter gekommen.“

Mit der Wende hatten die meisten Vereinsmitglieder andere Sorgen als die Kaninchenzucht. Zuchtwart Hartmut Rilk und Ernst Maaß retteten den Verein aber auch über diese Klippe und 15 Mitglieder hielten die Stange, organisierten gar 1991 wieder eine Ausstellung. „Um ausreichend Tiere präsentieren zu können, luden wir uns Zuchtfreunde aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ein“, erinnert sich Friedrich Schulz, der 1994 dann den Vorsitz im Verein übernahm.

Heute sind sie um die 25 Mitglieder im Verein, „darunter auch wieder einige junge“, so Schulz. Die Kaninchenzucht ist ein Hobby geworden, das es nicht zum Nulltarif gibt. Denn gutes Zuchtmaterial kostet und ohne Kraftfutter für die Tiere ist auch kein Pokal zu gewinnen. Letztere gibt es heute in allen Größen und Schattierungen. „Pokale zu DDR-Zeiten, die waren eine Rarität. Wir haben für die Sieger Holzteller drechseln lassen“, erinnert sich der Perleberger, der selbst Kreismeister- und Bezirksmeistertitel mit seinen Kaninchen holte. Seine größten Erfolge: Der Landesmeistertitel mit Blaugraue Wiener und Meister der Rassekaninchenzucht.

An die 30 Tiere hat Friedrich Schulz heute und so lange es gesundheitlich machbar ist, möchte er auf die Langohren nicht verzichten. Natürlich esse er auch ganz gerne mal Kaninchen, „zumindest zu Weihnachten“, verrät er. Ostern komme jedoch keins auf den Tisch. „Die Kinder haben sich geweigert. Den Osterhasen wollten sie nicht essen.“ 

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erstellt am 18.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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