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Der Prignitzer

25. Juni 2016 | 08:50 Uhr

Hoffmanns Hotel eingerüstet : Erster Schritt: Nur ein Rohbau

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vier Jahre nach dem Großbrand: Sicherung von Hoffmanns Hotel geht in kleinen Schritten voran / Part Nr. 1 ist kostenneutral zu schaffen

„Hoffmanns Hotel“ – vier Jahre ist es her, da wurde ein Großbrand dem denkmalgeschützten Anwesen zum Verhängnis. Der Dachstuhl des Hinterhauses wird komplett vernichtet, der darunter liegende Saal ist eine Brandruine. Rund 250 Jahre ist das Haus alt, es gilt als stadtbildprägendes Einzeldenkmal.

2010 kaufte Dr. Dieter Hoffmann-Axthelm das Haus, um es im Zusammenwirken mit dem Altstadtverein zu erhalten. Derweil flossen Fördermittel, um die Hülle so zu sichern, so dass das Vorderhaus auch die nächsten 20 Jahre übersteht. Über das so genannte Programm Sanierung, Sicherung und Erwerb von Altbau-Immobilien im Rahmen des Stadtumbaus Ost, das eine hundertprozentige Förderung über Bund und Land verheißt, wurden für die Sicherung des denkmalgeschützten Hauses 300 000 Euro eingestellt. Die Förderung reiche, um Dach und Fassade fachmännisch herzurichten, nicht aber, um das Haus komplett zu sanieren. „Insofern ist das Hauptanliegen, das Korsett zu sichern. Und dann muss man schauen, wofür das Geld noch reicht“, umriss im Februar 2013 Dr. Hoffmann-Axthelm die Problematik. Keinen Hehl macht er damals daraus, dass die Zeit davonläuft.

Bis Anfang April 2013 sollte die Hüllensanierung des Vorderhauses praktisch abgeschlossen sein. Derweil steht immer noch das Gerüst, hat bis dato bereits 26 000 Euro gekostet, wie Bauherr Dieter Hoffmann-Axthelm offen einräumt. Eine Ausgabe, die aber notwendig und zugleich eine Frage der Sicherheit sei.

Jens Trommershausen von der BIG Städtebau, die für den sogenannten Baustand verantwortlich ist, um dann auch die Mittel auszureichen, betont, dass es sich hier nicht um kein klassisches Projekt handle. Am Ende habe man keine sanierte, fertige Immobilie. Es gehe um eine Sicherung. „300 000 Euro, das klingt viel, ist es aber nicht, bezogen auf dieses Projekt.“

Nur mit Dach und Dachstuhl sei es nicht getan, betont auch Bauamtsleiter Hagen Boddin. Statisch aussteifende Maßnahmen im Innenbereich müssen u. a. damit einher gehen. Trommershausen spricht von vielen kleinteiligen Arbeiten. Sie zeitlich zu fassen, sei sehr schwer. Nichtsdestotrotz hätte man eine Baukontrolle durchgeführt, um zu erfahren, warum es so lange dauert. Bisher gehe man davon aus, dass alles kostenneutral zu schaffen ist.

Und wie sieht es der Eigentümer? Entscheidender Grund für die Verzögerung sei, dass der Brand nur die Spitze des Eisberges war. Was sich da im Laufe der Arbeiten offenbarte, steht für eine jahrzehntelange „Verwahrlosung des unter Denkmalschutz stehenden Hauses, für unsachgemäße Einbauten. Wände wurden herausgerissen, um den Gastraum zu vergrößern, ein Schornstein unsachgemäß gesetzt, so dass sich Wasser im Übergang vom Haupthaus zum barocken Seitenflügel vernichtend auswirkte. Und nicht erst das Wasser der Feuerwehr.“ Nur Handwerkerkunst und Geduld konnten noch helfen. Hoffmann-Axthelm nennt Fred Klimaschewski, Perleberger Zimmermann in dritter Generation, der hier ein wahres Händchen dafür zeigt, den Blick hat für das komplexe System eines so großen Fachwerkhauses. „Über Wochen schaffte er, die Balkenlage zu heben, um wieder eine halbwegs waagerechte Kräfteübertragung zu erreichen“. Erst dann konnte das Dach drauf. Jetzt sei eine gewisse Stabilität hergestellt. Anders als bei einem Hausbau, der von unten nach oben erfolgt, gehe es hier genau in umgekehrter Richtung. Der seitliche Fachwerkgiebel müsse nun noch gemacht werden, dann könne das Haus geschlossen werden, habe man einen Rohbau – aber nicht mehr.

Im hintere Bereich des Areals – ein eigenständiges Grundstück – hat Hoffmann-Axthelm mit Privatmitteln die Wohnung saniert. Ein Atelier ist hier eingezogen. Betreffs des Saals werde er weitere Sicherungsmaßnahmen vornehmen müssen und „letztlich sehen,was ich bezahlen kann. Ich mache mir täglich Gedanken, doch das liegt außerhalb meiner finanziellen Möglichkeiten.“

Diesen Gasthof aus dem 18. Jahrhundert, der einzige, der noch als Gesamtanlage geblieben ist, sei es wert, erhalten zu werden und dafür nach Möglichkeiten zu suchen. „Ich spreche mit vielen Leuten, doch wo die Million herkommt, die man dafür bräuchte, das weiß niemand.“

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erstellt am 26.Aug.2014 | 23:26 Uhr

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