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Der Prignitzer

03. Dezember 2016 | 03:30 Uhr

Weihnachten International : Er trägt Weihnachten im Herzen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mujo Memedi aus Mazedonien hat eine sehr vielschichtige Sicht auf das Fest

Andere Länder – andere Sitten. Das trifft insbesondere auf die Advents- und Weihnachtszeit zu. In unserer Serie „Weihnachten international“ geht es heute nach Mazedonien.

Mujo Memedi ist Mazedonier und trägt Weihnachten im Herzen. Seit 1989 lebt der 44-Jährige in Deutschland, kam noch vor der Wende nach West-Berlin. Die Advents- und Weihnachtszeit, an die er sich in seiner Heimat erinnert, hat nicht mehr viel damit zu tun, wie es heute dort begangen wird. „Im Jugoslawien, zu Titos Zeiten, war sicher vieles gesteuert, keine Frage. Aber: Die Advents- und Weihnachtstraditionen wurden religionsübergreifend, gemeinsam gefeiert.“

Neun ethnische Gruppen leben in diesem südosteuropäischen Land, das seit 2005 Mitglied der EU ist. Religiös geprägt ist Mazedonien vordergründig vom orthodoxen Christentum und dem Islam. Vieles sei früher über die Betriebe organisiert worden. Prämien für Mitarbeiter, kleine Geschenke, Süßigkeiten, Päckchen für die Kinder… Mujo Memedi könnte noch vieles aufzählen. Seine Erinnerungen an diese Zeiten sind positiv, meint der Inhaber des Restaurants „La Torre“ sowie des Hotels „Albani“ in Wittstock/Dosse. Die Jahre die danach kamen, etwa von 1990 bis 2000, bezeichnet er – zumindest was die besinnliche Vorweihnachtszeit anbelangt - als „graue Zeit“, bestimmt durch Finanzzwänge und Korruption.
Da befand sich Mujo Memedis schon in Deutschland, seit 2002 in Wittstock. Rückblickend stellt er ein wenig wehmütig fest, dass sich auch in Deutschland die Adventszeit und das Fest der Feste im Wandel befänden – und das nicht zum Guten. Ein Beispiel. „Ich erinnere mich noch gut daran, wie es roch, als ich 1989 nach Westberlin kam. Es roch nach Deutschland“, berichtet er und fügt an: Heute rieche es nach allem Möglichen in Berlin, nur nicht nach Deutschland. Ähnliches gelte für seine Erinnerungen an die Vorweihnachtszeit in Berlin: „Es duftete nach Zimt, gebrannten Mandeln, kandierten Früchten, Glühwein. Seit etwa 1994/95 ist das nicht mehr so.“ Alles sei steriler geworden. Weniger sei manchmal mehr.
Letzteres gilt nicht für sein soziales Engagement. Er unterstützt großzügig, finanziell bedürftige Familien, richtet alljährlich für die Kinder und Jugendlichen der Wittstocker Mosaik-Schule ein Nikolausessen aus. Die Aufzählung aller Aktivitäten würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Dem Vater dreier Kinder (21, 16 und zweieinhalb Jahre) ist dieses Engagement außerordentlich wichtig. Man merkt es, wenn er die akribisch gesammelten Medienberichte über seine Aktionen hervorholt und, ohne lange nachzudenken, zu jeder einzelnen eine interessante Geschichte zu erzählen weiß.
Heiligabend begeht Mujo Memedi traditionell besinnlich-deutsch, bei sich zu Hause. „Es gibt eine Bescherung, wir werden gut essen, ein Menü mit mehreren Gängen, gemeinsam was spielen und vielleicht noch einen Film schauen.“

In seiner Heimat hat er diese Zeit anders erlebt: Das Weihnachtsfest wurde am 6. Januar begangen, am 12. Januar folgte für die orthodoxen Christen der Jahreswechsel. Das Feiern am 6. Januar fand in der Regel draußen statt. Es gab unter anderem, auch in Mujo Memedis Heimatstadt Tetovo, die Tradition, dass ein großes Kreuz in einen Fluss oder See geworfen wurde. Derjenige, der es aus den Fluten rettete – bei oft eisigem Wetter – genoss das ganze folgende Jahr so etwas wie einen besonderen Schutz. Dazu gab es jeweils eine religiöse Zeremonie, „von Ort zu Ort immer ein wenig anders“, so Memedi. Auch an liebevoll geschmückte Tannenbäume erinnert er sich, an leckere Lammspezialitäten und daran, dass solche Anlässe immer ganz in Familie gefeiert wurden – oft mit 30 bis 40 Leuten, erzählt er und schwelgt in dieser Erinnerung. So ist es wohl, wenn man Weihnachten im Herzen trägt. 

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erstellt am 27.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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