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Der Prignitzer

30. September 2016 | 15:28 Uhr

Schüler bauen mit Naturstoff : Ein Strohhaus im Nebraska-Stil

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Hermsdorfer Schüler entwarfen und bauten ein Haus aus dem Naturstoff. Die Ausstellung ist im Herbst geplant

Etwas Eile war in den letzten Tagen geboten, das kleine Strohhaus auf dem Hof der Akademie für Suffizienz in Reckenthin musste dringend fertig werden, bevor der lange angekündigte Regen über die Prignitz hereinbricht. Etwa eine Woche haben ein Dutzend Schüler aus Hermsdorf (Berlin) von der Grundsteinlegung bis zum Dach gebraucht. Sie besuchen die 8. Klasse der Hermsdorfer Elisabethstiftschule und konnten nun in der Prignitz eine Unterrichtswoche der praktischen Art erleben. In Kooperation von Schule und der Akademie für Suffizienz, die sich für nachhaltiges Wirtschaften einsetzt, war der Bauhof bei bestem Wetter fest in den Händen der Jugendlichen. Das Ziel, ein Haus aus dem Naturmaterial zu bauen, sollte anschauliches Lernen mit Gruppenbildungsmaßnahmen zusammenbringen.

Und so geht es auch locker zu beim Handwerken zu. Man spricht sich mit den Vornamen an, arbeitet konzentriert. Sport- und Techniklehrer Chris meint: „Wir denken an unserer Schule ohnehin relativ fächerübergreifend. Für dieses Haus ist auf jeden Fall viel Mathematik erforderlich.“ In so einer schönen Atmosphäre sei es möglich, auch mit Schülern in einem etwas schwierigen Alter gezielt konstruktiv zu arbeiten, schätzt Christian Meyer, Bauleiter und Experte für den Strohballenbau, ein. Die Schüler stapeln Ballen in das stützende Gerüst, gehalten von einigen Metallstangen, und vernähen alles zusätzlich mit Stricken.

Von außen hat das Haus eine Grundfläche von sechs mal vier Metern, innen sind - bedingt durch die dicken Wände - drei mal fünf Meter nutzbar. „Das ist ein wenig Nebraska-Stil. So wurde vor 120 Jahren in den USA gebaut. Irgendwann hat man die Bauweise wiederentdeckt. Aus der Anfangszeit stehen noch so 20 bis 25 Häuser in den USA“, weiß Christian Meyer. Etwas teurer als damals in Nebraska dürfte es aber sein. 2500 Euro kostet das Stroh, etwa 800 Quader sind verarbeitet. Möglich wurde dies durch eine Förderung aus dem Projekt „Aktion gesunde Umwelt“ des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft Brandenburg. „Das Stroh liefert ein benachbarter Betrieb. Wir demonstrieren damit, wie man mit regionalen Baustoffen günstig und energiearm bauen kann“, erklärt Dr. Corinna Vosse, Leiterin der Akademie für Suffizienz, die 2012 in der Prignitz unter dem Motto „Nutzen, was da ist“ gegründet wurde. Suffizienz steht dabei für materielle Genügsamkeit. Haus und Hof der Akademie bieten für die Schüler Übernachtungsmöglichkeiten, Gruppenräume, eine Selbstversorgerküche, und ein bisschen Lagerfeuerromantik hält diese Schulwoche auch bereit. Wenn die Begeisterung anhält, könnten die Jugendlichen ihre neu gewonnenen Fähigkeiten auf ihrem Schulgelände umsetzen und dort ein eigenes Häuschen bauen, blickt Dr. Corinna Vosse voraus.

Das Strohhaus in Reckenthin ist rechtzeitig fertig geworden und soll ab dem Herbst kleine Fotoausstellung von seiner Entstehung beherbergen, die nach Terminabsprache zugänglich sein soll.

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