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Der Prignitzer

29. August 2016 | 02:15 Uhr

Schädling bleibt ein Dauerbrenner : Eichen sterben in Größenordnungen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kommunen fordern eine wirklich flächendeckende Bekämpfung des Spinners / Rückmeldungen über betroffene Gebiete Flächen und über Krankheitsfälle erwünscht

Der Eichenprozessionsspinner wird die Verantwortlichen in den Kommunen des Landkreises noch über Jahre beschäftigen. So könnte man kurz das Fazit aus der Auswertungsrunde ziehen, die nach der Bekämpfung des Schädlings vorgestern in Perleberg stattfand (wir berichteten gestern). Die Kreisverwaltung, die die Fäden dafür in der Hand hält, hatte dazu eingeladen.

Vertreter aller Städte, Gemeinden und Ämter zogen ihr jeweiliges Resümee und gaben aus ihrer Sicht Hinweise dazu, wie man weiter vorgehen sollte. Viele Verantwortliche zeichneten ein dramatisches Szenario, machten auf nachhaltige Auswirkungen aufmerksam, die die nicht konsequente Bekämpfung der Raupen und ihrer Nester haben werden. „Es sterben in Größenordnungen Eichen ab“, sagte Jörg Molz (Amt Lenzen-Elbtalaue). Er forderte, wie alle anderen Anwesenden, auch 2015 eine wirklich flächendeckende Bekämpfung. „Alles andere wäre Geldvergraben. Wir leben von den Menschen, die hier wohnen, und von den Touristen, müssen auf politischer Ebene Druck aufbauen, damit wir vorankommen.“

Auf einer doppelt so großen Fläche wie 2013 wurde der Spinner in der Gemeinde Groß Pankow (Prignitz) bekämpft. „Jede dritte Eiche ist mäßig befallen“, schätzt Karsten Lehmann ein. Regelmäßig gehen Meldungen über betroffene Bäume in der Verwaltung ein und auch andere Informationen bzw. Nachfragen. „Im Schnitt habe wir zu diesem Thema täglich fünf bis zehn Anrufe. Viele werden allerdings erst wach, wenn die Bekämpfung im Gange ist“, berichtet der Ordnungsamtsleiter.

Lehmann regte an, über eine nachträgliche Befliegung betroffener Gebiete nachzudenken. In diesem Jahr fand der Hubschraubereinsatz vom 28. bis 30. April statt – möglicherweise zu früh, wie von der Gemeinde Gumtow moniert wurde. Der Erfolg sei hier eher durchwachsen gewesen. Nachträglich fanden hier, wie an vielen anderen Orten, noch Absaugungen von Nestern statt.

Antje Hartwig, Umweltfachfrau in der Perleberger Stadtverwaltung, schätzte die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners aus der Luft als die effektivste Variante ein und kritisierte zugleich, dass große, nachweislich befallene Flächen mit naturschutzrechtlichen Begründungen wieder herausgenommen worden sind. „Gefahrenabwehrrecht muss vor Naturschutzrecht gehen“, forderte sie mit Nachdruck und gab somit auch den Tenor der gesamten Runde wieder. Einer der Perleberger Schwerpunktbereiche war bzw. Ist noch immer Dergenthin.

Besonders in Mitleidenschaft gezogen ist in diesem Jahr die touristisch stark besuchte Region um Rühstädt und Quitzöbel. Zwar sei der Lufteinsatz bei optimalem Wetter erfolgt, aber weder das noch die Bodenbekämpfung hätten die erhoffte Wirkung gebracht, so Gerald Neu, Ordnungsamtsleiter von Bad Wilsnack/Weisen. Nachträgliche Absaugungen konnten Anfang Juni im Schlosspark Rühstädt, in Quitzöbel, in Teilen Weisens und am Kreisel Waldhaus/Weisen zumindest etwas Abhilfe schaffen. Das Rühstädter Storchenfest, so Neu, werde räumlich nicht verlagert. Wohl aber voraussichtlich das Dorf- und Schützenfest in Quitzöbel, das auf den Sportplatz verlegt werden soll. Ebenso wie Jens Grieswald aus Wittenberge fordert Gerald Neu eine möglichst einheitliche Gefahren-Beschilderung zur besseren Orientierung für die Menschen. Im Storchendorf sollen jetzt auch an den Ortsein- und -ausgängen Warnschilder aufgestellt werden.

Die Kommunen und der Landkreis bitten Bürger weiterhin um Rückmeldungen zu befallenen Bäumen bzw. Flächen. Bis 1. Oktober sollen im ganzen Kreis alle Flächen und Bäume vollständig erfasst sein. Wichtig sind zudem Informationen über Krankheitsfälle, die durch die allergieauslösenden Härchen des Schädlings aufgetreten sind.


 

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erstellt am 04.Jul.2014 | 08:00 Uhr

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