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Der Prignitzer

05. Dezember 2016 | 05:30 Uhr

Geschichte der Elbschifffahrt Teil 5 : Echolot zeigt Hindernisse in Fahrrinne an

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Erst seit gut 50 Jahren gibt es moderne Technik, davor wurden Suchleine und - anker verwendet

Reicht die Wassertiefe, droht Gefahr, kommt eine Sandbank oder ein nicht sichtbares Hindernis? Fragen, die sich Kapitäne seit Beginn der Schifffahrt auf den Meeren und Flüssen stellen müssen. Der Fachmann spricht von der Lageerkundung der Fahrrinne oder besser des Fahrrinnenverlaufes (auch Talweg). Sie ist von heraus ragender Bedeutung für die Bereitstellung eines sicheren und zuverlässigen Verkehrsweges.

Anders wie in einem Kanal mit fixer Gewässersohle ist bei einem frei fließenden Gewässer, wie der Elbe, die Sohle in ständiger Bewegung und Veränderung. Im Streckenbereich unterhalb der Havelmündung geht die Gewässersohle der Elbe von einer kiesigen in eine sandige Struktur über.

Im Zusammenwirken mit einer allgemeinen Abnahme der Fließgeschwindigkeit in Richtung Unterelbe kommt es zur Bildung sogenannter Mittelsänder, die ihre Lage und Ausdehnung sporadisch ändern. Diese speziell für den Streckenbereich der unteren Mittelelbe (Gnevsdorf bis Geesthacht) in Fachkreisen bekannte Erscheinung wird seit Beginn der Schiffbarmachung bis in die Gegenwart festgestellt.
Hieraus ergeben sich vor allem in geraden Streckenbereichen und im Wechsel der Fahrrinne von einem Ufer zum andern lageveränderliche Flachstellen mit instabiler Fahrrinne.

Aus dieser Situation entstand die permanente Aufgabe der Kontrolle und Überwachung des Fahrrinnenverlaufes. In der Zeit vor 1850, als die Elbe noch kein fixiertes Mittelwasserbett hatte, muss die Erkundung auch hinsichtlich der zu dieser Zeit noch sehr bescheidenen technischen Hilfsmittel, eine mühevolle und nicht ganz ungefährliche Arbeit gewesen sein.

Vermutlich war es eher dem Gespür, der Erfahrung und dem instinktiv richtigen Handeln der mit der Erkundung beauftragten Leute zu verdanken, den sicheren Weg zwischen Stromschnellen, Untiefen und Sandbänken zu finden. In der Folge 2 dieser Beitragsreihe wurde bereits über das Wirken der sogenannten „Haupter“, einer Art frühen Lotsendienstes berichtet.

Fahrrinnenerkundung hat auch sehr viel zu tun mit Hindernissuche und ganz banalem Aufräumen, zum Beispiel nach Hochwasserereignissen. Diese Notwendigkeit hatte man bereits schon vor mehr als 200 Jahren erkannt und in der Kongressakte des Wiener Kongress von 1815 unter den Elbanliegerstaaten vereinbart.

Im Artikel 113 der Kongressakte vom 9. Juni 1815 heißt es hierzu: „ Jeder Uferstaat übernimmt innerhalb seines Gebietes die Unterhaltung der Leinpfade und die Arbeiten am Strombette, welche zu diesem Zwecke erforderlich sind, dass die Schiffahrt nirgends auf ein Hindernis stoße...“
In den heutigen Gesetzen und Regelwerken spricht man von der Sicherheit und Leichtigkeit der Schifffahrt. Inhaltlich besteht in diesem doch recht langen Zeitraum jedoch eine nahezu unveränderte Aufgabenverteilung für die Wasser-und Schifffahrtsverwaltung.

Bei der Fahrrinnenerkundung geht es neben der Lagefeststellung natürlich um die Suche nach dem tiefen Wasser, also möglichst unter Umgehung störender Flachstellen. Bis etwa Mitte der sechziger Jahre geschah dies auf der Elbe ausschließlich mit einer hölzernen Peilstange.

Erst danach kamen nach und nach erste Echolote zum Einsatz. In der Gegenwart wird die Elbsohle mit modernen GPS-gestützten Echoloten abgetastet, wobei auch bedarfsweise hochauflösende Flächenechogramme entstehen. Hindernisse können hierdurch zielsicher geortet und mit Koordinaten lagemäßig fixiert werden. So wird ihre Bergung wesentlich erleichtert.

Die Fahrrinnenerkundung erfolgt für den Streckenbereich in der Prignitz durch die Wittenberge Außenstelle des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg. Peilmatrosen übernehmen diese Aufgabe, sie zeichnet große Sachkunde aus.

Trotzdem stellen sich wirtschaftliche Fahrrinnentiefen nur durch regelmäßige Niederschläge ein, daran ändert auch eine noch so intensive Suche nach tiefem Wasser nichts. Die Lage der Fahrrinne wird durch einen Mix vom schwimmenden und festen Zeichen markiert. Im Verlauf der Entwicklung hat es, was die technische Umsetzung der Fahrrinnenkennzeichnung betrifft, interessante Entwicklungen gegeben, auf die in der nächsten Folge eingegangen wird.

Bisher sind erschienen:

• „Die Zeit der großen Holzflößerei“, 20.9., Seite 9

• „1832 begann Bau am Binnenhafen “, 15.9., S. 10

• „Buhnen machen Elbe schmaler und tiefer“, 15.6., S.9

• „Die Elbe kommt in ein schiffbares Bett“, 28.5., S. 14

 

Autor: Roland Schneider
 

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erstellt am 02.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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