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Der Prignitzer

26. August 2016 | 03:33 Uhr

Die Geschichte Perlebergs : Dobberzin – des Rätsels Lösung?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Hobbyhistoriker Jens Nering auf Spurensuche in der Geschichte der Stadt / Neues Buch wird am Dienstag im „Effi“ vorgestellt

Es ist erschienen, das dritte Buch des Hobbyhistorikers Jens Nering. Am 10. November, 19 Uhr, stellt der Perleberger dieses im Freizeitzentrum „Effi“ vor. Und dann wird es auch käuflich zu erwerben sein.

Wie in den beiden Vorläufern geht er der Geschichte der Stadt auf den Grund, die, wie man erfährt, manch seltsame Wege nahm. Letzteres kann man getrost wörtlich nehmen, denn es geht um Erklärungen zu Namen von Straßen, Wegen und Plätzen. Während die beiden ersten Bücher von Nering reine Bildbände waren, folgen jetzt 140 Seiten reich bebilderter Text. Wieder sind es vorwiegend historische Ansichten und Karten aus längst vergangenen Zeiten, die die Blicke des Betrachters auf sich ziehen.

Eigentlich wollte der Perleberger einstige Gewerke den Straßen und Örtlichkeiten zuordnen. Auf der Suche nach Straßen und eine Antwort darauf, warum sie einst anders hießen, wurde schnell klar, das ist allein ein seitenfüllendes Buch. So machte sich Nering auf die Spur alter und neuer Bezeichnungen – 378 an der Zahl. Dabei stieß er auf manch Spannendes wie auch bis dato anders Dargestelltes. Warum beispielsweise hat ein und das selbe Haus verschiedene Straßennamen oder Hausnummern? Die Antwort liefert die Geschichte.

1904 war die mittlerweile zweite Umnummerierung der Häuser in der Stadt abgeschlossen. Während bis zu dem Zeitpunkt diese in Hufeisenform und Uhrzeigersinn erfolgte, ging es fortan auf höchst königlicher Anordnung genau entgegengesetzt herum. Die Bäckerstraße 1, wie heute die postalische Adresse lautet, war früher die Nummer 44. Dem Schuhmarkt hingegen waren einst 23 Häuser zugeordnet, den Mönchort gab es noch gar nicht. „Das war faktisch der Hinterhof der Wittenberger Straße und des Kirchplatzes und hatte damit keine postalische Bedeutung. Hier standen nur Scheunen. Die eigentliche Wohnbebauung begann dort um 1880“, erläutert Jens Nering.

Überaus spannend ist die Geschichte um den Ort Dobberzin und damit verbunden die Frage, führt die heutige Dobberziner Straße überhaupt nach Dobberzin? Klare Antwort des Hobbyhistorikers: „Nein.“ Und das könne er auch belegen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, so Nering, war der Ort Dobberzin die heutige Wilsnacker Straße, konkret der Bereich zwischen der Ampelkreuzung Berliner Straße und Karlstraße. Dr. Dieter Hoffmann-Axthelm vertritt gleichso die Theorie, dass der Ort Dobberzin als Vorstadt in Perleberg aufgegangen ist. Diese Theorie werde im Buch bestätigt, unterlegt mit entsprechenden Beweisen, betont Nering. Eine 300 Jahre alte Karte widerspreche definitiv der bis dato angenommenen Vermutung, dass der Ort in der Gegend des einstigen Räuberkrugs, also an der Jeetze gelegen haben müsse. Auf besagter Karte ist die Rede von der Dobberzinischen Vorstadt.

Woher aber diese Erkenntnis? „Alles ist bereits zu Papier gebracht. Man muss recherchieren, das Geschriebene sichten, vergleichen und auswerten. Dann kommt man der eigentlichen Geschichte auf die Spur, erfährt, das so einiges sich verändert hat“, so Jens Nering. Beispielsweise war die Beguinenwiese nur zur Hälfte flaches Land. Die andere Hälfte stand unter Wasser, war Flusslauf der Stepenitz. Erst als 1892 die innerstädtischen Wasserläufe zugeschüttet wurden, sei vermutlich auch die Beguinenwiese in ihrer heutigen Form entstanden.

Auch die Überlieferung zur Jungfernbrücke, wonach sich hier im Schwedenkrieg alle Jungfrauen der Stadt ertränkten, um nicht geschändet zu werden, sei eine Saga. Nicht nur der Wasserlauf, auch der zu der Zeit geschlossene vier Meter hohe Stadtmauerring sprechen dagegen. Das Stück Stepenitz war aus der Stadt heraus nicht zu erreichen. Den Wandrahmen gab es nicht, es war ein wasserführender Graben. Daher auch der einstige Name Wandgraben, der im Laufe der Zeit zu Wandrahmen wurde.

Namensgeber waren mitunter auch Wortspielereien, sagt Jens Nering und verweist auf den Kasültenplatz. Wie jener entstand, das erfährt man im dritten Buch über Perleberg gestern und heute. Ebenso, wo einst die Osterstraße war. Vermutet werde, dass jene zur Hälfte heute bebaut ist. „Nur so viel sei schon verraten, sie kreuzte einst die Bäckerstraße“, berichtet schmunzelnd der Hobbyhistoriker.

Doch nicht nur die Namen von Straßen und Plätzen werden hier detailliert beleuchtet auch einige Denkmäler, die zum Teil schon in Vergessenheit geraten oder ganz aus dem Gedächtnis verschwunden sind. So das Schlageterdenkmal auf dem Weinberg oder der Horst-Wessel-Stein, den es noch gibt, konkret im Bereich des Friedrich-Engels-Platzes. Wo genau, das erfährt man am 10. November im Freizeitzentrum „Effi“, wenn er sein Buch vorstellt.  

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erstellt am 07.Nov.2015 | 08:00 Uhr

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