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Der Prignitzer

26. Juni 2016 | 13:44 Uhr

Umstrittene Namensgebung : Diskussion um Podbielski-Radweg

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gutsherr eng mit dem Dorf Dallmin verbunden / Kritiker verbinden Namen mit dem Wirken seines ältesten Sohnes bei der NSDAP

Die geplante Namensgebung „Podbielski-Damm“ für den Radweg Dallmin-Postlin stößt bei Harry Brehmer, Ortsbeiratsmitglied und Abgeordneter der Gemeinde Karstädt, auf wenig Gegenliebe. Unbestritten erwarb sich der einstige Dallminer Gutsherr Victor von Podbielski (1844-1916) mit der Initiierung des Baus von Kreisringbahn, Stärkefabrik Dallmin, Kartoffelflockenwerk und Molkerei in Karstädt große Verdienste um die ökonomische Entwicklung der Westprignitz, doch sei der Name Podbielski an sich nicht unumstritten, meint der Postliner.

Brehmer bezieht seine Kritik insbesondere auf den ältesten Sohn Podbielskis, der Victor Ulrich Theophil Friedrich von Podbielski (1892-1945) hieß. „Der trat 1930 der NSDAP bei, war u. a. Ortsgruppenleiter in Perleberg, als hier erste KZ-Lager eingerichtet wurden, und danach in der Gauleitung Mark Brandenburg. Ab 1938 gehörte Podbielski zum Stab des Reichsführers SS Heinrich Himmler, hatte den Rang eines SS-Oberführers und fungierte von 1943 bis zum Ende des 2. Weltkriegs als Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder)“, führt Brehmer einige Daten aus der Biografie des Gutsherren-Sohns an – Angaben, die das Stadtarchiv von Frankfurt (Oder) auf Nachfrage des „Prignitzers“ bestätigte.

„Wenn die Dallminer ihre Turnhalle, deren Bau auf Podbielski zurück geht, anlässlich des Vereinsjubiläums TuS 1896 Dallmin ,Podbielski-Halle’ nennen wollen, dann sollen sie es tun. Doch der Radweg, der auf einem einstigen Teilstück der Kreisringbahn die Gemarkungen Dallmin und auch Postlin berührt, sollte ,Bahndamm’ heißen, wie er bereits von vielen Nutzern genannt wird“, argumentiert Brehmer.

Der Ortsbeirat Dallmin hatte sich für eine Podbielski-Namensgebung von Turnhalle und Radweg ausgesprochen und diesen Antrag an die Gemeinde Karstädt weitergeleitet. Erörtert wurde das Ansinnen auch auf der Sitzung des Karstädter Ortsbeirats. „Allerdings ohne Abstimmung, da ich die Beiratsmitglieder bat, sich vorher zum Namen Podbielski eine Meinung zu bilden“, so Brehmer. Eine Abstimmung sollte es daher noch geben.

„Die Namensgebung ,Podbielski-Damm’ oder ,Podbielski-Halle‘ hat mit dem NSDAP-Sohn Victor von Podbielski nichts zu tun. Vater und Sohn sind zwei Paar verschiedene Schuhe. Daher geht die Kritik von Herrn Brehmer völlig an der Sache vorbei“, argumentiert Dallmins Ortsvorsteher Andreas Much. Sowohl die Gedenkfeier zum 100. Todestag von Victor Adolf Theophil von Podbielski (1844 - 1916) am 23. Januar mit ca. 180 Gästen aus nah und fern, als auch die herausragende Resonanz im Nachgang hätten eindrucksvoll gezeigt, wie eng Dallmin mit dieser Person verbunden sei. „Insofern lassen wir uns von Bedenkenträgern nicht den Wind aus den Segeln nehmen und werden in diesem Jahr beide Aktionen wie geplant durchführen. Wenn es in Berlin eine ,Podbielskiallee‘ mit gleichnamiger U-Bahn-Station, in Hannover eine Hauptverkehrsstraße namens ,Podbielskistraße‘ und eine veredelte Sauerkirsche mit der Bezeichnung ,Minister von Podbielski‘ gibt, dann ist erst recht die Namensgebung unseres Radwegs ,Podbielski-Damm‘ erlaubt“, unterstreicht Much.

„Hier geht es um eine verdiente Persönlichkeit der Westprignitz. Auf Nachfrage auf der letzten Ortsbeiratssitzung, ob es auf Grund der zuvor geäußerten Bedenken eine Einwohnerversammlung von Nöten sei, gab es diese Einwände nicht mehr. Vielmehr wurde der Vorschlag von Dallmin unterstützt. Daher verwundert mich die erneute Anmerkung von Herrn Brehmer doch sehr. Gemeindevertreter sollten da schon nahe bei ihren Einwohnern und Vereinen im ,Hier und Jetzt‘ sein“, erklärt Karstädts Ortsvorsteher André Lüdemann. Er habe gleich das Gespräch mit dem Heimatverein Postlin gesucht. Die Mitglieder waren bei Treffen mit Dallminern durch den Vorstand immer zu den Beratungen vertreten. Die Ortsvorsteher wurden von beiden Vereinen hinzugezogen und waren beratend anwesend. „Bei gerechtfertigten Bedenken dürfte die Gemeinde Karstädt auch nicht mehr das ,Maskottchen‘ Podbielski bei öffentlichen Empfängen, wie im Wachstumskern oder auf Messen, verwenden“, so Lüdemann. „Wir wollen keinen Kult um den Namen Podbielski entstehen lassen. Doch wir haben uns mit den Dallminern dazu verständigt, die Person des verdienstvollen Gutsherren öffentlich stärker zu würdigen“, betont Lüdemann. So könne man sich vorstellen, eine Skulptur zu schaffen, die die Themen Kartoffeln, Schiene und Olympia miteinander verbindet und ihren Platz im Kreisverkehr Putlitzer/Postliner Straße finden könnte. Gespräche dazu sollten mit dem Mödlicher Künstler Bernd Streiter geführt werden.

Zu Wort meldete sich mit Volker Kobs auch der Vorsitzende des Postliner Heimat-Club e.V. „Wir pflegen seit der Radwegeinweihung 2008 ein freundschaftliches Verhältnis nach Dallmin. Beide Heimatvereine haben die Idee und weitere Gedanken zusammen entwickelt und wollen eine Verbundenheit wie vor mehr als 100 Jahren im alten Patronat fortführen und den Gedankenaustausch pflegen. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl zeichnet heute eine starke Gemeinde aus. Da sollten Abgeordnete bei den ehrenamtlich Engagierten sein.“

 

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