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Der Prignitzer

29. März 2017 | 01:36 Uhr

Hochwasserschutz: Neues Projekt in Lenzen : Dieser Polder kann Leben retten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eine geplante Flutungsfläche kann den Pegelstand erheblich senken. Landwirte werden am Verfahren beteiligt.

Baukosten in Höhe von 43 Millionen Euro und ein Fassungsvermögen von fast 80 Millionen Kubikmeter Wasser. Diese zwei Zahlen zeigen die Dimension des Projekts Flutungspolder Lenzen. Gleich drei Landwirtschaftsminister aus drei Bundesländern gaben dafür am Freitag den offiziellen Startschuss auf der Burg Lenzen. Bei aller Euphorie der Hochwasserschutzexperten gibt es aber auf Seiten der Landeigentümer und Landwirte auch Sorgen. Eine Bestandsaufnahme.

Das Hochwasser 2013 und die Ängste der Menschen gaben den letzten Anstoß für dieses Projekt. Aber auch die Politik hat Angst, denn die Schäden der Hochwasser 2002 und 2013 summierten sich auf 16 Milliarden Euro, sagte Minister Till Backhaus, Mecklenburg-Vorpommern. Dagegen wirken die Kosten für das Polderprojekt fast bescheiden: 43 Millionen Euro. Sind sie aber nicht, betonten die Minister. Zwar trägt der Bund 60 Prozent und die drei beteiligten Länder teilen sich die Eigenanteile, aber es bleibt ein ambitioniertes Vorhaben. Allein für die Planung bis 2022 muss jedes Land 280 000 Euro zahlen.

Einstimmig bedauerten Backhaus und seine Kollegen Jörg Vogelsänger (Brandenburg) sowie Stefan Wenzel (Niedersachsen), dass sich Schleswig-Holstein nicht beteiligt. Das sei vor allem unter dem Aspekt schade, dass Brandenburg am wenigsten von dem Polder profitiert, denn die Effekte sind erst flussabwärts in den anderen Bundesländern spürbar.

Das Fassungsvermögen von 42,6 Millionen Kubikmeter ist etwa ein Drittel des Volumens der Havelpolder, die 2002 und 2013 geflutet wurden. Damit ließe sich der Elbpegel um bis zu 25 Zentimeter absenken, sagte Jörg Vogelsänger. Der Effekt werde laut Experten bis Geesthacht spürbar sein. „Dieses Projekt schreibt Geschichte“, so Vogelsänger.

Das Teilprojekt Polder Floßgraben an der Löcknitz umfasst 2200 Hektar Fläche. Dieser Polder soll Wasser aus der Löcknitz aufnehmen. Damit stünde der Polder Lenzer Wische mit seinen ebenfalls 2200 Hektar vollständig für die Aufnahme von Elbwasser zur Verfügung, so Vogelsänger.

Ein nicht unerheblicher Teil der Flächen gehört Privatleute und Landwirten. Sie sehen das Projekt mit gemischten Gefühlen, sagte Klaus Borrmann, Bürgermeister Lenzerwische. Sie erwarten klare Regeln für eine Entschädigung im Falle einer Flutung. Borrmann nannte das Beispiel eines Biobauern, der Milchkühe hält. Werde sein Weideland durch Hochwasser verunreinigt, könne er seine Existenzgrundlage verlieren.

Landrat Torsten Uhe begrüßte ausdrücklich das Vorhaben für den Hochwasserschutz und erinnerte daran, dass die Idee zu diesem Polder nachweislich schon im Jahr 1891 entstanden sei. Aber auch Uhe bat eindringlich darum, die Landeigentümer umfassend zu informieren, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Andererseits müssten aber auch Entscheidungen gefällt werden.

25 000 Euro pro Jahr seien für die Öffentlichkeitsarbeit eingeplant. Alle drei Minister zeigten Verständnis für eventuelle Befindlichkeiten und wollen durch eine umfassende Öffentlichkeitsbeteiligung Verzögerungen beim Bau verhindern. Besondere Formen der Beteiligung nannte Vogelsänger auf Nachfrage unserer Redaktion jedoch nicht. Er verwies auf die üblichen und gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligungen und Auslegungen zu so einem Bauvorhaben.

So ist der Zeitplan des Projekts:

  • Eignungsprüfung, Planvarianten und Prüfung auf Erforderlichkeit eines Raumordnungsverfahren sind 2015/16 abgeschlossen worden.
  • Eine Hydraulikstudie soll die realen Fließ- und Sedimentationsvorgänge zur Optimierung der Polderfüllung abbilden (2017-2018)
  • Bodenuntersuchung zur Feststellung der aktuellen Werte. Sie dienen zum Vergleich   nach einer Flutung (2017-2018)
  • Deichzustandsanalyse mit Vermessung und Baugrunduntersuchung, Deichdimensionierung u. Baugrundstücke sowie Standsicherheit (2017-2020)
  • Vorplanung, Entwurf- und Genehmigungsplanung sowie
  • Tragwerksplanung (ab 2018-2022)
  • Die Flutungszeit liegt zwischen 56 und 100 Stunden. Je nach Füllstand könnte das Wasser elf bis 90 Tage auf der Fläche stehen.

Quelle: Umweltministerium Potsdam

 

 

 

 

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erstellt am 17.Mär.2017 | 20:45 Uhr

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