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Der Prignitzer

29. September 2016 | 10:25 Uhr

Geschichte der Elbschifffahrt : Die Zeit der großen Holzflößerei

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wittenberge bekam einen eigenen Flößerhafen. Acht Männer steuerten die bis zu 100 Meter langen Gefährte

Die Holzflößerei auf der Elbe wurde vom späten Mittelalter bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts ausgeführt. Dies ist ein relativ langer Zeitraum, in der sich diese simple wie auch wirtschaftliche Transporttechnologie erhalten hat.

Das Geniale an der Flößerei war, dass Wasserfahrzeug und Transportgut zu einer Einheit verschmolzen. Vor allem im Zeitraum der allgemeinen Industrialisierung in Deutschland aber auch schon zuvor wurden Unmengen an Holz verbraucht. So war es üblich, dass fast alle größeren Häfen entlang der Elbe einen Flößerhafen oder Holzhafen hatten.

Nachdem Bürgermeister Nedwig 1897 sein Amt angetreten hatte, ließ er schon 1899 einen Teil der tauben Elbe unterhalb der heutigen Hafeneinfahrt als speziellen Flößerhafen für den Holzumschlag ausbauen. Der Standort an dieser Stelle war bewusst gewählt, um den Floßbesatzungen einen kurzen Weg von der Stromelbe zum Umschlagplatz zu ermöglichen.

Im Vordergrund (etwa Bildmitte) hat Heisinger ein Floß dicht unterhalb der ehemaligen Eisenbahnbrücke Wittenberge in den Bildaufbau einbezogen. Das Floß war für den Maler ein offenbar prägendes Merkmal für den Wasserweg Elbe in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Vorn auf dem Floß stehen drei Männer der Floßbesatzung mit Pätsche. Man könnte daraus schließen, dass sie gerade eine Kurskorrektur vornehmen. Möglicherweise wollen sie den etwa 1000 Meter weiter stromab liegenden Holzhafen der Stadt Wittenberge ansteuern.

Die Zeichnung zum Systemaufbau stellt wesentliche Konstruktionsmerkmale eines Elbefloßes dar. Das Floß setzte sich aus einzelnen Teilen, den sogenannten Floßtafeln zusammen. Sie waren nicht zu einem in sich starren Verband gekoppelt, sondern durch flexible Verbindungsmaterialien (Wieden) beweglich miteinander verbunden. Diese Technik erleichterte das Ausfahren von Flusskrümmungen. Auch plötzlich auftauchende Hindernisse konnten besser umfahren werden.

Die Elbeflöße konnten im Verbund vieler Floßtafeln beachtliche Abmessungen erreichen. So waren Gesamtlängen von mehr als 100 Meter keine Seltenheit. Die Breite betrug bis zu zwölf Meter.

Die Flößerei war der übrigen Schifffahrt gleichgestellt. Es galten die gleichen schifffahrtspolizeilichen Vorschriften, was zum Beispiel das Mitführen von Urkunden und Frachtbriefen betraf.

Insgesamt wurden im Durchschnitt acht Männer für eine Reise benötigt. Das Kommando auf dem Floß hatte der Floßführer, der auch im Besitz eines Elbschifferpatentes sein musste. Die Mahlzeiten wurden auf offenem Feuer zubereitet, wozu in unmittelbarer Nähe der Floßenden die Feuerstellen auf einer Lage Lehm eingerichtet waren. Gleichzeitig hatten diese Feuerstellen noch die Funktion einer Nachtbeleuchtung zu erfüllen.

 

Roland Schneider









 

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erstellt am 20.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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