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Der Prignitzer

28. August 2016 | 00:22 Uhr

Deckel-Aktion des Rotary Club : Die Region ist im Sammelfieber

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Dennis Kissel spricht im Interview über die Faszination der bunten Deckel, verrät wo gesammelt wird und wie Kinder davon profitieren

Unaufhörlich rollen Deckel in Kisten und Säcke. Seit der Rotary Club Perleberg und unsere Zeitung die Sammelaktion im vergangenen September gestartet haben, ist knapp eine Tonne zusammengekommen. Das ist ein großer Container voll. Über die Aktion, was aus den Deckeln wird und wo überall noch gesammelt wird, sprach Redakteur Hanno Taufenbach mit Dennis Kissel, Rotarier und Vorsitzender des Vereins „Deckel drauf“.

Herr Kissel, zum Start der Sammlung haben Sie uns viel Glück gewünscht. Nach fünf Monaten ist ein erster großer Container randvoll. Was sagen Sie jetzt?

Dennis Kissel: Das ist eine Superleistung, daran gibt es nichts zu diskutieren. Ich gratuliere Ihnen und allen, die daran beteiligt sind.

Läuft die Aktion woanders ähnlich gut?
Ja, das erstaunt uns selbst immer wieder. Fast überall, wo gesammelt wird, ist kein Ende absehbar. Selbst Sommerferien haben wir nicht als eine Bremse oder gar als Ende einer Sammlung wahrgenommen. Nach den Ferien sammelten die Schulen unvermindert weiter.

Das klingt nach ganz vielen freiwilligen Helfern. Haben Sie einen Überblick, wo überall gesammelt wird?
Nein, wir kennen nicht alle Standorte. Es gibt Schwerpunkte in Berlin, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein.

Im Süden sind es Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal. Auch Ihre Prignitzer Nachbarn sammeln: der Rotary Club Ludwigslust.
Sind es immer Rotarier, die die Aktionen initiieren?

Nein, bei Weitem nicht. Zum Beispiel machen Polio-Selbsthilfegruppen mit, der Hausfrauenbund beteiligt sich. Die Arminia Bielefeld sammelt bei ihren Heimspielen. Immer wieder melden sich Schulen, die von sich aus eine Sammlung gestartet haben. Auch Industriebetriebe unterstützen uns.

Aber wir bewegen uns innerhalb von Deutschland?
Da irren Sie sich. In Teilen Österreichs und der Schweiz wird gesammelt, eine Schule in Polen ist dabei und sogar ein Rotary Club in Südafrika in Kapstadt macht mit. Der verwendet den Erlös aber für regionale Projekte.

Ihr Verein und der Rotary Club Perleberg sammeln für die Aktion End Polio Now. Mit dieser will Rotary die Kinderlähmung weltweit ausrotten. Von welchem Erlös können Sie bisher berichten?
Im Sommer 2014 gründeten wir den Verein. 5000 Euro sind bereits an Rotary überwiesen, in Kürze folgen die nächsten 5000 Euro. Pro Tonne Deckel gibt es etwa 290 Euro. 500 Deckel sind ein Kilogramm, das macht 30 Cent. So viel kostet in etwa eine Impfdosis gegen Kinderlähmung.
Und wenn Sie jetzt bitte das Prignitzer Ergebnis umrechnen...

...ergibt das knapp eine Tonne. Dank Ihrer Aktion können damit etwa 950 Kinder geimpft werden.
Welche Betriebe kaufen die Deckel auf?

Wir arbeiten in Deutschland mit neun Betrieben der Abfallwirtschaft zusammen. Ihre Deckel werden nach Lüneburg gehen.

Warum werden keine Wein- oder Kronkorken gesammelt?

Beides rechnet sich nicht. Weinkorken bringen gar keinen Erlös. Kronkorken werden nach dem Schrottpreis bezahlt und für eine Tonne gibt es nur noch 65 Euro, der Preis sinkt weiter.

Kritiker sagen, die Deckelaktion kostet mehr Geld, als sie einbringt. Da könne man doch gleich Geld spenden. Was antworten Sie?
Dann nehmen wir Geld und Deckel. Natürlich lässt sich so eine Sammlung wirtschaftlich nicht darstellen. Sie funktioniert nur, weil ganz viel ehrenamtliche Arbeit dahinter steckt. Vielen macht es einfach Spaß, die Deckel zu sammeln. Und machen wir uns nichts vor: Wenn die Deckel im gelben Sack landen, werden sie auch zur Entsorgung abtransportiert. Am Ende wird das gleiche Gewicht befördert.

Die Deckelaktion geht auf Rotary zurück. Rotary verbindet man eher weniger mit solchen Aktionen. Wie sehen Sie das als Rotarier und Deckelsammler?
Auch Rotary sammelt Abfall und wir haben daran genauso viel Spaß wie an vielen anderen Aktionen, die unser und ganz gewiss auch andere Clubs in Deutschland machen.
 

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erstellt am 19.Feb.2016 | 21:00 Uhr

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