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Der Prignitzer

03. Dezember 2016 | 22:52 Uhr

Diskussion nach Rissen : Der Wolf wird sich ausbreiten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Schwerpunkt künftig auf Öffentlichkeitsarbeit, Prävention und das Miteinander. Risshotline des Landes für geschädigte Nutztierhalter

„Rudel werden kommen. Der Wolf wird sich ausbreiten“, ist sich der ehrenamtliche Wolfsbeauftragte im Landkreis Prignitz, Andreas Hagenguth aus Berge, genauso sicher wie sein ehrenamtlicher Kollege Uwe Roese aus Lenzen. Und der Verdacht liegt nahe, dass das Raubtier Ende der vergangenen Woche zweimal bei Birkholz die Schafherde von Marc Mennle angefallen und eine Woche zuvor auf einer Weide der Agrargenossenschaft Karstädt in Postlin ein Kalb gerissen hat.

Rudel sind in der Prignitz noch nicht bekannt, aber sehr wohl Einzeltiere. „Männliche Jährlinge verlassen das Rudel, machen Strecke und suchen sich ein Territorium, wo sie Nahrung finden“, erklärt Hagenguth.

Auf der Wolfsverbreitungskarte des Bundesamtes für Naturschutz sind Vorkommen in der Prignitz verzeichnet, Stand 20. September.
Auf der Wolfsverbreitungskarte des Bundesamtes für Naturschutz sind Vorkommen in der Prignitz verzeichnet, Stand 20. September.
 

Bei dem Vorfall in Postlin konnte der Tatort nicht mehr untersucht werden, da der Kadaver schon abtransportiert worden war, im Fall der Schafherde kam der vom Land beauftragte Rissgutachter, Kay-Uwe Hartleb, nach Birkholz und wertet jetzt die Spuren aus.

Hagenguth und Roese dürfen als Ehrenamtler keine Schäden an Nutztieren dokumentieren. „Wir können froh sein, dass es im Land so geregelt ist“, erklärt Hagenguth. Er genauso wie Uwe Roese weisen nachdrücklich darauf hin, dass die Risshotline informiert werden muss und nichts am Tatort verändert werden darf. Denn nur dann könne man Spuren wie Speichelprobe, Haare und Kot sicherstellen und untersuchen.

Und für Hagenguth ist klar, dass in Zukunft aufgrund der Ausbreitungstendenz des Wolfes „ der Schwerpunkt auf der Öffentlichkeitsarbeit liegt“. Dabei gehe es um Prävention, wie schützt man sich gegen den Wolf, der seinerseits unter Artenschutz steht. Die rechtliche Lage ist daher klar. „Man darf keinen Wolf töten, das wäre eine Straftat.“ Die ehrenamtlichen Wolfsbeauftragten in der Prignitz sind sich aber auch einig, dass auf der anderen Seite der Wolf keine Nutztiere fressen soll.

Schäfermeister Marc Mennle hat inzwischen seine aufgeriebene Herde mithilfe der Biosphärenverwaltung aus Rühstädt gesichert. Wo die Tiere stehen, möchte er nicht sagen, denn es häufen sich die Anfeindungen gegen ihn. „Sogenannte Naturschützer werfen mir vor, ich wäre zu dumm, um meine Herde zu schützen. Von den richtigen Wolfsfreunden habe ich allerdings viel Unterstützung erfahren.“ Auch drei Tage nach dem letzten Angriff sind noch acht Mutterschafe und sieben Zuchtlämmer verschwunden. „Weil es englische Sorten sind, ist der Verlust nicht nur finanziell sondern auch züchterisch immens.“

Und wie sieht es mit der Schadensregulierung aus? Dazu äußert sich Thomas Frey vom Landesumweltamt. Gerade wo Wolfsvorkommen bekannt seien, müssten die Schutzstandards eingehalten werden, sonst kann es unter Umständen Schwierigkeiten beim Entschädigungsverfahren geben. Bei Verdacht auf einen Wolfsübergriff auf Nutztiere sollte man sich an die Schadenshotline des Landesamts wenden. Die Begutachtung erfolgt dann durch den vom Land beauftragten Rissgutachter, der ein Rissprotokoll anfertigt. Sobald sich bei der Auswertung eine klare oder nicht auszuschließende Verursachung durch den Wolf ergibt, geht der Vorgang im Falle von Schafen, Ziegen oder Gatterwild zur Ermittlung der Schadenshöhe ins Landesamt Ernährung, Landwirtschaft und Flurneuordnung. Auf dieser Grundlage kann ein Antrag auf Schadensersatz gestellt werden. Es folgt ein Zuwendungsbescheid, so Thomas Frey.  
 
>> Schadenshotline des Landes: 0172/5641700

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erstellt am 17.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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