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Der Prignitzer

27. September 2016 | 02:12 Uhr

Offene Türen im Wittenberger DB-Werk : Den Opa mal auf Arbeit besucht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH öffnete ihre Türen. Politik fordert Bekenntnis zum größten Arbeitgeber der Region

Was macht Opa eigentlich, wenn er arbeiten geht? Diese Frage wurde dem vierjährigen Paul Sporleder am Sonnabend beantwortet. Die DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH öffnete ihre Tore in der Breeser Straße und gab den Blick auf ihr beachtliches Areal frei. Das umfasst immerhin 223  421 Quadratmeter, von denen 63  246 überbaut sind. In der Halle für die Komponentenfertigung fand Paul dann seinen Opa Klaus Sporleder. Er erzählte seinem Enkel und den Besuchern, wofür der Prüfstand für die Drehgestelle gut ist. „Hier simulieren wir, dass ein Wagen auf dem zu untersuchenden Gestell steht und kontrollieren, ob dieser Wagen dann gerade steht“, erläuterte Klaus Sporleder. „Schließlich soll ja kein Glas vom Tisch rutschen“, schiebt er nach. Dabei wird großer Druck auf das Gestell ausgeübt und millimetergenau gemessen.

Vor der riesigen Halle erklärte Fertigungsmeister Raik Panknin (31) seiner extra aus Wittstock/Dosse angereisten Familie die Welt der Radsätze. „Die Räder sind auf die Welle nur draufgesetzt, es wird nichts verschweißt. Das Material dehnt sich aus und durch den Druck entsteht eine feste Verbindung. Dieses Prinzip erleichtert auch den Austausch der Bestandteile“, so Panknin. Zu Spitzenzeiten, die er selbst mitgemacht hat, seien in dem Werk 24 000 Stück dieser Radsätze hergestellt worden.

Wie eng verbunden das Werk mit Wittenberge und der Region ist, zeigt die Zahl 140. So viele Jahre existiert das Werk hier bereits. „Sie können stolz sein auf diese Tradition“, sagte Landeswirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) in seiner Ansprache in Richtung der Mitarbeiter und Gäste. „In den Werkhallen steckt ein gewaltiger Schatz: Das Wissen der Angestellten“, so Gerber weiter. Vor diesem Hintergrund forderte er ein klares Bekenntnis von der Bahn zu diesem Standort. „Wir erwarten als Landesregierung, dass die Erfahrung, die hier vorhanden ist, anerkannt wird. Die Bahn hat als Staatsunternehmen auch eine sozialpolitische Verantwortung. Es muss alles getan werden, um diesen Standort zu sichern.“ Wittenberges Bürgermeister Dr. Oliver Hermann stieß ins gleiche Horn und hob die Bedeutung des Werks als „industrielles Herz“ der Stadt und der Region hervor. „Bahnchef Rüdiger Grube hat bei seinem Besuch im Jahr 2013 erklärt, dass das Werk unverzichtbar sei. Das muss durch eine kluge Geschäftspolitik bestärkt werden. Die Landesregierung hat durch die Freigabe von Hochwasserschutzgeldern für das Werk standortsichernde Maßnahmen möglich gemacht“, so Hermann.

Den Besuchern wurde nicht nur ein Einblick in die heutige Arbeit an den insgesamt 23 Stationen auf dem Gelände gewährt. Auch die alten Zeiten lebten noch einmal auf. So bot der Verein Historischer Lokschuppen Ausfahrten mit der gut 140 Tonnen schweren Dampflok der Baureihe 50 an. Das Modell aus dem Jahr 1939 machte ordentlich Dampf auf der kurzen Strecke. Begeistert von der Führerstandsmitfahrt war Peter Peters. „Es wurde alles gut erklärt. Ich kenne eine Dampflok nur aus meinen Kindertagen, war aber noch nie in einer. Es war sehr interessant“, lobte der 73-Jährige. Wer lieber seine eigene Muskelkraft einsetzen wollte, war bei Marcel Geisler und Guido Huwe vom Verein Historischer Lokschuppen an der richtigen Adresse. „Wir bieten Fahrten mit der Draisine an. Dabei versuchen wir, die Leute zum Selbstfahren zu animieren“, so Guido Huwe.

Nur wenige Meter weiter zeigte Fertigungsmeister Daniel Eckes einen mit modernster Technik ausgestatteten Doppelstock-Personenwagen. „Diese Baureihe haben wir mit Kameras nachgerüstet, es gibt keine toten Winkel. Außerdem verfügt er über 149 statt 135 Sitze.“ Für diese Auftragsarbeit müsse jeder Wagen auseinandergebaut und jeweils die Elektronik angepasst werden. Das dauere 50 bis 60 Tage.

 

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erstellt am 18.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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