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Der Prignitzer

30. Mai 2016 | 14:28 Uhr

Flüchtlinge aus Syrien : Dem Wahnsinn entkommen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Drei syrische Flüchtlingsfamilien gestern in Karstädt eingetroffen / Odyssee begann vor zwei Jahren mit der Flucht in den Libanon

Teils verschüchtert und übermüdet, teils leere Blicke zum einen, zum anderen huschte ein leichtes Lächeln über ihr Gesicht. „Wir sind sehr glücklich und dankbar, dass wir hier sein können“, sagt Abd Alrazak Almustafa Alhasoun. Er kam gestern Nachmittag mit seiner Frau, seinem 14 Monaten alten Sohn Yousaf, seiner Schwester und deren zwei Kinder, sowie einer weiteren fünfköpfigen Familie in Karstädt an. Korina Baade-Dams, Sachgebietsleiterin Lebenshilfe/Wohngeld beim Landkreis, Ramona Storbeck, Karstädts Kämmerin, Ronald Otto von der WGW Perleberg/Karstädt sowie weitere Vertreter des Landkreises, der AWO Prignitz, der Diakonie Karstädt, Marita Krohn, Leiterin der Kita, und Inge Kern, stellvertretende Ortsvorsteherin, empfingen die Familien, die dem Wahnsinnskrieg in ihrer Heimat Syrien entkommen sind. „Wir sind 2012 in den Libanon geflohen“, berichtet Almustafa Alhasoun. Dort seien sie von einem Flüchtlingslager zum anderen gebracht worden, wie er dem Dolmetscher Abdullah Salhi erklärt, der übersetzt. „Yousaf ist dort geboren. Er hat keine Nationalität, im Libanon wollten sie ihn nicht gemeldet haben.“ Für seine Schwester war gestern emotional einfach alles nur zu viel. Die zierliche junge Frau verlor in dem Bürgerkrieg ihren Ehemann und ein Kind. „Wir wollen schnell deutsch lernen, und einen Job finden, damit wir uns allein versorgen können“, sagt Almustafa Alhasoun, der in seiner Heimat als Koch arbeitete.

Am 10. Juli wurden die Familien aus dem Libanon ausgeflogen. In Deutschland kamen sie zuerst in die Erstaufnahmeeinrichtung im niedersächsischen Bramsche. „Wir haben uns zuvor wie ein Feldhase gefühlt, der von Wölfen umgeben ist. Auf einmal ging die Tür auf“, schildert der junge Mann den Moment, als sie erfuhren, dass sie nach Deutschland kommen.

Untergebracht sind sie in Wohnungen der WGW in Karstädt, ausgestattet mit Mobiliar aus dem AWO-Möbellager und mit zusätzlichen Möbelstücken, die der Landkreis anschaffte, wie zum Beispiel ein Etagenbett für die Kleinen. „Die Familien erhalten eine Erstausstattung wie ganz normale Sozialhilfeempfänger“, sagt Korina Baade-Dams.

Die drei Familien sind die ersten syrischen Flüchtlinge, die der Landkreis zugewiesen bekam. Karstädts Bürgermeister Udo Staeck hatte sich seinerzeit bereit erklärt, Flüchtlinge aufzunehmen. „Wir können sie nicht nur in den Städten integrieren. Wir haben Karstädt auch aufgrund der Infrastruktur gewählt. Ob wir noch mehr Flüchtlinge bekommen, weiß ich nicht“, erklärt Korina Baade-Dams, sie gibt aber auch zu: „Wir haben mit Flüchtlingen keinerlei Erfahrung.“

Die drei Familien gehören zu den 5000 syrischen Kontingentflüchtlingen, zu denen sich Deutschland im Rahmen eines UN-Abkommens bereit erklärt hat, sie aufzunehmen. Und sie haben einen speziellen Status. Sobald sie eintreffen, erhalten sie im Gegensatz zu Asylbewerbern sofort eine Aufenthaltsberechtigung, die auch zur sofortigen Arbeitsaufnahme berechtigt. Sozialarbeiterin Susanne Seidel von der AWO Prignitz und Korina Baade-Dams klärten auch noch die ersten wichtigen Formalitäten mit den Neuankömmlingen, bevor diese sich in ihrer neuen „friedlichen Umgebung“, wie der junge Syrier sagt, erholen konnten und den Horror der vergangenen Jahre zwar nicht vergessen, aber verarbeiten können.


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erstellt am 25.Jul.2014 | 08:00 Uhr

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