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Der Prignitzer

05. Dezember 2016 | 09:28 Uhr

Protest gegen Kletzker Windpark : David gegen Windmühlen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Bemühen, neue Windkraftanlagen bei Kletzke zu verhindern, drehen sich die Gemeindevertreter derzeit im Kreis

Beim ersten Termin zur Abwägung der Einwendungen gegen den Bau neuer Windkraftanlagen bei Kletzke zeigte sich eigentlich das ganze Dilemma der politisch gewollten Energiewende: Die Einwohner von Kletzke versuchen, sich mit Händen und Füßen gegen den Bau der Anlagen zu wehren und möchten diese am liebsten verhindern. Doch das Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplanes führt die Kommune selbst. Sollten die Einwände der Bürger jetzt zu massiv oder das Verfahren zu sehr in die Länge gezogen werden, dann, so der Hinweis von Karsten Krüger als Vorsitzender der Gemeindevertretung, könne die Aufstellung des Bebauungsplanes auch gestoppt werden. Das Ergebnis wäre, dass sich der potenzielle Investor selbst mit den Behörden und den Trägern öffentlicher Belange auseinandersetzen müsste, die Bürger und Betroffenen indes gar nicht mehr gehört würden.

Die Plattenburger Gemeindevertreter haben nun die Aufgabe, über 234 Einwände gegen den Entwurf des B-Planes zu entscheiden. Zahlreiche Einwohner brachten sich hier engagiert ein. Die Argumente allerdings wiederholen sich und deshalb hat Karin Kostka vom beauftragten Planungsbüro viele Einwände zusammengefasst. Sie reichen von zu befürchtenden gesundheitlichen Schäden über den Wertverlust von Grundstücken und Gebäuden bis hin zur Zerstörung einer kulturhistorisch wertvollen Landschaft. All diese Einwände, so Kostka, seien aber haltlos, weil es dafür keine gesetzliche Handhabe gebe.

Massiv beklagten sich zahlreiche Kletzker Einwohner nun, dass ihre Einwände s nicht genügend berücksichtigt würden. Da wurden über fünf oder sechs Seiten die persönlichen Befürchtungen, Ängste und Sorgen formuliert. „Das hat auch etwas mit Respekt uns Bürgern gegenüber zu tun. Selbst wenn Sie unseren Einwänden kein Gewicht einräumen, so haben wir zumindest Respekt verdient“, monierte eine Einwohnerin.

Sollten die Plattenburger Abgeordneten nun alle Einwände einzeln behandeln und erörtern, wären dazu mehrere Sitzungen notwendig, es könnte der Abbruch des Verfahrens drohen. Dabei haben die Kletzker im Grunde schon viel erreicht: Statt fünf neuer Anlagen sollen nun nur noch zwei entstehen, diese allerdings 200 Meter hoch.

Zwei weitere 100 Meter hohe Anlagen sollen durch zwei neue, dann 200 Meter hohe Anlagen ersetzt werden. Anstelle der gesetzlich vorgeschriebenen 500-Meter-Abstände zur Wohnbebauung sollen es nun 1000 Meter Abstand sein. Dieses erreichte Entgegenkommen könnte im Falle eines Abbruches des Verfahrens jedoch vom Tisch sein.

So steckt man in Kletzke in der Zwickmühle. „Wir haben also die Wahl zwischen Pest und Cholera, ein wirkliches Mitspracherecht gibt es gar nicht“, resümierte eine andere Einwohnerin. Bemängelt wurde in Kletzke, wie auch zuvor bereits in Kleinow, dass Karin Kostka mit ihrem Planungsbüro zwar im Auftrag der Kommune arbeite, aber eben von den Windkraftinvestoren bezahlt werde. In Kletzke unterstellte man ihr Befangenheit, in Kleinow gar, dass man nicht Staatsanwalt und Verteidiger in ein und demselben Verfahren sein könne. Grund für diese Verquickung sei der städtebaurechtliche Vertrag der Kommune, der festschreibe, dass die Kommune das Planungsbüro beauftrage und so Herr des Verfahrens sei, der Investor aber die Kosten zu tragen habe, erklärte Karsten Krüger die Situation.

In Kletzke ist das Thema Windkraft noch lange nicht erledigt, zumal die Pläne nach der jetzigen Beteiligung der Öffentlichkeit eine zweites Mal ausgelegt würden, so Kostka, und sich Bürger und Betroffene erneut einbringen könnten.  





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