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Der Prignitzer

03. Dezember 2016 | 10:38 Uhr

Jüdische Gemeinschaft erforscht : Chronik beleuchtet besondere Wilsnacker

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ulla Seeger forscht zu Juden im Ort und präsentiert die zweite Ausgabe ihrer Arbeit

Pünktlich zum heutigen Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938 hat Ulla Seeger einen weiteren Teil ihrer Forschungsarbeit über die „Juden in Bad Wilsnack“ beendet.

Wer mit der früheren Sport- und Politiklehrerin über das Thema spricht merkt schnell, dass es ihr am Herzen liegt. „Es geht um Toleranz, einen Blick für andere zu haben. Gerade in der heutigen Zeit der Fremdenfeindlichkeit ist das wichtig“, so die 74-Jährige. Seit nunmehr 19 Jahren begleitet Ulla Seeger das Leben der jüdisch gläubigen Menschen in Bad Wilsnack. Alles begann 1997 mit einem Schülerprojekt an der damaligen Gesamtschule. „Ich hatte von dem jüdischen Friedhof gehört und habe die Jugendlichen gefragt, was sie über die Juden in unserem Ort wissen. Daraus entstand dann der Wunsch, das Thema genauer zu beleuchten“, erinnert sich Ulla Seeger. Auch Vertreter der jüdischen Gemeinde im Land Brandenburg hätten kaum Erkenntnisse über die Glaubensbrüder in Bad Wilsnack gehabt. Gemeinsam mit einigen Neuntklässlern kontaktierte sie Zeitzeugen, die sich noch an einzelne Namen erinnern konnten. Außerdem wälzten die Hobbyforscher unzählige Archivseiten in Museen oder dem Centrum Judaicum in Berlin. Ein Fakt ist, dass die meisten Juden – nämlich 36 – im Jahr 1880 in Wilsnack lebten. „Der erste urkundlich belegte Jude stammt aus der Familie Behrendt und war ein Handelsmann“, berichtet Ulla Seeger. 1998 war das Schulprojekt beendet, doch sie blieb am Ball. „Immer wieder haben mich Leute kontaktiert, die neue Informationen hatten.“ So hat sie einfach weitergemacht. Und nun ist die zweite Ausgabe der Chronik fertig, sie kann in der Stadtbibliothek eingesehen werden. Dank des Engagements von Ulla Seeger können Aussagen über das jüdische Leben im Ort zwischen 1823 und 1945 gemacht werden. Aufhören will und kann die Ruheständlerin nicht. „Das Thema ist noch nicht abgeschlossen“, blickt sie voraus.  

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erstellt am 09.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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