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Der Prignitzer

02. Dezember 2016 | 23:21 Uhr

Nach Insolvenz des Zahnradwerks : Branche spürt keinen Gegenwind

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Schwierigkeiten des insolventen Zahnradwerks scheinen Einzelfall zu sein / Unternehmen sprechen von guter Auftragslage

Das Zahnradwerk in Pritzwalk hat Insolvenz angemeldet (wir berichteten). 238 Mitarbeiter sind betroffen. Selbst im Falle einer Rettung führe am Stellenabbau kein Weg vorbei, sagte Senior-Geschäftsführer Heiner van de Loo. Er begründete die Situation mit einer schwierigen Lage in der Branche. Großaufträge würden auf Eis liegen, das Russland-Embargo bremse den Export und die Investitionen in Windenergie seien rückläufig.

Ist in der Prignitz jetzt ein Dominoeffekt zu befürchten? Kämpfen auch andere Firmen in einem schwieriger werdenden Marktumfeld? „Der Prignitzer“ fragte nach, die Mehrheit der Antworten stimmt positiv. „Von einem allgemeinen Gegenwind in der Branche spüren wir nichts“, sagt Hans-Detlef Jung, Geschäftsführer der Mela Metallbau und Landtechnik GmbH in Glöwen.

Eher spüre er eine angespannte Wirtschaftslage bei den Landwirten. „Die niedrigen Milchpreise, die schlechte Ernte wirken sich aus“, sagt Jung. Investitionen in neue Landtechnik würden wo immer möglich aufgeschoben. „Auch Service- und Reparaturleistungen werden nur in Auftrag gegeben, wenn sie unbedingt erforderlich sind.“

Die weltweit aktive Schorisch Magis GmbH aus Karstädt blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. „Wir konnten unsere Marktposition weiter ausbauen und wichtige Weichen für zukünftiges Wachstum stellen“, sagt Geschäftsführerin Kirsten Schönharting. Ihr Unternehmen ist im Stahl- und Wasserbau aktiv.

Um die Wettbewerbsfähigkeit auch künftig gewährleisten zu können, habe die Fachkräftesicherung und die Nachwuchsförderung bei Schorisch oberste Priorität. „Wir bilden selbst aus und engagieren uns bei vielen regionalen Initiativen, um dem demographischen Wandel zu begegnen.“

Speziell von der Landes- und Regionalpolitik wünsche sie sich jedoch eine noch stärkere Unterstützung und die Verbesserung der Infrastruktur, um die Attraktivität der Prignitz für Unternehmen und deren Mitarbeiter deutlich zu erhöhen. „Nur so können wir und andere Unternehmen auch in Zukunft wettbewerbsfähig und erfolgreich am Markt agieren“, meint Kirsten Schönharting.

Auch die international aufgestellte Rühstädter Firma Ojinski erwartet keinen ernsthaften Negativtrend. Der Familienbetrieb ist auf allen Weltmeeren präsent. „Wir bauen Teile für große Schiffsdieselmotoren“, sagt Geschäftsführerin Jana Ojinski. Zwar liege der Umsatz leicht unter dem Vorjahr, aber noch im Rahmen üblicher Jahresschwankungen. „Gerade erst haben wir zwei Großaufträge erhalten“, so Ojinski. Daher blicke sie optimistisch voraus.

Einen leichten Rückgang bei Investitionen im Schiffbereich spüren die Rühstädter. „Der ist aber keinesfalls dramatisch und von drohender Kurzarbeit kann bei uns momentan gar nicht gesprochen werden“, sagt Jana Ojinski.

Seine Produkte und Kunden könne man schwer mit denen des Zahnradwerkes vergleichen, sagt Ulrich Wernicke, Geschäftsführer der WTW Werkzeugbau GmbH in Wittenberge. Sie bauen keine großen Teile, liefern auch nicht für die Windenergiebranche, sondern bauen kleine Teile, bei denen es nicht um Millimeter, sondern um Hundertstel-Millimetergeht, so Wernicke. Ihre Kunden kommen aus der Verpackungs- und Lebensmittelindustrie, der Chemie und auch aus der Fahrzeugtechnik und dem Sondermaschinenbau. Zwei Bereiche, die sich noch am ehesten mit der Branche des Zahnradwerkes vergleichen ließen. Von einer Krise könne nicht gesprochen werden: „Unsere Produkte sind nach wie vor sehr gefragt.“

 

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erstellt am 29.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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