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Der Prignitzer

03. Dezember 2016 | 18:39 Uhr

Diplomatischer Salon : Bitte die Schuhe ausziehen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Botschafterin Marta Kos Marko erzählt im Diplomatischen Salon informativ und humorvoll über ihr Heimatland. Fortsetzung im ersten Quartal

Wenn Sie Slowenen besuchen, sollten Sie Ihre Schuhe nach der Begrüßung ausziehen. Und wenn Sie mit Ihren slowenischen Freunden zu einer Bergwanderung starten, stecken Sie einen Flachmann mit kräftigem Likör ein. Es waren solche Anekdoten, mit denen Botschafterin Marta Kos Marko schnell das Eis brach und das Publikum des ersten Diplomatischen Salons für sich gewinnen konnte.

Vor den rund 40 Gästen im Hotel Alte Ölmühle stand nicht mehr die Frau Botschafterin, sondern eine Slowenin, die charmant und mit viel Herz für ihr Heimatland warb. Es ist ein junges Land, dessen Ära erst 1991 nach dem Zerfall Jugoslawiens begann. Vom Bürgerkrieg und seinen Zerstörungen weitestgehend verschont, habe eine pro europäische Entwicklung begonnen. Seit zwölf Jahren ist Slowenien Mitglied der EU, 2007 wurde der Euro eingeführt.

Die Slowenen seien sehr fleißig, was sich auch im wirtschaftlichen Erfolg zeige. Der Lebensstandard liege deutlich über dem der anderen osteuropäischen Länder, der Durchschnittsverdienst beträgt 1075 Euro netto, sagte Marta Kos Marko. Deutschland habe 200 Handelspartner, „unser kleines Land nimmt unter ihnen den 38. Rang ein“, so die Botschafterin, die Politikwissenschaften und Journalismus studiert hatte.

Vor allem Autozulieferer tragen zum wirtschaftlichen Erfolg bei. Eine ganz wichtige Branche sei auch der Tourismus. Am Vormittag alpiner Skisport, am Nachmittag ein Cappuccino an der Adriaküste – dank der kurzen Entfernungen sei das kein Problem. „Im September haben erstmals deutsche Urlauber die Statistik im Land angeführt.“

Mit Brandenburg gebe es aktuell noch keine Zusammenarbeit. Ein Grund sei die Entfernung. Bayern und Baden-Württemberg seien deutlich näher und damit wirtschaftlich interessanter. Aber was nicht ist, könne noch werden, meint die Botschafterin. In der Lebensmittelindustrie und vor allem Biosektor suchen slowenische Unternehmen Partner. Wein und vor allem Honig spielen dabei eine Rolle.

In anderen Bereichen ist Slowenien fortschrittlicher als Deutschland. Über eine Frauenquote wird nicht diskutiert: Die Hälfte der Regierungsmitglieder ist Frauen, im Parlament sind es unter den Abgeordneten 38 Prozent. Die Lohndifferenz zwischen Mann und Frau sei die kleinste innerhalb der EU und dass slowenische Männer ein Erziehungsjahr nehmen, sei mehr Regel als Ausnahme. Egal welcher Partner beim Kind bleibt: Sein Gehalt bekommt er in voller Höhe. Die Kitabetreuung ist kostenlos, Englischunterricht im Vorschulalter Standard.

Als schwierig bezeichnet Marta Kos Marko die demographische Entwicklung: Es werden zu wenig Kinder geboren. Die Abwanderung Jugendlicher in große Städte oder in Nachbarländer sei eine weitere Herausforderung. Der Fachkräftemangel sei vor allem bei Ärzten und Krankenschwestern spürbar.

In rund 90 Minuten erfuhren die Besucher all das über ein ihnen zuvor fast unbekanntes Land. „Das ist wichtig, es ist gut, dass es solche Veranstaltungen gibt“, sagt die Botschafterin, die gern noch mehr von der Prignitz sehen möchte. Die Hoeck-Stiftung und unsere Zeitung als Veranstalter werden im ersten Quartal 2017 wieder in den Diplomatischen Salon einladen.

 

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erstellt am 03.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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