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Der Prignitzer

26. September 2016 | 21:03 Uhr

Urteil gegen 21-jährigen Karstädter : Bewährungsstrafe für Brandserie

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

21-jähriger Karstädter bekommt zweite Chance: betreute Wohneinrichtung mit Sozialtherapie soll Struktur in den Alltag bringen

Warum der 21-jährige David H. die Brände in einem Mehrfamilienhaus an der Straße der Freundschaft in Karstädt legte, konnte er in der Verhandlung vor dem Landgericht Neuruppin nicht sagen. Vermutlich wisse er es selbst nicht, mutmaßten die Richter. Fakt ist es, dass er am 14. Januar einen Kellerverschlag ankokelte. Schlimmeres konnte verhindert werden, weil der Brandherd rechtzeitig entdeckt wurde.

Zwei Stunden später setzte der 21-Jährige, der mit seinen Eltern im selben Haus wohnte, den Keller in Brand. Und zwar richtig. Es gab einen groß angelegten Feuerwehreinsatz, die Bewohner wurden in Sicherheit gebracht, drei erlitten Rauchgasvergiftungen, das Haus war für zehn Tage unbewohnbar. Mehr als 50 Feuerwehrleute waren im Einsatz (wir berichteten). Kaum waren alle in ihre Wohnungen zurückgekehrt, legte David H. in der elterlichen Wohnung hinter dem Sofa im Kinderzimmer wieder ein Feuer.

Gestern erging vor dem Landgericht Neuruppin das Urteil: Zwei Jahre Jugendstrafe auf Bewährung. David H. muss für zwei Jahre in einer betreuter Wohneinrichtung mit sozialtherapeutischer Behandlung leben. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre und er bekommt einen Bewährungshelfer.

Dass David H. der Brandstifter war, daran gab es keinen Zweifel. Das hatte der Angeklagte im Prozess auch zugegeben. Problematisch war es, für ihn die richtige Strafe zu finden. Laut einem psychiatrischen Gutachten ist der Angeklagte mit einem Intelligenzquotienten von zwischen 50 und 60 auf dem Entwicklungsstand eines Zwölf- bis 14-Jährigen. Deshalb wurde beim 21-Jährigen das Jugendstrafrecht angewandt.

Zudem ging das Gericht bei ihm von einer verminderten Steuerungsfähigkeit aus. Die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus schied aus. „Eine Intelligenzminderung kann man nicht behandeln“, sagte Oberstaatsanwalt Andreas Pelzer. Er hielt eine Jugendstrafe von drei Jahren für angemessen und die Jugendstrafanstalt für den richtigen Ort für David H., um dort seine Taten aufzuarbeiten, Regeln und Normen zu lernen und sich auch an einen durchorganisierten Tag zu gewöhnen.

Das sahen die Richter anders. Sie hatten die Befürchtung, dass David H. bei den anderen Gefängnisinsassen untergehen würde, da er sich schon nicht bei Gleichaltrigen durchsetzen könne. David H. müsse viele Defizite aufholen. Das könne er am besten in einer betreuten Wohneinrichtung, befand das Gericht. Es hofft, dass der Angeklagte, der bisher laut Jugendgerichtshilfe in der „Wohlfühlglocke Familie“ lebte, es in diesen zwei Jahren schafft, anschließend ein eigenverantwortliches Leben führen zu können.

Diese zwei Jahre muss er auf alle Fälle durchhalten. „Sonst gehen Sie ins Gefängnis. Da fackelt die Kammer nicht lange“, sagte die Vorsitzende Richterin Sandra Marks.  

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