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Der Prignitzer

09. Dezember 2016 | 02:57 Uhr

Kulturbund löst sich auf : Ära des Kulturbundes Wittenberge beendet

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mitgliederversammlung beschloss am Sonnabend mehrheitlich die Auflösung des Vereins zum 31. Dezember

„Es tut weh“, spricht Gisa Liscewski (87) aus, was alle an diesem Sonnabend im Kultur- und Festspielhaus bewegt. Der Kulturbund Wittenberge hatte zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen – seiner letzten. Nach 70 Jahren, seit 1946 gibt es den Kulturbund in Wittenberge, beschlossen die Mitglieder (77 dafür, eine Gegenstimme) die Auflösung des Vereins zum 31. Dezember 2016.

Schweren Herzens, wie Gisa Liscewski betont. Von Anbeginn sind sie und ihr Mann Horst (90) dabei, „das heißt, als sich 1971 der Klub des Kulturbundes in der Elbestadt gründete“. 45 Jahre sei der Verein so etwas wie eine kulturelle Heimat für sie gewesen. „Wir sind mit dem Kulturbund älter geworden und das Miteinander so immer enger.“ „Es ist schade“, betonen auch Brigitte und Manfred Kleber. Für Ilse Flügge (88) war der Kulturbund einfach eine Lebensbereicherung. „Man fühlt sich hier zusammengehörig“, betont die Wittenbergerin.

Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ist es, das nun vor allem auf der Strecke bleibe, befürchtet auch Dietrich Nehrenberg. Mit der Gründung des Kulturbundklubs übernahm der die Leitung – heute ist er 80 Jahre alt. Auch wenn das jüngste Vereinsmitglied 29 Lenze zähle, so sei das die Ausnahme. Ansonsten liege das Durchschnittsalter der 230 Mitglieder bei 70 Jahren und reiche bis 100, so der Vereinsvorsitzende. Es fehle die Basis. Ein Fortbestand sei so illusorisch, räumte er ein, denn er stehe als Vorsitzender nicht mehr zur Verfügung, ein Nachfolger habe sich nicht gefunden und auch der Vorstand höre auf. Worte, die ihm nicht leicht über die Lippen gingen – war der Kulturbund, der zu Glanzzeiten über 300 Mitglieder zählte, eben auch sein Leben. Der Verein stand für ein vielfältiges, geistig-kulturelles, anspruchsvolles Angebot in der Stadt. Durchschnittlich 50 Veranstaltungen im Jahr trugen seine Handschrift, die Hälfte in Eigenregie organisiert. Ob Stadtpolitik im Scheinwerferlicht, musikalisch-literarische Veranstaltungen, Bildungsreisen oder die beliebten Tanz- und Brunchabende – „all das wird fehlen“, so Christa Schütte (81). Sie sei erst seit 26 Jahren Mitglied, aber, dass es nun ohne weitergehen soll, sei kaum vorstellbar. Hinsichtlich des Angebots gerade an den kleinen, feinen Veranstaltung, für der Verein bekannt war, ist sich Nehrenberg sicher, dass es da Angebote geben werde. Das Kultur- und Festspielhaus biete inzwischen bereits eine Vielzahl an. Auch mit Blick auf das Reiseangebot werde es sicher über die Reiseunternehmen ein Weiter geben. Aber fehlen werde die große Gemeinschaft Gleichgesinnter.

Allen, die in den Jahrzehnten sich in die Vereinsarbeit einbrachten, sagte Nehrenberg Danke. Ein Dank ging auch an die Partner.  

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erstellt am 04.Okt.2016 | 08:00 Uhr

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