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Der Prignitzer

29. Mai 2016 | 09:32 Uhr

Sturchenfest Rühstädt : Adebar und seine Feiergäste

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zahlreiche Besucher erleben Natur und Livemusik / Storchenclub und Nabu zufrieden mit Bruterfolg des Jahres

Diejenigen, in deren Namen am Wochenende Interessierte nach Rühstädt eingeladen worden waren, quittierten die Feier auf dem Festplatz allenfalls mit Ignoranz. Die Störche blickten von ihren Horsten auf das bunte Treiben herab, ohne sich davon beeindrucken zu lassen. Vielleicht war es ihnen auch einfach nur zu warm. Trotz der Hitze waren viele Prignitzer der Einladung gefolgt, um sich über Rühstädt und seine gefiederten Bewohner zu informieren, bei Kaffee und Kuchen zu klönen oder der Musik zu lauschen.

Gut frequentiert war der Infostand der Storchenbetreuer, wo Falk Schulz die aktuellen Brutzahlen erläuterte. „2014 wird wohl ein Jahr mit durchschnittlichem Bruterfolg, der aber noch besser ausgefallen ist, als zunächst zu erwarten gewesen wäre“. „Da es im Frühjahr an der Elbe kein richtiges Hochwasser gegeben hat, die angrenzenden Flüsse und Wiesen relativ trocken waren, konnte sich die Amphibienpopulation nicht so stark entwickeln, das Nahrungsangebot für die Störche blieb mager.“ Ausgeglichen werde dies jedoch durch eine starke Feldmauspopulation, erklärt der Experte. „Da ist der Storch nicht wählerisch.“

In der gesamten Prignitz seien rund 200 Brutpaare gezählt worden, allein in Rühstädt 57 Jungtiere. „Selbst das Storchenpaar, das bei einem Horstkampf auf dem Besucherzentrum das Gelege verloren hatte, hat in einem anderen Nest noch zwei Eier gelegt und ausgebrütet“, sagt Schulz zufrieden.


Austausch mit Experten europaweit


Auch Ulrich Blum, Vorsitzender des Storchenclubs, freut sich über Adebars Nachwuchs. „Rühstädts Störche haben auch in diesem Jahr viele Besucher angezogen, unsere Führungen und Aktionen wie der Storchenfeierabend erfreuen sich großer Beliebtheit.“ Doch ist der Club nicht nur in der Prignitz aktiv, auch der Austausch unter den europäischen Storchendörfern gehört dazu. „In diesem Jahr waren wir zu Besuch im spanischen Malpartida zu einem Erfahrungsaustausch mit dortigen Storchenfreunden. Es ging vor allem um Faktoren, die die Entwicklung der Populationen beeinflussen. Dort ist es beispielsweise so, dass durch die Schließung von Mülldeponien das Nahrungsangebot knapper wird, Umweltmaßnahmen also paradoxer Weise negative Auswirkungen haben“, erklärt Blum. Ein Problem, das die Rühstädter Adebare nicht kennen.

Inzwischen sind 68 Mitglieder im Storchenclub organisiert, aber nicht alle kommen aus der Prignitz. „Wir haben sogar Mitglieder aus Cuxhaven und dem Münsterland“, sagt Blum. „Manche Urlauber, die Rühstädt besuchen, sind von der Arbeit des Storchenclubs angetan und wollen sie gerne unterstützen, wenn auch nicht persönlich, so doch zumindest über ihren Mitgliedsbeitrag.“

Während die Adebare auf ihren Horsten vor sich hin klappern, lädt der Männerchor Amicitia aus Bad Wilsnack zum gemeinsamen Konzert mit den Rühstädter Bläsern in die Kirche ein. Unterdessen lauschen Anke Gramms und ihre Tochter Viven den Erklärungen von Uwe Weltin, der ein Gruppe von Gästen durch den Ort führt und Wissenswertes rund um die Störche berichtet. „Irgendwann scheint der Storch gemerkt zu haben, dass seine Überlebenschancen in der Nähe des Menschen besser sind“, sagt er. Das gelte aber nur für den Weißstorch. „Die Schwarzstörche, die es in der Prignitz auch gibt, meiden den Kontakt zum Menschen. Sie leben lieber fernab der Dörfer.“


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erstellt am 28.Jul.2014 | 12:00 Uhr

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