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Der Prignitzer

29. August 2016 | 18:29 Uhr

Pfarrsprengel Bad Wilsnack : 29-Jährige im Talar und mit Ukulele

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Anna Trapp ist die neue Pfarrerin im Pfarrsprengel Bad Wilsnack, Sonntag wurde sie im Gottesdienst vorgestellt

Anna Trapp ist die neue Pfarrerin im Entsendungsdienst im Pfarrsprengel Bad Wilsnack. Gestern wurde sie offiziell im Rahmen des Gottesdienstes vorgestellt, hielt sie die erste Predigt in ihrem neuem Amt und Zuhause. Für zwei Jahre wird die 29-Jährige nun Superintendent Daniel Feldmann bei seinen Aufgaben in der Kirchgemeinde unterstützen.

Pfarrerin zu werden, ein wenig wurde Anna Trapp das wohl schon in die Wiege gelegt. In Paderborn geboren wuchs sie in Bad Wünnenberg, einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, in einer ökumenischen Familie auf. „Die Seite meiner Mama ist katholisch, die meines Papas evangelisch“. In beiden Kirchen habe sie gelebt, alltags ging es zum Gottesdienst in die katholische und zu Festgottesdiensten in die evangelische, erinnert sie sich. Fasziniert war sie als Heranwachsende von der Liturgie insbesondere der katholischen Kirche und habe als Kind gern Priester gespielt. Bis sie erkannte, dass ihr dieser Weg verschlossen bleibt.

Schule, Abi und dann Studium. Für Geschichte schrieb sich die damals 18-Jährige an der Freien Universität Berlin ein, Nebenfach Religionswissenschaften. In den Seminaren beschäftigte sie sich nun auch mit anderen Religionen, so mit dem Hinduismus. „Kommilitonen berichteten hier von ihrem Guru in Indien. Wie schlecht muss es um die Kirche bestellt sein, wenn Menschen so weit reisen, um Spiritualität zu erfahren und zu finden“, fragte sie sich. Ihre Antwort darauf: „Das kann ich ändern.“ Sie stand auf im Seminar und ging, ließ sich exmatrikulieren, tat zur evangelischen Kirche über und schrieb sich für die Pfarrerausbildung an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität ein.

Acht Jahre Studium, als Nebenjob studentische Hilfskraft im Bereich Neues Testament – „ich würde sage, die Dauer ist normal“. Offen gesteht sie, „ich habe aber auch gern studiert“. Die Familie unterstützte sie, ermöglichte ihr „in meiner Jugend zu studieren“.

Bad Wilsnack ist nun Anna Trapps erste eigene Pfarrstelle. Bis Jahresende 2015 war sie noch an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Berlin, wo sie ihr Vikariat absolvierte. Von der Großstadt in die Provinz, wo noch dazu die Menschen einfach anders sind, wie man ihr sagte.

Anders war dann auch alles. Statt 30 Quadratmeter nun eine „so große Wohnung, wie ich sie noch nie hatte, mit einem tollen Blick auf die Wunderblutkirche, die eine ganz besondere Aura ausstrahlt, und auf die Stadt“. Anders als vorhergesagt sind auch die Menschen, „die mir gleich das Gefühl vermitteln, dass sie sich auf mich freuen“.

Eine lebendige Gemeinde erlebe sie, eine immer offene Kirche, was schon für sich etwas Besonderes sei, denn dafür brauche man ein gutes Team. Zum Pfarrsprengel gehören zudem die vielen kleinen wunderschönen Kirchen auf den Dörfern, die sie erst noch entdecken müsse.

Angst vor der eigenen Courage habe sie nicht, vielmehr sei sie gespannt, neugierig auf das, was jetzt auf sie zukomme. „In einem Film habe ich Pfarrer Daniel Feldmann im Talar am Schlagzeug sitzen sehen. Das macht mir einfach Mut, zeigt, dass man neuen Ausdrucksformen hier sehr offen gegenüber steht. Sehr viele neue, tolle Dinge laufen hier, ich will all die Schätze erstmal entdecken und muss nicht unbedingt gleich was Neues erfinden.“

Liturgie und Gottesdienst, Besuchsdienst sowie die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, das werden vor allem ihre Aufgaben sein, „auf die ich mich richtig freue“. Viele Besuche möchte sie machen, die Menschen kennenlernen und nicht darauf warten, dass sie zu ihr kommen. Die Christenlehre im Kindergarten werde es wieder geben und Anna Trapp erzählt von ihrer Erzählkiste mit den Playmobil-Figuren. Biblische Geschichte die Kinder noch mal selbst nacherleben zu lassen, diese Rolle übernehmen die kleinen bunten Figuren aus der „Kiste“.

Und dann sind da auch noch ihre Boomwhackers – bunte Röhren, die Töne erzeugen, wenn man sie gegeneinander, auf den Boden, den Körper oder jede beliebige Oberfläche schlägt. „Sie machen Musik und sie sind leicht zu transportieren, anders als mein Klavier“, fügt sie mit einem überaus sympatischen Lachen an. Auf der Ukulele hingegen müsse sie erst noch etwas üben, aber fürs Lagerfeuer sei sie das passende Instrument.

Im Team sich darüber Gedanken zu machen, die Gottesdienste einladend und zugleich spannend zu gestalten, das reize sie.

In den zwei Jahren Entsendung sehe sie die Chance, Projekte anzustoßen mit den Menschen, die schon engagiert sind und mit jenen, die sich engagieren wollen. „Denn sie werden bleiben, wenn ich vielleicht wieder gehe. Sie sind die Kirche, sind die kleinen Seelsorger am Gartenzaun.“

Darüber was in zwei Jahren sein werde, wolle sie nicht nachdenken. „Ich bin gerade erst eingezogen, da denke ich nicht schon über den Auszug nach.“ Vielleicht eröffne sich bis dahin auch hier in der Region eine Möglichkeit. „Bis jetzt hat das Leben mich stets an spannende Orte geführt.“

 

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erstellt am 10.Jan.2016 | 18:52 Uhr

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