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Perleberger Kantorin zieht alle Register : 2496 Orgelpfeifen in Harmonie

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Königin der Musikinstrumente in der St. Jacobi-Kirche restauriert / Nach Ostern Konzert zur Wiederinbetriebnahme geplant

Die Königin der Instrumente erklingt wieder in der St. Jacobi-Kirche zu Perleberg – „ausgeglichener, glanzvoller und farbiger als zuvor“, beschreibt Kantorin Dorothea Uibel das Zusammenspiel der Register. Jedes Soloregister offeriert seinen eigenen Charakter und ist auch einzeln bespielbar. Einige, die früher eher ein Schattendasein führten, wie manche Flöte, kommen jetzt richtig zur Geltung, schwärmt die jungen Kantorin, die selbst überaus gekonnt alle Register zieht, denn die Orgel ist mit ihr Arbeitsplatz.

Die letzte Generalinstandsetzung der Orgel lag mittlerweile 20 Jahre zurück. Schimmel und Holzwurmspuren, nicht zu reden vom Schmutz der Jahrzehnte, der sich hier abgelagerte hatte – all das machte eine Sanierung dringend notwendig. Den Zuschlag erhielt die Firma Dutschke aus Salzwedel. Als einzige bot sie neben der eigentlichen Reparatur auch eine Verbesserung des Klangs an. Denn Pfeifen von mindestens fünf verschiedenen Orgelbaumeistern wurden im 19. und 20. Jahrhundert in das Instrument eingebaut und „nicht alle harmonierten miteinander“, weiß die junge Kantorin. Einige waren zu laut, andere zu schrill, zu grob oder einfach zu schwach. Mit der Erhöhung des Winddrucks und der Anpassung der Intonation wurde das Problem nun gelöst. Das Ergebnis: Ein angenehmerer Klang. Zudem wurden fünf neue Bälge eingebaut. Als 1958 das Klangwerk als pneumatische Orgel durch die Firma Geb. Jehmlich aus Dresden neu errichtet wurde, habe man auf diese verzichtet.

Die Orgel in der St. Jacobi-Kirche hat 35 Register mit 2496 Pfeifen, verteilt auf drei Manuale und dem Pedal. Alle Membranen wurden ausgebaut und erneuert, Ventile teils neu beledert, wie der Fachmann sagt. Das Ergebnis dieser umfangreichen Sanierung: Die romantischen Töne klingen kräftiger, erfüllen mehr die Kirche. Die hellen Töne sind nicht mehr so schrill.

61 261 Euro kostete die umfangreiche Restaurierung der Orgel – „eine Investition, die sich nicht nur gelohnt hat, sondern, die man auch hören kann“, sagt Dorothea Uibel und gibt eine Kostprobe. Auch wenn die Arbeiten am Totensonntag noch nicht ganz abgeschlossen waren, erklang die Königin der Musikinstrumente wieder, ebenso während der Advents- und Weihnachtszeit – und das schöner denn je. Ein Grund auch, warum man dieses Mal erst nach Neujahr mit dem Gottesdienst in die Winterkirche umzog. Für einen klangvollen Schlussakkord sorgte an Silvester der berühmte Widor-Toccata. „Da konnte man hören, dass die Orgel nun auch bei voller Registrierung angenehm klingt“, so die Kantorin. Und das bestätigten auch die Besucher des Gottesdienstes.

Voraussichtlich ab Karfreitag wird die Orgel dann den Gottesdienst in der Kirche wieder begleiten und nach Ostern werde es eigens ein Konzert für sie anlässlich ihrer Wiederinbetriebnahme geben – natürlich auf der Orgel.  

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erstellt am 12.Jan.2016 | 05:00 Uhr

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