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Parchimer Zeitung

08. Dezember 2016 | 08:52 Uhr

„Die Bremer Stadtmusikanten“ : Und sie können doch singen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Premiere für Parchimer Weihnachtsmärchen „Die Bremer Stadtmusikanten“

Schuld ist eine alte Eselin: Wenn ihr Söhnchen abends nicht in den Schlaf fand, sang sie ihm selbst gedichtete Lieder. Seither gehört Musik zu dessen Leben – auch in jenen schweren Stunden, als der Müller den mittlerweile selbst in die Jahre gekommenen Grauen zu Salami verarbeiten lassen will. Der Esel (Nils Höddinghaus) entkommt in letzter Minute und macht sich auf den abenteuerlichen Weg in die nächste große Stadt, wo er seinen Lebensunterhalt künftig als Musikant bestreiten will. Schon bald schließen sich ihm Hund (Julian Dietz), Katze (Sabrina Lössl) und Hahn (Martin Klinkenberg) an – auch sie allesamt nicht mehr die jüngsten und von ihren Herrschaften deshalb verstoßen oder sogar dem Tode geweiht…

Die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten ist hinlänglich bekannt, und doch erzählt sie das Junge Staatstheater Parchim in seinem diesjährigen Weihnachtsmärchen frisch und mit viel Sprachwitz, der auch die erwachsenen Zuschauer immer wieder schmunzeln lässt. So droht die Bäuerin (Wiebke Rohloff) dem Hahn, den sie über den Hof jagt, sie habe mit ihm „noch ein Hühnchen zu rupfen“. Als die Katze den gerade noch einmal mit dem Leben Davongekommenen später fragt, ob er vielleicht etwas zu trinken dabei habe, antwortet der empört: „Ich bin doch kein Wasserhahn.“ Und als die Tiere darüber debattieren, ob es denn tatsächlich Räuber (Wiebke Rohloff, Jörg Kleinau) seien, die da in dem einsamen Haus im Walde wohnen, ist die Antwort schnell gefunden, denn: „Auf dem Tisch liegen zwei Räuberpistolen.“

Regisseur Thomas Ott-Albrecht bleibt dennoch nahe an der Vorlage der Brüder Grimm. Alles andere hätte die kleinen Zuschauer wohl auch zu sehr irritiert. Birgit Voß trägt mit ihrem Bühnenbild dazu bei, das Publikum in eine märchenhafte Stimmung zu versetzen – in der Parchimer Stadthalle mit ihrer überdimensionierten, statischen Bühne alles andere als ein leichtes Unterfangen.

Die vielleicht verblüffendste Erkenntnis für das Premierenpublikum am Sonntag aber war die, dass die Stadtmusikanten tatsächlich singen können. Und egal, ob nun Esel, Hund, Katze oder Hahn ihr ganz persönlicher Favorit war: Viele der kleinen Zuschauer wollten anschließend einfach nicht nach Hause gehen. Die Bremer Stadtmusikanten wiederzusehen, wird für sie aber – zumindest in Parchim – nicht leicht: Da die Stadthalle sehr gut gebucht ist, gibt es in diesem Jahr neben diversen (aber auch schon bis auf Restkarten ausgebuchten) Vormittagsveranstaltungen nur noch eine einzige für Familien: am 26. November um 16 Uhr. Zu sehen ist das Stück auch am 29. 11. in Waren, am 1. und 2. Dezember in Güstrow und am 13. und 14. Dezember in Wittenberge.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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