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Parchimer Zeitung

29. März 2017 | 01:36 Uhr

Lewitzrand : Töpfern mag jeder – von 4 bis 104

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Iris Thees in Matzlow hatte wie ihre Kolleginnen in der Region volles Haus zum Tag der offenen Töpferei

Luftanhalten war im klitzekleinen Werkstattraum ihres „Kunstpöttchens“ nicht nur wegen der drangvolle Enge angesagt. Animationstöpferin Iris Thees und ihre großen und kleinen Gäste beim Tag der offenen Töpferei erlebten die bei diesem ursprünglichen Handwerk unumgängliche Konzentration fast körperlich. Und das nicht nur als einfühlsam angeleitete Akteure an der Töpferscheibe sondern auch als buchstäblich mitgerissene Zuschauer.

So ging es etwa der achtjährigen Karla aus Kladrum, ihrer gerade halb so jungen Cousine Pia und Angehörigen aus dem Nachbardorf Zölkow, als Tiziana (5) aus Wöbbelin gerade Hand in Hand mit der erfahrenen Keramikerin ihr allererstes Gefäß aus Ton auf der Töpferscheibe formte.

Eine „Gummibärchenschale“ sollte es sein und selbst Vati im Hintergrund konnte seine Begeisterung kaum verbergen – erst recht nicht, als sich herausstellte, dass ihn fast alle Übrigen im Raum von früher her kannten, denn er war in Kladrum aufgewachsen.

Kaum hatten sich die „Wöbbeliner“ mit dem Auftrag, gemeinsame Bekannte zu grüßen, verabschiedet, hatte Klara freie Hand, eine Tasse zu drehen, was schon etwas schwieriger ist. Doch ganz offensichtlich saß das Mädchen nicht zum ersten Mal an einer Töpferscheibe und Iris Thees erkannte sie tatsächlich wieder als eine der (immerhin 80) GrundschülerInnen, mit welchen sie kürzlich bereits in Domsühl getöpfert hatte.

Das hatte der Blonden so gut gefallen, dass sie davon ihrer gesamten Verwandtschaft vorgeschwärmt und sich Iris Thees quasi zur Geburtstagsfeier gewünscht hat. Um den Termin mit der Animationstöpferin nun für Ende September klar zu machen, war die Familie heute also nach Matzlow gekommen.

Dass bei dieser Gelegenheit auch die gerade vierjährige Pia Lust aufs Töpfern bekam, ergab sich fast zwangsläufig. Schmunzelnd nahm Iris Thees auch die Kleine bei den Händen und führte sie sanft in die faszinierende Arbeit mit Ton ein.

Zunächst müsse man einen Klumpen des erdigen Materials mitten auf die rotierende Scheibe „ballern“ und dort mit beiden Händen zentriert „drücken, quetschen und würgen“, erklärte sie und es war unschwer zu erkennen, dass für diesen scheinbar simplen Vorgang sehr viel Geschick aber auch Kraft vonnöten ist.

Jahrzehntelange Berufserfahrung – unter anderem sogar eine Zeit lang „am Fließband“– ermöglicht es Iris Thees, dass unter ihrer Anleitung praktisch jedermann „zwischen 4 und 104“ (letzteres Alter hat z.B. „Oma Anni“ in einem Schweriner Pflegeheim, die regelmäßig mittöpfert) die erste Hürde des Scheibentöpfers nimmt und danach quasi in eine ganz neue Erfahrungswelt eintaucht.

„Du kriegst hier echt jeden zur Ruhe“, verrät die Animationstöpferin nebenbei Opa Georg Klaffki, der es gar nicht fassen kann, wie seine „sonst so hibbelige“ Enkelin an der langsam rotierenden Scheibe „voll konzentriert und doch entspannt“ da sitzt und ihre Händchen bewegt.

Bildhaft und altersgerecht gibt Iris Thees dazu die von ihren eigenen Händen unterstützten Tätigkeitshinweise wie etwa das aus weichem Ton Geformte mit beiden Händen „lieb zu halten“, je zwei Finger innen und außen am Rand hinauf führend „küssen“ zu lassen und schließlich energisch am Boden des entstandenen Gefäßes zu „popeln“.

Iris Thees sorgt absolut unauffällig dafür, dass praktisch jedes Gefäß ihrer kleinen und großen Gasthandwerker gelingt und nimmt mit ihrer humor- und liebevoll bestimmten Art für ihr Handwerk ein, das mit seinem an Urinstinkte anknüpfenden „Matschen“ in weicher Erde zugleich ein gesundes Hautpeeling liefere.

Mal abgesehen von den im wahrsten Sinne eigenhändig geformten Keramiken, die - nach Wunsch noch individuell verziert und farbig gebrannt – ein paar Wochen später gebrauchsfertig und spülmaschinenfest mit nach Hause genommen werden können.

 

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erstellt am 12.Mär.2017 | 21:00 Uhr

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