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Parchimer Zeitung

10. Dezember 2016 | 21:28 Uhr

Parchim : Stadt bei Inklusion nicht involviert

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Bürgermeister Dirk Flörke: Wesentliche Fragen bislang unbeantwortet. Stadt investierte Millionen in bauliche Unterhaltung ihrer Schulen

Sie sollen dazu gehören und nicht ausgegrenzt werden, Jungen und Mädchen, die trotz eines Handicaps mit ihren Schulkameraden gemeinsam lernen wollen. „Inklusion“ ist das Zauberwort, dass auf kommunaler Ebene für Kopfschmerzen sorgt. „Wesentliche Fragen zur Ausgestaltung oder zu den räumlichen Anforderungen an inklusiven Schulen, zur Übernahme der Kosten für die Schaffung der räumlichen, sächlichen und personellen Voraussetzungen blieben bisher unbeantwortet“, beklagt Parchims Bürgermeister Dirk Flörke auf der jüngsten Stadtvertretersitzung die Situation. Das betrifft auch die Themen der bedarfsgerechten Verteilung von Schulen mit besonderen Kompetenzen. Dadurch sei die Aufnahme in die Schulentwicklungspläne der Landkreise, die eigentlich die Basis für die Entwicklung der Schulstandorte bilden, nicht erfolgt, so Dirk Flörke.

Unabhängig von der unbefriedigenden Situation arbeitet die Stadtverwaltung in der Kreisstadt an einer detaillierten Schülerprognose. Es soll zusammen mit den Schulleitungen der künftige Kapazitätsbedarf für die städtischen Schulen in Parchim ermittelt werden. „Es bleibt zu hoffen, dass bis dahin die notwendigen Regelungen des Landes zur inklusiven Beschulung vorliegen“, so Dirk Flörke. Die Landesregierung hat im Oktober 2015 ein Strategiepapier zur Umsetzung der Inklusion im Bildungssystem von Mecklenburg-Vorpommern bis ins Jahr 2020 erlassen. Das soll die Grundlage für die Umsetzung der anspruchsvollen Ziele bilden.

Die Schullandschaft hat sich in Parchim in den zurückliegenden Jahren beispielhaft entwickelt. „Eine enorme Herausforderung bestand insbesondere darin, zum einen für alle Schüler in allen Einrichtungen zeitgemäße Voraussetzungen zu schaffen und gleichzeitig den geringeren Schülerzahlen aufgrund der demografischen Entwicklung Rechnung zu tragen“, gibt der Bürgermeister , der bis zu seiner Wahl 2015 selbst als Gymnasiallehrer tätig war, zu bedenken. 1995/96 hatten 2317 Jungen und Mädchen an den städtischen Schulen gelernt. Elf Jahre später waren nur noch 1061 Schüler an Grund- und Realschulen (rund 45 Prozent gegenüber Mitte der 1990er Jahre) registriert. Die aktuelle Gesamtschülerzahl hat sich auf 1257 Grund- und Realschüler eingepegelt.

Stadtvertreter und Verwaltung sind sich einig, dass der Ausbau der Bildungs- und Freizeiteinrichtungen Priorität haben. Seit 2009 wurden jährlich durchschnittlich 142 000 Euro für Lern- und Unterrichtsmittel sowie die Ausstattung aus dem Stadthaushalt zur Verfügung gestellt. Für die bauliche Unterhaltung der zum Teil älteren Schulen wurden in den zurückliegenden 17 Jahren rund 3,7 Millionen Euro Investitionsmittel benötigt.

An allen Schulen existiert inzwischen eine bedarfsgerechte Computerausstattung. „Die gegenwärtig guten Bedingungen dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin Handlungsbedarf besteht“, gibt Dirk Flörke zu bedenken. Eine neue Herausforderung stelle der besondere Förderbedarf für Flüchtlingskinder dar, die erst die deutsche Sprache erlernen müssen. 88 Jungen und Mädchen besuchen in diesem Schuljahr in Parchim so genannte DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache).

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erstellt am 15.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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