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Parchimer Zeitung

09. Dezember 2016 | 01:04 Uhr

Domsühl : Schulübung mit bitterem Beigeschmack

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Feuerwehr testet Evakuierung der Eldetalschule. Gravierendes Fehlverhalten hätte im Ernstfall gefährlich werden können

In dem Dorf heulte gestern gegen 11.30 Uhr die Sirenen. Kurze Zeit später fuhren mehrere Einsatzfahrzeuge der Gemeinde sowie die Drehleiter der Parchimer Wehr mit Blaulicht und Martinshorn vor die Gebäude der Regionalen Eldetalschule mit Grundschule. Es war eine gemeinsame Übung der Schule und der Feuerwehr, die vor Ort relativ geheim blieb, denn nur die Kameraden sowie der Schulleiter Bernhard Weimer waren eingeweiht.

Im Vorfeld wurden die Kameraden durch den Amtswehrführer Frank Schweitzer auf die besondere Übungssituation hingewiesen. „Die Schüler sollen durch die Fenster mit Hilfe der Drehleiter aus den oberen Etagen evakuiert werden. Niemand darf über die Flure gehen, die für die Übung eingenebelt werden. Dabei ist weiterhin zu beachten, dass Jungen und Mädchen von der Grundschule bis in die oberen Klassenstufen betroffen sind. Einige könnten Angst haben. Geht sensibel vor“, so im Vorfeld der Amtswehrführer.

Wenig später trifft Frank Schweitzer mit Ricardo Völker in der Schule ein, um die Nebelmaschinen anzuwerfen. Sie sorgen in dem Grundschulcontainer und im Hauptgebäude für dicken Rauch. Kurz danach springen die ersten Rauchmelder an. Eine Lehrerin öffnet eine Tür und schaut auf den Flur und sieht Rauch. „Ist das ein Test?“, fragt sie ungläubig und geht zurück. Auf dem oberen Flur wollen einige Schüler über die Treppe nach unten ins Freie. „Hier ist alles voller Rauch, hier kommen wir nicht durch“, meinten einige und drängten zurück. Sie suchten sich einen anderen Weg durch den Rauch zur Aula und wollten von dort über die Treppe nach außen. Die Mädchen und Jungen der Klassen, die sich im Erdgeschoss befinden, verließen durch Fenster das Haus und liefen zum benachbarten Sportplatz. Auf dem Sammelplatz wurde die Schülerzahl überprüft.

Die Kameraden waren in der Zwischenzeit mit ihrer Technik vorgefahren. Alle Schüler hatten bereits das Gebäude verlassen. Die geplante Übung fand somit nicht mehr statt. „Das klingt zunächst gut, wenn alle Schüler in Sicherheit sind, aber eklatante Fehler überschatten diese Übung“, so das Fazit von Amtswehrführer Schweitzer. Die Kinder und Jugendlichen seien durch den Rauch ins Freie gelaufen, ohne die Konsequenzen zu kennen. „Das hätte unter Umständen im Ernstfall Verletzte und Tote geben können“, gibt auch Schulleiter Bernhard Weimer auf dem Sportplatz vor Schülern und Lehrern zu bedenken. Erst kürzlich hatte es bereits eine schulinterne Übung gegeben. „Da war auch nicht alles optimal gelaufen. Deshalb sollte erneut mit realistischem Szenario geübt werden“, so Weimer. Im Ernstfall käme der Faktor Panik hinzu. So ruhig wie möglich müssen die 270 Schüler in Sicherheit gebracht werden. „Die Abläufe werden zwei Mal jährlich trainiert. Sie müssen von Lehrern und Schülern abgerufen werden“, so der Schulleiter. Eine differenzierte Auswertung werde mit dem Lehrerkollegium durchgeführt. Und eines steht fest: „Die nächste derartige Übung folgt garantiert.“

Amtswehrführer Frank Schweitzer macht noch einmal deutlich, dass man bei einem Brand „in einem rauchfreien Raum auf Hilfe warten soll und nicht, wie hier erlebt, sich unkalkulierbaren Gefahren aussetzen darf“.

Die gestrige Übung an der Domsühler Schule hat Probleme aufgedeckt, die künftig nicht mehr auftreten dürfen. Denn keiner – weder Schüler und Lehrer noch die Kameraden der Feuerwehr – mögen sich vorstellen, wenn derartige gravierende Fehler im Ernstfall passieren.

 

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erstellt am 18.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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