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Parchimer Zeitung

29. Juni 2016 | 07:25 Uhr

Demonstration : Parchim sicherer Ort für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Stadt unterstützt Demo für Vielfalt und Toleranz des Netzwerks Flüchtlinge und bereitet Bürger-Infoveranstaltung vor.

Die Parchimer hatten noch nie Probleme mit Flüchtlingen und Asylbewerbern. Gastfreundschaft wird in der Kreisstadt großgeschrieben. Folgerichtig werden die Mvgida-Protest-Marschierer gegen Asylpolitik am Montag Konkurrenz bekommen. Das Netzwerk für Flüchtlinge in Parchim und die Stadtvertreter rufen zur Teilnahme an einer Demonstration für Vielfalt und Toleranz auf.

„Meinungen sind vielfältig und der Diskurs wichtig. Deshalb laden wir alle Parchimer BürgerInnen, deren Meinung nicht durch Mvgida abgebildet wird, zu einer Gegenveranstaltung ein“, heißt es im Aufruf des Netzwerks Flüchtlinge in Parchim. Die Demonstration findet am kommenden Montag ab 17.30 Uhr vor dem Sporthallenparkplatz des Gymnasiums in der Ziegendorfer Chaussee statt. Kerzen, Lampions und Transparente sind erwünscht.

Mit einer gemeinsamen Erklärung greifen Bürgermeister Dirk Flörke und die Stadtvertretung das Thema auf. „Stadtverwaltung und Stadtvertretung stellen sich gemeinsam der Herausforderung, welche mit der Asyl- und Flüchtlingspolitik des Bundes einhergeht“, heißt es. Gleichzeitig stehe die Stadtverwaltung wegen der „suboptimalen Koordination von Bund und Ländern“, wie andere Kommunen auch, vor sehr vielen unbeantworteten Fragen.

Wie viele Zuweisungen Parchim perspektivisch noch bevorstehen, wie ein zukünftiger Verteilerschlüssel zustande kommt, welche Unterkünfte seitens des Landkreises Ludwigslust-Parchim noch beansprucht werden müssen, wie die Betreuung, Integration und eine ausreichende Finanzierung gesichert werden soll: All das seien offene Fragen, die neben vielen weiteren noch nicht geklärt seien und dringend Antworten bedürfen.

Die Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen sei originäre Aufgabe des Landkreises, dennoch sieht sich Bürgermeister Dirk Flörke in der Verantwortung, die Parchimer ausreichend zu informieren: „Eine umfassende Information der Bürger Parchims ist für mich alternativlos. Die kurzfristigen Zuweisungen und die damit einhergehende Entscheidung die Tennishalle als Notunterkunft zu nutzen, hat uns wahrlich überrumpelt.“ Flörke bewertet die Reaktionszeiten von Verwaltungen auf spontane Ereignisse als „nicht optimal“. Weiter: „Hier werden wir uns zukünftig besser strukturieren und aufstellen müssen. Gleichwohl sind wir auch auf entsprechende Informationen der übergeordneten Stellen angewiesen. Und wenn es dort hapert, hat die Stadt und habe auch ich ein Problem.“

Die Informationspolitik seitens der Verwaltung sei Kernaufgabe für den neuen Bürgermeister. Dirk Flörke: „Ich stehe für Transparenz und die Parchimer haben das Recht auf ausreichend Information“. Die Stadtverwaltung sieht dabei gemeinsam mit den Fraktionen auch die Notwendigkeit einer Bürgerversammlung, um die Parchimer über die momentane Situation und zukünftige Entwicklungen zu informieren. „Es gibt viele berechtigte Fragen aus der Bevölkerung, die ernst genommen werden müssen. Eine Bürgerversammlung wird bereits vorbereitet“, bestätigt Flörke.

Stadtverwaltung und Stadtvertretung haben sich ebenfalls darauf verständigt, zukünftig mit allen Beteiligten aus dem Landkreis, aber auch aus den Netzwerken besser und effizienter zusammen zu arbeiten, um so kürzere Informations- und Abstimmungswege zu gewährleisten. Als Ansprechpartner wurde hierzu die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Parchim, Susanne Arnold benannt.

„Wir können diese Herausforderung nur gemeinsam bewältigen. Hier sind alle Beteiligten gefordert, um die derzeitige Situation in Parchim zu meistern“, so die erst kürzlich ins Amt gewählte Stadtpräsidentin Ilka Rohr. Weiter erklärt sie im Namen aller Stadtvertreter: „Wir wollen gemeinsam unseren Teil dazu beitragen, dass Parchim ein sicherer Ort für Menschen ist, deren Recht auf Leben, Gesundheit, Nahrung und kulturelle Identität in ihren Heimatländern verwehrt wird“. Damit deutet die Stadtpräsidentin die bevorstehende Mvgida-Demonstration an. „Die derzeitige Situation ist nicht zu ändern und Parchim steht neben vielen anderen Kommunen vor etwaigen Herausforderungen“, so Rohr weiter.

Dennoch sind sich Stadtverwaltung und Stadtvertretung darüber einig, dass sich der überwiegende Teil der Parchimer Bevölkerung dem gegenüber stellen werde. Allein der Fakt, dass unzählige ehrenamtliche Helfer in der Notunterkunft tagtäglich helfen, zeigt die positive Einstellung der Parchimer, sich schnell, unkompliziert und ohne Vorurteile auf neue Herausforderungen einzustellen. Im Namen der gesamten Stadtvertretung bedanken sich Stadtpräsidentin Ilka Rohr und Bürgermeister Dirk Flörke recht herzlich für die unermüdliche Arbeit der Ehrenamtler. „Ihnen gebührt absoluter Respekt, Anerkennung und großer Dank, denn sie haben es einfach angepackt und helfen jeden Tag unzähligen Menschen in den Notunterkünften. Viele Beschaffungen von Lebensmittel, Hygieneartikeln und Fahrkosten tragen sie dabei privat“, so der Bürgermeister. Linken-Fraktionsvorsitzende Elke-Luise Skiba ergänzt: „Auch die Bürger der Stadt Parchim und der Ortsteile stellen sich den Herausforderungen und helfen den Bedürftigen. Das ist auch für unsere Partei Ehrensache.“

Die Stadt Parchim hat ein treuhänderisches Spendenkonto zur Unterstützung der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe eingerichtet. Die eingehenden Spenden werden direkt dem Netzwerk Flüchtlingshilfe Parchim zur Verfügung gestellt.

Empfänger: Stadt Parchim
BIC: NOLADE21PCH
IBAN: DE49 1405 1362 1600 0703 76,Verwendungszweck: Flüchtlinge

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erstellt am 16.Okt.2015 | 12:00 Uhr

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