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Parchimer Zeitung

03. Dezember 2016 | 01:21 Uhr

Interesse für Einstiegsqualifizierung steigt : Neues Rezept für Berufseinstieg

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

35 Mädchen und Jungen im Landkreis nutzen spezielles Angebot

Ein Umweg führt mitunter besser zum Ziel, als der gerade Weg. Das wissen auch die Mitarbeiter des Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur und bieten seit einiger Zeit die Einstiegsqualifizierung an. „Mitunter hapert es mit der Theorie, der Bewerber ist eher ein Praktiker oder derjenige benötigt etwas mehr Zeit, um etwas zu verinnerlichen. Dafür ist die Einstiegsqualifizierung ideal geeignet und wird zunehmend angenommen“, sagt Yvonne Arndt von der Arbeitsagentur.

35 Mädchen und Jungen nutzen im Landkreis – die Mehrheit in der Region Parchim, Lübz und Sternberg – derzeit diese spezielle Form des Berufseinstiegs. Die Dauer beträgt mindestens sechs, längstens jedoch 12 Monate und ist für Jugendliche bis zum Alter von 25 Jahren gedacht. Die Agentur finanziert diese Art des Berufseinstieges und zahlt auch eine Vergütung. „Diese kann vom Arbeitgeber bis zur Höhe des Lehrgeldes aufgestockt werden“, sagt die Arbeitsmarktexpertin.


„Dieser Weg war auch für uns neu“


Einer, der dieses Angebot angenommen hat ist Florian Tatula aus Parchim. Über die Einstiegsqualifizierung hat der jetzt 16-Jährige seine Lehrstelle gefunden. „Es war nicht leicht, ich hatte verschiedene Praktika absolviert, unter anderem in einer Backstube. Aber es war nicht das Richtige für mich“, sagt er und ist froh, dass er nun bei den Lewitz-Werkstätten in der dortigen öffentlichen Kantine eine Lehre als Koch absolviert. Vorausgegangen waren ein einwöchiger Schnupperkurs, ein Praktikum, und danach nutzte er die Einstiegsqualifizierung vom 1. September 2015 bis Ende Juli in diesem Jahr. „Wir bilden seit 18 Jahren Köche in unserer Küche aus, dieser Weg der Berufsfindung war auch für uns neu, aber es klappt“, sagt der Küchenleiter und Ausbilder Karsten Hinrichs. Aber es war auch für ihn nicht leicht und erfordert Fingerspitzengefühl. „Die Motivation von Florian war da und in der Berufsschule, die er während der Einstiegsqualifizierung besucht, brachte er gute Leistungen mit. So hätte er in diesem Jahr sogar ins zweite Lehrjahr übernommen werden können“, erzählt der Küchenchef.

Diese Möglichkeit der Anerkennung der Einstiegsqualifizierung als erstes Lehrjahr ist durchaus möglich, sofern die Voraussetzungen gegeben sind. Doch im Interesse des Jugendlichen hat man sich im Fall Florian gemeinsam darauf geeinigt, diese Variante nicht zu nutzen. „Florian braucht einfach die Zeit, sich noch weiter zu entwickeln und in den praktischen Berufsalltag rein zu wachsen“, begründet der Küchenchef die Entscheidung, nun offiziell mit dem 1. Lehrjahr zu beginnen. Und Florian ist glücklich mit dieser Entscheidung. „Mir gefällt es und es ist abwechslungsreich, es ist nicht immer der gleiche Speiseplan und man hat auch mit Menschen zu tun“, erzählt der ruhige, bescheidene junge Mann, und formt wenig später das fertig gewürzte Hackfleisch zu runden Kugeln, denn am nächsten Tag stehen Königsberger Klopse auf dem Speiseplan. Sein Ausbilder steht daneben – gemeinsam ist die Arbeit schnell getan.

Für Personalleiterin Annette Jeske von den Lewitz-Werkstätten ist diese Variante des Berufseinstieges auch neu, aber „eine gute Sache. Es ist ein Versuch für beide Seiten und man ist zu Anfang nicht so gebunden wie bei einem Lehrvertrag. Stimmen die Voraussetzungen einer Ausbildung nicht, dann ist der Betrieb nicht verpflichtet, diese Einstiegsqualifizierung weiterzuführen“, sagt sie.

Im Fall Florian hat sich aber alles zum Guten gefügt und beide Seiten sind froh, diesen Weg gegangen zu sein. „Er hat so viel gelernt in den vergangenen Monaten und ist selbstbewusster geworden, kommuniziert mit den Kunden. Zu Anfang war er doch zurückhaltender und hat sich sehr gut entwickelt“, lobt die Personalleiterin. Und noch etwas ist bemerkenswert: „So einen perfekt geführten Ausbildungsnachweis wie bei Florian haben wir noch nie gesehen, das ist ein leuchtendes Beispiel“, heißt es. Und wenn die drei Lehrjahre vorbei sind, dann hat Florian viele Möglichkeiten. „Ein Koch sollte aber in die Welt ziehen und bei verschiedenen Einrichtungen dazu lernen und sich mit Kollegen austauschen“, lautet die Empfehlung seines Ausbilders. Eine mögliche Übernahme ist dennoch nicht ausgeschlossen.

 

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erstellt am 26.Okt.2016 | 18:00 Uhr

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