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Parchimer Zeitung

03. Dezember 2016 | 16:40 Uhr

„Kunst Heute“ in Mestlin : Neue Kunst in alten Mauern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Kulturhaus von Mestlin wurde „Kunst Heute“ zum achten Mal organisiert. Ein Mix aus Bildern, Skulpturen, Video- und Klanginstallationen wartet auf die Besucher

Die weiße Box, gebaut vom Fotografen Andre van Uehm, macht Stielaugen. Blickt man durch die aufmontierten Guckelemente, scheint nur jeweils ein einziges Wort im Inneren auf, zum Beispiel „Liebe“. Nichts prunkt, der Fokus ist verengt – Nahaufnahmen. Ähnlich fokussieren viele der Künstler, die im Kulturhaus Mestlin seit dem Wochenende im Rahmen der Ausstellung „Transmarginale“ zu sehen und zu hören sind, Alltägliches, ja, banal Erscheinendes und stellen es ins Zentrum oder auch in andere, neue Bezüge. So wird das von uns nur am Rande oder gar nicht Beachtete zum Hauptakteur oder zentralen Thema transformiert und die Schau in ihrer Abfolge von Exponaten zur „Transmarginale“ – dies eine Wortschöpfung der Kuratorin und Künstlerin Angela Preusz.

Da steht einsam ein Blümchen in einem geschlossenen Innenraum aus kaum durchscheinenden Plastikplanen, innen aufgedruckt sind die Wörter „Mehr direkte Demokratie“. Aber nicht das Rauschen der politischen Botschaft, sondern das Blümchen (Installation Rainer Grassmuck) scheint im Mittelpunkt zu stehen, rührt uns, macht nachdenklich. Und noch ein Beispiel: Uwe Schloen, der wohl renommierteste Künstler der Ausstellung, legt nichts anderes als den mageren „Reiseproviant“ für Migranten anlässlich ihrer Abschiebung unter eine Käseglocke, aber wieviel an Bedeutung strahlt von dieser unscheinbaren Realie aus. Bloß eine Randnotiz?

Vierzehn Künstler aus Mecklenburg, Hamburg und anderswo konnte Angela Preusz, die im Kulturhaus Mestlin zum ersten Mal als Kuratorin von „Kunst Heute“ wirkt, für die Schau gewinnen. Fast alle sind ehemalige Weggefährten aus der Hamburger Zeit der Künstlerin, die seit Jahren in Mecklenburg lebt. Im Kulturhaus von Mestlin wurde „Kunst Heute“ nun bereits zum achten Mal organisiert, ein Zeichen dafür, dass der Riesenbau aus DDR-Zeiten langsam‚ mehr Wasser unter dem Bug ansammelt“ und Fahrt aufnehmen kann, in transformierter innerer Verfassung, äußerlich in allmählich restaurierter.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 11 bis 16 Uhr und am 8. und 9. Oktober 10 bis 18 Uhr. An diesem Wochenende  sind  auch Bustouren zu Ausstellungen in Rothen und Kaarz geplant, außerdem eine Klang-Performance mit Metallobjekten, Laptop, Synthesizer.

Infos auch im Internet unter: www.kunstheute-mv.de

Dennoch – der angegraute, hier und da auch bröckelnde Bau verleiht der bunten Ausstellung auch etwas Spannendes, den Geschmack von Neuland in der Kunst. Da das Ambiente nicht „hebt“, behaupten die Werke sich pur, so wie die hochwertigen Bilder in der „farbigen Totalität“ (Preusz) von Grau des Uwe Schloen aus der Serie „Bleidorf“ und verschiedene Bilder der Bührmann-Schülerin Preusz. Gleiches gilt für die „Malbriefe“ des Künstlerpaares Alfred Wäspi und Mario Fuhse, die wundersame Videoinstallation der Rostockerin Gudrun Brigitta Nöh oder die Performance von Peter Kastner. Kastner mimt den in den USA wegen Mordes zum Tode Verurteilten Odell Barnes, der sich statt Fastfood zur Henkersmahlzeit „nur“ dreierlei wünschte: Gerechtigkeit, Gleichheit, Weltfrieden.

Mit ihrem Mix aus Bildern, Skulpturen, Video- und Klanginstallationen, Fluxus und Performances bietet die Ausstellung reichlich Impulse, Dinge neu oder überhaupt wahrzunehmen. Wer sich für bildende Kunst interessiert, sollte unbedingt hingehen, sich möglichst auch Zeit nehmen.

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erstellt am 04.Okt.2016 | 11:45 Uhr

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