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Parchimer Zeitung

10. Dezember 2016 | 02:04 Uhr

Parchim : Man hatte Respekt vor den Lehrern

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Beim Altschülertreffen am Beruflichen Bildungszentrum in Parchim wurden Erinnerungen wach

Wiedersehen an der alten Berufsschule: Ehemalige Lehrer und Schüler der Parchimer Bildungseinrichtung schauten sich im Gebäude in der Eldestraße um. Das Altschülertreffen hatten die jetzigen Zwölftklässler des Wirtschaftsgymnasiums am Regionalen Beruflichen Bildungszentrum des Landkreises Ludwigslust-Parchim mit Klassenleiterin Karen Bastrop organisiert.

Aus der Nähe von Rostock kam Wolf-Rüdiger Manschewski (69) zu dem Treffen. Er hatte in der Zeit von 1970 bis 1979 als Heimerzieher in Parchim gearbeitet. Das Lehrlingswohnheim befand sich am Mühlenberg. Hier kamen die künftigen Polsterer, Maurer, Verkäufer und junge Leute aus anderen Berufsgruppen unter, während sie ihre theoretische Lehrausbildung in Parchim absolvierten. Für eine Mark und zehn pro Tag mit Verpflegung – wie sich Wolf-Rüdiger Manschewski erinnerte.

Er selbst stammt aus Parchim. Sein Vater Emil Manschewski war Böttchermeister in der Tischlerei Buhr. Zu diesem Betrieb gehörte auch eine Drechslerei, die Spinnräder produzierte, erzählte der Sohn. Ende der 1950er-Jahre war Schluss mit den Spinnrädern, ebenso mit den Fässern und Waschbottichen aus der Böttcherei. Man brauchte Hartholz. Und es wurde erzählt, dass es keine Eiche und keine Buche mehr gab, sagte Wolf-Rüdiger Manschewski.

In dem Lehrlingsinternat am Mühlenberg hatte auch Annemarie Ahrens, damals noch unter dem Namen Walter, zeitweise gelebt. Allerdings viele Jahre vor der Dienstzeit von Wolf-Rüdiger Manschewski. Die heute 74-Jährige hatte von 1958 bis 1961 bei der BHG Hagenow Handelskauffrau gelernt. Und während der Berufsschulzeit im Internat in Parchim, so erzählt sie schmunzelnd, habe sie „einen Drachen von Erzieherin“ erlebt. In dem einen Haus zum Moltkeplatz wohnten die Mädchen, in dem anderen zur Blutstraße die Jungen. Zwischen beiden Gebäuden gab es einen Essenraum. Und da passte die Erzieherin peinlich auf, dass Jungs und Mädels nicht zusammen kamen.

Ihr Mann Eckart Ahrens (77) war nicht im Internat, denn er ist Parchimer und gehörte in den Jahren 1954 bis 1957 zur Klasse der Metallbauer an der hiesigen Berufsschule. „Es war eine exakte Ausbildung“, erinnert er sich. „Man hatte Respekt vor den Lehrern.“ Viel handwerkliches Können war natürlich gefragt. Denn seinerzeit musste beispielsweise viel alte Landtechnik instand gesetzt werden.

Karen Bastrop, eine der heutigen Lehrerinnen an der Bildungseinrichtung in Parchim, begrüßte die Altschüler und führte viele von ihnen durch das Haus, das die Ehemaligen kaum noch wiedererkannten. Selbst Parchimer, die hier oft vorbei kommen, erklärten, dass sie zuvor seit Jahrzehnten keinen Blick mehr hinein geworfen hatten.

Unter den Interessierten war beispielsweise Gisela Schöder (76) aus Parchim, die in den 1950er-Jahren bei der Konsumgenossenschaft Buchhalterin für den Groß- und Einzelhandel gelernt hatte. Es sei eine schöne moderne Schule geworden, so die Parchimerin.

Andere kannten das Gebäude bereits bestens. „Wir kommen immer“, sagte Anke Goy (72). Zusammen mit weiteren ehemaligen Lehrerinnen der Berufsschule tauschte sie sich wie bei jedem Altschülertreffen am Martinimarktwochenende mit ihren früheren Kolleginnen aus und hatte alte Fotos und Zeitungsartikel dabei. Die alljährliche Runde hat auch noch einen anderen Grund. Die Lehrerinnen wissen, dass sie auf diese Weise die Zwölftklässler des Wirtschaftsgymnasiums unterstützen. Die jeweilige Jahrgangsstufe bereitet das Altschülertreffen vor und verdient sich auf diese Weise Geld für die Klassenkasse.

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erstellt am 08.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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